Merlins runder Tisch…

In jedem von uns schlummert unbewusst Angst. Der Wunsch nach Sicherheit und Beständigkeit. Und auch wenn wir uns bewegen und unser Leben meistern und klar kommen, so warten wir unbewusst doch auf jemanden, der eben immer weiß was zu tun ist. Der uns genau sagt was richtig und was falsch ist. Der uns leitet und dem wir so blind vertrauen können, wie wir es vermutlich nicht mal uns selbst gegenüber können.

Vielleicht ist das ja die Kerndefinition von Religion? Denn was ist es denn anderes als ein bloßer Wunsch nach einem Erlöser – in welcher Form auch immer?
Der resultierende Fehler aus dieser Haltung ist allerdings das Verharren in bestehenden Strukturen. „Wird schon irgendwie irgendwas passieren und weitergehen. Einer wird’s schon richten.“ Oder es passt einfach so, weil wir es uns nicht erlauben, darüber hinaus zu blicken. Weiter zu denken kommt einem Verrat an dem gleich, was wir haben und wie ein Zeichen von Undankbarkeit. Als würden immer nur jene weiter denken wollen, die unzufrieden mit ihrem Istzustand und undankbar sind…
Wir jedoch werden mit der Zeit immer starrer und steifer in unserem Denken und bewegen uns irgendwann einfach gar nicht mehr weiter als wir sehen können. Und nicht nur das, wir verlieren uns auch in allen möglichen Interpretationen von Aussagen und Details und beschränken dadurch unseren Horizont. Scheinbar endlos drehen wir uns so im Kreis. Unfassbar unsichtbar bleibt die Lösung, die wir manchmal gar nicht mehr wollen. Denn nirgends ist es so sicher wie in unserer eigenen kleinen beschränkten Welt, die wir gewohnt sind…

Kommen wir aber nun vom einzelnen Menschen ins ganz große…

Wenn ich eine Welt malen könnte, dann wäre es eine, in der dieser Messias, dem wir so sehr vertrauen können, tatsächlich existiert. In meiner Wunschvorstellung ist es ein alter weiser Merlin-Zauberer, der es schafft das Elementare zu verbinden und Menschen zusammen zu bringen, indem er die Rolle eines Kommunikationsmediums einnimmt.
Klingt schön oder? Aber das wirklich zu erhoffen wäre ein blinder Glaube… denn vielleicht dachten auch Diktatoren, dass sie der Messias seien?
Was ist also, wenn dieses Etwas einfach kein Mensch sein kann, weil kein Mensch alleine über allem stehen kann und das auch nicht sollte? Was ist, wenn es niemals ein Wesen im eigentlichen Sinn sein kann? Vielleicht ist dieses „Es“ ja vielmehr die Verbindung an sich zwischen dem Elementaren, den Menschen? Eine Kraft, die uns zusammenführt?

Wenn ich mir meine Welt malen könnte, so würden an Merlins großem runden Tisch nicht die scheinbar mächtigen Politiker, Großmächte und reichen Eliten sitzen, sondern Menschen, die wirklich aus dem Grund zusammenkommen, um zusammen zu kommen.
Das wären dann Menschen, die nicht bloß gut reden/überzeugen/manipulieren können, sondern in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren. Die sich verbinden wollen, um eine bessere Welt zu schaffen und nicht nur da sitzen, um sie irgendwie am Laufen zu halten. Dann säßen da auch keine Ignoranten (wie es scheinbar gerade der Fall ist), sondern wirklich greifbare Menschen, denen wir vertrauen können.

Wenn ich mir eine Utopie erschaffen könnte, dann stünde da ein runder Tisch, an dem je ein Vertreter von etwas sitzt. Zum Beispiel wären das je ein Vertreter der Linken, der CDU/CSU, der SPD, der PAREI, der FDP, der Grünen und von mir aus auch der AfD. Kein Aufschrei, bitte… Auch so jemand muss an diesen Tisch. Die einzige Voraussetzung ist die Fähigkeit anzunehmen, zuzuhören und andere nicht in Grund und Boden zu diskutieren und zu beleidigen. Wer denkt, er müsse an diesem Tisch gewinnen, wird nicht zugelassen. (Was zur Folge hätte, dass JETZT an diesem Tisch einfach NIEMAND aus der Politik sitzen würde…!)

Zurück bleibt am Ende also die Essenz der Essenz der Essenz der Politik, die bereit ist die Dinge zu regeln und sich einzubringen ohne nur die eigenen Interessen durchsetzen zu wollen. Es geht nämlich an diesem Tisch um einen Diskurs, also um das, was Demokratie sein sollte.
Oder ist das vielleicht eine neue Form von Politik für die es noch keinen Namen gibt? Denn für mich bleibt es nicht bei diesen paar Personen. Für mich gehören noch Menschen an diesen Tisch, die momentan so gar nicht gehört werden, obwohl sie ein elementares Verbindungselement zwischen oben und unten und innerhalb der Gesellschaft sind: Philosophen, Pädagogen, Sozialwissenschaftler, Psychologen,…
Wo sind die eigentlich jetzt? Wer fragt die eigentlich um Rat außer YouTube? Welcher Politiker in Deutschland nimmt sie in seiner unendlichen Arroganz überhaupt ernst? Wer von ihnen tritt mal aus seiner kleinen beschränkten Welt heraus und ist fähig ein wenig utopisch zu denken und Gedankenspiele zuzulassen?
Aus diesem Grund ist es auch wichtig Menschen an diesen Tisch zu setzen, die auf jeden Fall (noch) träumen können, weil sie sich noch nicht an unsere Welt angepasst haben wie wir sie uns geschaffen haben und somit nicht Sklaven von irgendwelchen vorgegebenen Strukturen sind: Kinder.

