12 Jahre

Ja, mein Blog wurde gestern tatsächlich 12! Unfassbar wie die Zeit vergeht… und was in den letzten Jahren eigentlich alles so passiert ist…
Wenn ich an meine anderen „Jubiläumseinträge“ denke, die ich damals gebloggt habe (siehe unten), hat sich ja einerseits echt viel in meinem Leben geändert, andererseits aber auch nichts. Das nehme ich in einigen Punkten als positiv wahr, in anderen als eher negativ…

Was sich auf jeden Fall nicht geändert hat (und was gut ist), ist meine grundlegende Denkweise über viele Dinge. Ich kann zu mir selbst heute wirklich mit ehrlicher Überzeugung sagen, dass ich immer noch so kritisch hinterfragend gegenüber vielem und damit immer noch ich bin. Nur eben ohne die gefühlt ausweglose Situation der Depression. Ich habe aber auch das erreicht, was ich mir immer gewünscht habe…

„Aber ich bin zuversichtlich…denn wenn ich wirklich WILL, wird sich alles regeln…nur es wird sehr sehr sehr lange dauern, bis die Last der Vergangenheit von mir abfällt und ich eines Tages mit dem Gedanken aufwachen kann, dass mein Leben gut so ist, wie es ist. Dass alles seinen Sinn hatte. Dass ich einen Job habe, den ich gerne mache. Dass ich eventuell Erfolg mit dem Schreiben habe. Und dass ich mir meine Wohnung selbst finanzieren kann. Dass ich unabhängig bin.“
[Journey, 2011]

Wenn ich so etwas lese, nehme ich wirklich bewusst wahr, was sich eigentlich alles so zum Guten verändert hat und empfinde dann sogar eine Art von Stolz für das, was ich bisher erreicht habe. Und auch wenn das jetzt vielleicht abgehoben klingt: In solchen Momenten fühle ich mich in mir selbst zu Hause und liebe mich so wie ich bin!
Das hat sich also wirklich sehr ins Positive verändert bei all dem Selbsthass, den ich jahrelang praktiziert habe. Es gibt somit auch nichts Negatives, von dem ich sagen kann, dass es damals besser war als heute. Mein Leben ist vielmehr genau so, wie ich es mir damals in meinen dunkelsten Stunden erträumt habe.

Dafür gibt es einiges nicht so schönes, was sich leider nicht verändert hat…
Ich bin manchmal nach wie vor frustriert darüber, dass ich mit dem Schreiben keinen Erfolg habe. Das misst sich bei mir nicht an Geld, sondern am mangelnden Feedback und der Tatsache, dass ich seit fast fünf Monaten kein einziges Buch verkauft habe…
Sicherlich gibt mir das Schreiben weitaus mehr als dem, der das liest, weil ich ja dadurch in erster Linie meine Gedanken sortiere. Doch je mehr der Wunsch in mir wächst, auch etwas zu vermitteln bzw. irgendwelche Gedanken weiterzugeben oder anzuregen, desto schwerer fällt es mir, diese empfundene Sinnlosigkeit meines Tuns zu ignorieren. Es ist dann echt nicht leicht, mich einfach nicht davon demotivieren zu lassen, dass ich hier seit 12 Jahren Menschen anschreibe und direkt frage was sie denken ohne wirklich Antworten zu erhalten. Dabei erwarte ich doch nicht einmal eine große Veränderung! Einfach nur eine Auseinandersetzung… ein kleines Feedback, dass ich nicht alleine bin…

Und ja, ich weiß sehr wohl, dass ich eben nicht „massentauglich“ bin. Aber ich will das auch nicht sein! Ich will mir meine Freiheit bewahren über das zu schreiben, was ich denke. Wenn ich also über irgendetwas schreiben müsste, von dem ich weiß, dass ich damit mehr Leser gewinne und was so gar nicht meiner eigenen Überzeugung entspricht, so würde ich mich selbst verraten… Ich kann mich auch zugegebenermaßen schlecht damit abfinden, dass ich dadurch an meiner Erfolglosigkeit quasi selbst schuld sein soll… Denn was wäre es denn für ein Erfolg für das gefeiert zu werden, was ich nicht bin und was andere lesen wollen?
Ebenso versuche ich darüber zu stehen, dass ich mit so vielem konkurrieren muss, was leichter und einfacher zu konsumieren ist. Ich bin nun mal nicht wie Netflix und bringe irgendjemanden zur Ruhe von einem anstrengenden Tag. Eher heize ich auf, rege im besten Fall zum Nachdenken an. Im schlimmsten Fall jedoch bleiben meine Texte zu lang, zu abstrakt und werden eben nicht gelesen.

