Vom Wunsch einer Namenlosen(?) nach einer besseren Welt..

Irgendwie passiert seit einiger Zeit so unglaublich viel parallel… in meinem Leben und vor allem auch in meinem Kopf.
Durch Observer, der gerade quasi bei mir wohnt, und die ganzen Gedankenimpulse, die wir in unseren Gesprächen bei uns gegenseitig triggern, überschneiden sich bei mir mittlerweile so viele Themengebiete, dass ich gar nicht weiß, wann ich das alles denn noch schriftlich verarbeiten soll…
Meist geschieht das am Wochenende, denn da habe ich die meiste Zeit bzw. Ruhe, um irgendetwas davon richtig auszuformulieren. Und es ist wirklich ein wundervolles Gefühl, mir dafür auch die Zeit nehmen zu können ohne dass sich mein Partner zurückgesetzt fühlt! So habe ich nicht wie sonst ein schlechtes Gewissen und kann einfach das ausleben, was mir so wichtig ist. Besser noch: Er weiß es zu schätzen und unterstützt mich durch eben all die Gespräche und durch sein ehrliches Verständnis und seine Akzeptanz!

Wir stellen uns beide jedoch die große Frage, wo man denn bei all diesem Input eigentlich anfangen soll und wie gerade ich mich auch für andere möglichst verständlich machen kann(?)…

Ich merke einfach immer mehr, wie viele Themen mir eigentlich so unglaublich wichtig sind. Daher wird es mir gerade auch immer wichtiger, gelesen zu werden bzw. Feedback zu bekommen. Da das aber irgendwie etwas ausbleibt, kommt mein letzter Beitrag wohl auch etwas frustriert rüber und dieser davor ebenfalls.
Allerdings will ich mich damit nicht selbst bemitleiden oder irgendeine Form von Hass auf andere schieben. Ebenso suche ich nicht die Schuld in irgendjemandes Verhalten. Gefühlt lebe ich aber nun mal in einer Welt die so gar nicht meiner Vorstellung entspricht und ich versuche hier eben auch zum Ausdruck zu bringen, was alles anders sein könnte.

Und obwohl in mir so viele Wünsche brennen, von denen ich überzeugt bin, dass sie die Welt zu einem besseren Ort machen würden, bin ich zugleich so gar nicht überzeugt von mir als Person, meinem Buch und meinem Blog. Ich befinde mich also eigentlich in einem permanenten Zwiespalt…
Während für mich bestimmte Zusammenhänge also immer klarer werden, melden sich gleichzeitig auch meine Selbstwertzweifel, die mir sagen: „Was gibt eigentlich gerade dir das Recht, diese Welt infrage zu stellen und etwas daran drehen zu wollen? Was berechtigt dich dazu, dich überhaupt zu äußern? Das ist ganz schön arrogant…“ Aber wo liegt eigentlich die Grenze zwischen Arroganz und einer gesunden Überzeugung von sich selbst und den eigenen Träumen, die vielleicht nicht nur für einen selbst die Welt besser machen könnten?

In diesem Zusammenhang stellen sich ebenso folgende Fragen: Wie schaffen es eigentlich andere, gehört und gelesen zu werden? Was unterscheidet sie von mir?
Observer hat mich das gestern gefragt und mich gebeten die Punkte aufzuschreiben, die mich z.B. von jemandem wie Richard David Precht unterscheiden, wo wir doch teilweise ähnliche Ansichten haben.
Und die vier Punkte, die mir dazu spontan in den Sinn kamen und in denen ich mich unterscheide, sind:
– er kann reden.
– er hat einen Namen.
– er hat studiert.
– er hat Bücher geschrieben.

Nun, was glaubt ihr, was mein größter Aufhänger dieser Liste war? Natürlich „er hat studiert“. Mein liebstes Thema. Und auch wenn ich denke, dass ich das mit dem gescheiterten Abi heute recht gut wegstecke, beschäftigt es mich nach wie vor extrem.

Aber was hat das nun mit dem Wunsch nach einer besseren Welt zu tun?