 

Wenn ich mir jedoch die Gegenwart so ansehe, dann sind wir leider weit entfernt davon, uns mit dieser „Merlin-Mantalität“ zu begegnen. Wir sind nicht mal ansatzweise auf dem Weg dahin…
Und ich nehme mir jetzt mal heraus zu behaupten, dass ich mit meinen Wünschen eigentlich nicht alleine bin und dass ich nicht die einzige bin, die das genau so sieht wie ich… dass sich auch andere Transparenz und Gerechtigkeit und ein besseres Miteinander wünschen.

Denn seien wir doch mal ehrlich: Was schon seit langem bei der Bevölkerung ankommt, die sich auch nur etwas mit Politik beschäftigt, ist ein Missmut. Ein Gefühl einfach nur „verarscht“ zu werden. Ein nicht verstehen, warum. Ein hilfloses Zusehen. Ein Machtkampf an den Fronten. Ein Zulassen von Zerstörung. Eine Unflexibilität. Ein Festhalten an einem Wirtschaftssystem, das uns aufgezwungen wird ohne zu fragen und Menschen untergehen lässt, immer wieder aufs Neue…

Und da frage ich mich…: Wie sollen wir Menschen im Kleinen denn lernen miteinander umzugehen, wenn es uns keiner vormacht, wie man eigentlich richtig miteinander kommuniziert und umgeht?

Was soll eigentlich aus dieser Welt werden?

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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2 comments

Kommen wir aber nun vom einzelnen Menschen ins ganz große…

Mir scheint dieses ganz Große viel zu groß zu sein für uns Menschen. Wir können uns Merlins runden Tisch vielleicht vorstellen, aber nicht „machen“, denn a) gibt es Merlin nicht, und b) will keiner was von ihm wissen. Für mich ist Merlins runder Tisch viel zu groß gedacht. Dieses Große kann nicht funktionieren, solange es im Kleinen schon nicht geht. Und wenn es im Kleinen funktioniert, klappt es im Großen ganz automatisch, ganz ohne runden Tisch.Was meine ich mit „solange es im Kleinen schon nicht geht“? Ich meine das persönliche Umfeld. Solange ich meinen Nächsten nicht liebe (sorry für die religiöse Sprache), kann ich auch im Großen keinen Frieden halten. Solange ich meinen Nachbarn nicht mehr grüße, weil er sein Auto vor meinem Fenster parkt, solange ich Steuerschlupflöcher suche, solange ich meine Schwerster hasse, weil sie den besseren Job hat, solange ich Neid verspüre, weil jemand eher geimpft wird als ich, solange brauche ich auch keinen runden Tisch. Zumindest wird der nichts bringen.Ich stehe auf die kleinen Dinge. Darauf, meinen Kindern Nettigkeit, Höflichkeit, Demut und Respekt vorzuleben, so gut ich es kann, in meinem kleinen Umfeld Streit zu schlichten oder Dinge zu verschenken oder un-nette Menschen auszuhalten und anzulächeln oder ihnen beizustehen. All das mache ich viel zu wenig, doch all das sehe ich als den einzigen funktionierenden Plan an, die Welt nachhaltig zu verbessern. Denn was ich säe, wird irgendwann geerntet werden (wieder religiöser Singsang).Ich bin nicht religiös. Aber die Figur des Jesus ist mein Held. Denn er soll genau das getan haben, was ich oben schrieb: Er hat sich selbst eingesetzt für andere. Er hat keinen Reichtum gesammelt, sondern Armut vorgelebt. Er hat Persönlichkeit geschenkt und Zuwendung und Respekt vor dem Einzelnen und dem Schwachen. Tja, so wäre ich auch gerne, ist ein tolles (unerreichbares) Vorbild. Einen runden Tisch braucht niemand mehr, wenn wir das alle verinnerlicht hätten, was in dieser Figur steckt. Denn dann würden wir alle ganz automatisch aufeinander achten.Allein: für diesen Plan brauchen wir sehr viel Zeit und noch mehr Geduld.

Interessanter Gedankengang…!
Ich denke im Grunde wie du und glaube daran, dass das, was ich nach Außen trage eine positive Kette auslösen kann und sich vermehrt. Wenn ich das nicht tun würde, so wäre ich nicht hier, denn mir ist das unglaublich wichtig.
Andererseits bin ich so sehr enttäuscht von denen, die genau das vorleben könnten und nichts daraus machen. Sie verschwenden in meinen Augen viel zu oft ihren Einfluss und das Resultat ist jene Unzufriedenheit dieses „Machtmissbrauchs“, die es uns stillen „Love Warriors“ echt nicht leicht macht…

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