Never mind?

Man könnte sich nun fragen: Warum mache ich das dann eigentlich noch? Warum bleibe ich auf meinem Weg (wohin der auch führen mag)? Warum setze ich mich nicht vor den Fernseher, schiebe eine Tiefkühlpizza in den Ofen und lasse den Tag bei einem Bier ausklingen anstatt alles so zu zerdenken und auch noch aufzuschreiben?
Weil mir diese Welt nicht scheißegal ist. Weil ich auch so nicht sein will, selbst wenn es manchmal so scheint, als würde ich mit diesem Verhalten genau so viel erreichen wie jetzt…

Und während ich das hier schreibe, habe ich mir eigentlich auch schon die Antwort darauf gegeben, warum das so ist… (oder ist es vielmehr eine „Ausrede“?):
Ein Mensch hat eben nur begrenzt Zeit. Und diese Zeit mit dem Lesen und der Auseinandersetzung von Texten zu füllen ist eher jenen gegönnt, die sehr viel davon haben… oder sie eben so und nicht anders zu nutzen wissen.
Aber woher nehme ich die eigentlich? Vermutlich Gewohnheit… so wie es auch Gewohnheit ist, sein Leben mit anderen und weniger anspruchsvollen Dingen zu füllen.

Nun habe ich also eine mögliche Antwort auf die Frage, warum so gut wie kein Feedback kommt. Allerdings kann ich nicht so genau sagen, warum ich dennoch am Schreiben festhalte, obwohl vieles gegen meine Denkweise und mich spricht…
Ich schreibe gewiss auch, um im direkten Kontakt mit Menschen eine Art Sicherheit zu haben und um mir dessen, was ich sagen möchte, bewusster zu werden und das entsprechend rüberbringen zu können. Denn es gibt ja auch Tage, da blicke ich dann tatsächlich mal in die Augen eines Menschen, der meine ganz andere Denkweise verstehen kann. Der in diesem Moment etwas davon teilen kann und mir das Gefühl gibt, dass er mich auch als Mensch versteht und schätzt, dass ich auch mal so ganz anders denke und diese Gedanken einwerfe.
Und solange das noch der Fall ist… solange ich die Welt eines Menschen im kleinen verändern kann… solange gebe ich nicht auf! Weil ich einfach nicht daran glaube(n will), dass der Mensch so blöd ist wie das, was im Fernsehen läuft. Und weil ich davon überzeugt bin, dass der Mensch zu weitaus mehr fähig ist als zu dem, was er gerade aus seiner begrenzten Lebenszeit macht…


Siehe auch:

2009 Jubiläum

2010 Herzlichen Glückwunsch…

2011 “’3 Jahre“‘

2014 Happy Birthday to me…

2015 Sieben Jahre

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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6 comments

Happy Anniversary!!!

Hallo Lui! 
Blogs gibt es viele im Netz und doch scheinen es mir eher wenige zu sein, die es schaffen, in der heutigen schnelllebigen Zeit zu bestehen und mit moderneren (deshalb aber nicht unbedingt besseren) Plattformen erfolgreich zu „konkurrieren“ geschweige denn mit einer gewissen Regelmäßigkeit neuen Content anzubieten. Dein ungebrochenes Engagement ist genauso bewundernswert wie dein Bestreben, dich mitzuteilen und dabei viele interessante Themen zu beleuchten und manches davon auch mal kritisch zu hinterfragen, wenn es für dich Herzensangelegenheiten sind. Feedback und Diskussionskultur bleiben leider nicht selten hinter den Erwartungen zurück, sind aber auch nicht zwingend ein Maßstab für den Erfolg oder Misserfolg eines Beitrags!
In diesem Sinne: Auf die nächsten 12 Jahre, ich freue mich sehr darauf!  ;-)

Danke! : )

Und ja, es geben leider sehr viele Blogger auf… Es sind auch wenige übrig geblieben von jenen, die ich damals zu meiner Anfangszeit gelesen habe und viele neue Blogs halten sich auch nicht so lange, weil es wohl doch sehr zeitintensiv ist. Mir fällt das ja nicht so auf, da das Schreiben für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist.