Ich habe das Gymnasium ja damals aus etlichen Gründen nicht beendet… Zum einen hatte ich es von der Haupt- bzw. Werkrealschule aus nicht wirklich leicht und wurde somit von den vielen Fächern und dem Leistungsdruck quasi erschlagen. Zusätzlich hatte ich auch noch mit den jahrelang verdrängten und zu diesem Zeitpunkt herausbrechenden Depressionen und der damals noch nicht entdeckten Aufmerksamkeitsdefizitstörung zu kämpfen.
Doch das, was mir wirklich immer wieder den Gnadenstoß versetzt hat, waren die Gedanken an das „Danach“. Ich habe mit der Zeit realisiert, dass mein Traum das Schreiben am Literaturinstitut in Leipzig zu lernen an so verdammt viel geknüpft gewesen wäre. Andere sehen das vermutlich um einiges lockerer und machen sich da nicht so einen Kopf über die spätere Finanzierung. Die lassen sich davon vielleicht nicht so dermaßen lähmen wie ich… Mich hat der Gedanke aber regelrecht zerstört. Ich hatte ja schon eben dieses klare Ziel, was ich mir aber nicht erlaubt habe, weil es mit meinem großen Ziel der Unabhängigkeit von anderen total kollidiert hat. Ich wusste einfach, dass mich das, was danach gekommen wäre, auch weiterhin abhängig gemacht hätte von meinen Eltern, mit denen ich damals so gar nicht gut zurechtgekommen bin. BAföG-Anspruch oder ähnliches hatte ich aufgrund der finanziellen Lage meines Elternhauses nicht und selbst wenn, wer hätte mir mit dem Antrag denn geholfen? Wie soll man denn mit schweren Depressionen sowas bewerkstelligen, wenn man es nicht mal schafft zur Schule zu gehen, die direkt gegenüber ist? Und wie soll man sich ohne jegliche Sicherheit zum Lernen motivieren? Wer hätte mir denn versichern können, dass mein Weg nicht einfach nur naive bekloppte Luxusträumerei ist und dass ich später auch mit dem Schreiben Erfolg gehabt hätte, um all das zurückzuzahlen?
Dieses Dilemma zu erklären ist auch jetzt nicht so wirklich einfach, weil ich denke, dass es ohnehin keiner so recht nachvollziehen kann. Und es ist wohl ebenso schwer nachzuvollziehen, dass ich aus Angst vor weiterer finanzieller Abhängigkeit lieber meinen utopischen Traum begraben und in einer Spülküche gearbeitet habe, um so wenig wie möglich jemandem auf der Tasche zu liegen.
Ja, so war ich und so bin ich nach wie vor. Andere denken sich da vielleicht: „Hey, ist doch kein Problem?! Sind ja deine Eltern…“ Und ja, sie hätten wohl auch kein Problem damit gehabt mir ein Studium zu finanzieren, selbst wenn es brotlos bleibt. Sie haben mir ja auch das Gymnasium finanziert. Und meine erste Wohnung. Undundund… (viel zu viel) Aber ich konnte und kann nach wie vor den Gedanken nicht ertragen, alleine durch irgendjemandes Geld den Vorteil der Sorglosigkeit und offenen Türen in dieser Welt zu „besitzen“, während anderen das nicht möglich ist. Ich wollte nie die Tochter aus reichem Hause sein. Für mich war das immer ein beschissenes Los, das in unendlichen Schuldgefühlen endet. In Verpflichtung. In Abhängigkeit.

Und ich würde andere das so gerne sehen und nachempfinden lassen. Damit sie verstehen, warum ich mir eben so sehr ein Bedingungsloses Grundeinkommen wünsche. Ich wünsche mir einfach echte Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Ich wünsche mir so sehr, dass die, die nach mir kommen, ihre Träume verwirklichen können, bevor sie im Keim erstickt werden.

Natürlich weiß ich, dass gewiss nicht jeder so Probleme mit dem Annehmen von Geld hat wie ich und dass ich nicht von mir auf andere schließen soll. Und dass ich es mir vermutlich schon sehr schwer gemacht habe…
Aber sind wir mal ehrlich: Wer kennt nicht jemanden, dessen Träume auf diese oder ähnliche Weise zerstört werden oder wurden oder einfach gar nicht erst entstehen können oder konnten? Wer kann sich denn nicht vorstellen, wie motivationslos es einen machen kann nicht zu wissen wie es weitergeht? Sollen wir das den zukünftigen Generationen, die mit weitaus mehr Arbeitslosigkeit und Angst zu kämpfen haben werden, wirklich antun? Sollten wir es überhaupt Menschen, die nichts für die Familienverhältnisse können, in die sie hineingeboren wurden, so unendlich schwer machen?