Ich sehe mich daher noch lange nicht als altes Eisen. Es kann also durchaus sein, dass ich noch weitere 12 Jahre durchhalte. ; )

Alles ist so relativ.
Manchmal stelle ich mir vor, ich wäre mit meinen Büchern so richtig erfolgreich. Oder mit meinen Lese-Veranstaltungen. Oder mit meinem eigenen Blog, dessen Themen mir sehr wichtig sind.
Aber dann frage ich mich: würde mich das zufriedenstellen? Wie viele Feedbacks müssten es denn sein? 10 Pro Artikel? 100? Reichen 10 verkaufte Bücher ihm Monat. Es könnten auch 100 sein. Manche Leute verkaufen sogar 1000 pro Monat, und werden dann von 1000en im Monat gelesen. Aber reicht das? Fernsehmoderatoren werden mitunter von Millionen gesehen. Täglich :-O
Ja, oder reicht es, wenn einmal im Jahr sich eine Freundin meldet und meine Texte in den Himmel lobt, weil sie so betroffen war, so nachdenklich wurde, sich so im Herzen berührt fühlte (so wie im März geschehen). Oder vielleicht einmal im Leben?
Es reicht nie, denke ich, und eigentlich reicht schon ein einziges Wahrgenommenwerden, denke ich auch.

Wir beide haben uns die falschen Medien, Genres und Themen vorgenommen, um große Aufmerksamkeit zu bekommen. Blogs sind nicht so hip wie Vlogs oder YouTube-Channels. Deine Texte hier und meine Kurzgeschichten sind nicht so hip wie Romane, das Thema Deines Romans nicht so gefragt wie Krimis und Vampir-Epics. Isso.
Machen wir einfach trotzdem weiter, weil es eben immer noch die Menschen gibt, die cool finden, was wir machen. Ein paar jedenfalls. Und die können wir berühren.
Und das tust Du so gut, dass ich nun immerhin schon 7 oder 8 Jahre von Deinen 12 dabei bin ;-)

Lieber Pit, ich danke dir für das viele Hinterfragen, ab wann denn nun ein Feedback ausreichend ist!

Machen wir einfach trotzdem weiter, weil es eben immer noch die Menschen gibt, die cool finden, was wir machen. Ein paar jedenfalls. Und die können wir berühren.
Und das tust Du so gut, dass ich nun immerhin schon 7 oder 8 Jahre von Deinen 12 dabei bin ;-)

Das ist wohl das beste Feedback! ; )

Auch von mir alles Gute nachträglich!

Nein, das klingt nicht abgehoben, man darf sich nicht nur selber negativ kritisieren, sondern auch selbst loben. Es kommt nur auf die Art an. Wenn es ehrlich ist und nicht einfach plump mit stolz geschwellter Brust anderen gegenüber protzend 😉 Solch eine Selbstreflexion ist wichtig und darf eben auch mal positiv ausfallen.

Ja, eigene Werte und Überzeugungen machen es einem nicht einfach. Das sind meist Stolpersteine als zusätzliche Trittflächen auf dem Weg zum Erfolg. Da muss jede*r für sich ausmachen, in welchen Bereichen Kompromisse möglich sind und wie weit man gehen möchte. Gerade beim Schreibprozess als solchen kann ich mir das auch nicht vorstellen.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und vor allem Selbstzufriedenheit auf deinem Weg, wo auch immer er dich hinführen wird.

Ja, eigene Werte und Überzeugungen machen es einem nicht einfach. Das sind meist Stolpersteine als zusätzliche Trittflächen auf dem Weg zum Erfolg.

Ja, leicht ist das keineswegs mit meinen Ansichten irgendwie weiter zu kommen bzw. Anklang zu finden, aber ich tu mich schwer damit eben jene Kompromisse einzugehen. Es ist also ein Spagat zwischen dem Nicht-verbiegen-Wollen bzw. der Ehrlichkeit mir selbst gegenüber auf der einen Seite und der Offenheit anderem gegenüber auf der anderen Seite. Aber ja, Flexibilität und Ehrlichkeit müssen sich ja nicht ausschließen. ; )

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und vor allem Selbstzufriedenheit auf deinem Weg, wo auch immer er dich hinführen wird.

Danke, Schoko! Und schön, dass du mich nach all den Jahren immer noch ein Stückchen begleitest. : )

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