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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4 comments

– er kann reden.
na, geht so. Joe Biden oder ein bestimmter Pastor hier in der Gegend können das besser.
– er hat einen Namen.
allerdings
– er hat studiert.
hm.
– er hat Bücher geschrieben.
hast Du auch

Ich finde, Dein größter Aufhänger sollte Punkt zwei sein. Precht wird gehört und Du kennst ihn auch nur, weil er einen Namen hat. Den hat es sicher durch Leistung, aber nicht nur. Da ist immer auch viel Glück dabei.
Unabhängig davon finde ich ihn auch großartig; aber da draußen sind noch sehr viele, die ich nicht kenne, und die ich noch großartiger fände, die aber kein Glück hatten.

Nun, ich finde, Dein größter Aufhänger sollte Punkt zwei sein. Dann hättest Du die die ganze zweite Hälfte dieses Artikels sparen können ;-)

aber da draußen sind noch sehr viele, die ich nicht kenne, und die ich noch großartiger fände, die aber kein Glück hatten.

Da sagst/schreibst du was! Und mir tut es Leid um diese vielen Genies auf ihren Gebieten. Glück gehört da mit Sicherheit dazu…

Nun, ich finde, Dein größter Aufhänger sollte Punkt zwei sein. Dann hättest Du die die ganze zweite Hälfte dieses Artikels sparen können ;-)

Hmmmm… mir fällt es dennoch schwer zu glauben, dass man auch ohne Studium ernst genommen wird und überhaupt zu einem „Namen“ kommt… und ich wünschte, ich hätte die Größe und den Mut wirklich mit Überzeugung darüber zu stehen. Stattdessen „erlaube“ ich mir, mich überhaupt zu äußern und fühle mich so unglaublich klein im Vergleicht zu jenen mit Namen… und suche immer noch nach einem Weg, damit besser umzugehen…

Schön, dass ihr euch gegenseitig anscheinend so gut „befruchtet“.

Interessant, wie unterschiedlich Menschen ticken können 😃 Den Drang bzw. Wunsch, die Welt besser zu machen, kenn ich nur zu gut. Mich hält aber nur die fehlende Motivation bzw. Disziplin davon ab. Selbstzweifel kenn ich bei mir in erster Linie in dem Bereich, wie ich in der „Frauenwelt“ rüberkomme. Gut, bei so vielen Misserfolgen auch kein großes Wunder … 🙄

Ach ja, und das mit dem Selbstmitleid ist mir nicht auch ganz unbekannt 😉

Oh ja, Feedback ist immer schön. Wobei ich mich mittlerweile damit abgefunden habe, dass es eben nicht mehr diese Blogger-Hochzeit gibt wie früher, wo ich ja in einer richtigen kleinen „Clique“ war, die sich gegenseitig gelesen und kommentiert hat. Hach, war das schön. Was hab ich jetzt grad nur wieder im Ohr?

Ich finde es inmmer noch erschreckend, wie viel sich manche aus irgendwelchen Abschlüssen machen. Ich weiß noch, wie erschrocken ich vor vielleicht 15 Jahren mal war, als eine einige Jahre ältere gute Chatbekannte meinte, dass sie erstaunt ist, dass ich mich mit ihr „abgeben“ würde, wo ich doch Abi hätte und sie nur Hauptschulabschluss. Aber was kümmert mich das? Wenn wir uns gut miteinander unterhalten können? Haptschulabschluss heißt ja nicht gleich dumm …

Und auch dieser seltsame Precht, der irgendwie zu allem was sagen muss, selbst wenn er davon womöglich keine Ahnung hat, ist erst durch fremde Hilfe berühmt geworden:

Auch Prechts Leben hat ein glücklicher Zufall die entscheidende Wende gegeben. Das war vor ziemlich genau zehn Jahren, als die Literaturkritikerin Elke Heidenreich im Fernsehen sein vorher nicht weiter aufgefallenes Buch „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ in den höchsten Tönen lobte. Danach gingen die Verkaufszahlen durch die Decke. Und Richard David Precht, der nach dem Studium erst einmal ohne Aussicht auf nennenswerten beruflichen Erfolg auf der Straße stand, ein Jahr von Arbeitslosengeld lebte und sich danach als Journalist durchschlug, wurde über Nacht zu dem Mann, von dem die Deutschen die richtigen Antworten auf alle ihre Fragen erwarten.

Quelle: „Die Precht-AG“ (FAZ)

Und dass du deinen Weg mit der größtmöglichen Unabhängigkeit gegangen bist, finde ich super. Respekt! Womöglich wäre dein Weg mit Studium anders verlaufen, aber wer kann das schon mit Sicherheit sagen? Und dein jetzt gewählter Weg hat dir sicherlich auch viel gelehrt, was du mit in dein weiteres Leben nehemn kannst 🙂

Ja, ich denke auch, ein bedingungsloses Grundeinkommen (ohne gleich alle sozialen Sicherheit mit abzuschaffen) könnte für mehr Gerechtigkeit sorgen. Es ist ja leider ein bitterer Fakt, dass z.B. Kinder aus Hartz-IV-Familien es extrem schwer haben, aus diesem sozialen Umfeld heraus Gymnasium und Studum erfolgreich zu meistern.

Wobei ich mich mittlerweile damit abgefunden habe, dass es eben nicht mehr diese Blogger-Hochzeit gibt wie früher, wo ich ja in einer richtigen kleinen „Clique“ war, die sich gegenseitig gelesen und kommentiert hat.

Stimmt, früher wart ihr Snacks ja richtig aktiv untereinander… ich kam nie in den Genuss vieler kommentierender Leser, hatte und habe aber phasenweise immer wieder welche.
Ich frage mich manchmal, warum sie verschwinden, schiebe das aber auf den Mangel an Zeit, die es braucht, um Blogs zu lesen und zu kommentieren. Vielleicht passen meine Gedanken aktuell aber auch nicht zu den Themen, die einen gerade so beschäftigen.

Ich finde es inmmer noch erschreckend, wie viel sich manche aus irgendwelchen Abschlüssen machen. Ich weiß noch, wie erschrocken ich vor vielleicht 15 Jahren mal war, als eine einige Jahre ältere gute Chatbekannte meinte, dass sie erstaunt ist, dass ich mich mit ihr „abgeben“ würde, wo ich doch Abi hätte und sie nur Hauptschulabschluss. Aber was kümmert mich das? Wenn wir uns gut miteinander unterhalten können? Haptschulabschluss heißt ja nicht gleich dumm …

Ja, diese kleine Anekdote aus deinem Leben kenne ich. Und ich kann die Denkweise deiner Bekannten echt gut nachvollziehen bzw. mich da reinfühlen. Das kann schon ganz schön am Selbstwert kratzen.
Irgendwie stimmt doch was nicht, wenn einen irgendetwas so denken lässt…oder? Mit Sicherheit steckt da auch etwas Persöniches dahinter, aber unterstützt wird diese negative Sicht von den eigenen Fähigkeiten eben durch dieses „Elitedenken“.

Dazu passt auch das:

Es ist ja leider ein bitterer Fakt, dass z.B. Kinder aus Hartz-IV-Familien es extrem schwer haben, aus diesem sozialen Umfeld heraus Gymnasium und Studium erfolgreich zu meistern.

Ich danke dir übrigens sehr für die Links zu Precht! Es ist schon erstaunlich, was ein einziger entscheidender Moment alles auslösen kann und beweist wieder einmal, dass jeder mit Glück ganz nach oben kommen kann. Sicherlich steckt da auch verdammt viel Arbeit dahinter (denn so ein Buch will auch erst mal geschrieben worden sein), aber eben auch ein kluger Kopf…je nach dem, was oder wen man erreichen will…

Vielleicht gebe ich ja deshalb nicht auf… wobei ich mir ja im Grunde genommen kein konkretes Ziel gesetzt habe.
Was mir manchmal fehlt ist aber der Glaube an mich selbst. Mir tut es daher gut, von anderen etwas Positives zu meinen Beiträgen zu hören/zu lesen. Das löst zwar nicht mein „Bestätigungsproblem“, macht aber trotzdem Mut! : )

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