Überzeugungskram

Vor kurzem habe ich wieder einmal gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, andere nicht mit meiner Moral bzw. mit meiner Vorstellung vom Leben vor den Kopf zu stoßen. Ich weiß natürlich, dass ich da gerne auch mal tiefer bohre und etwas skizziere, was nicht jeder gerne lesen oder hören will… (siehe: Wo liegt die Grenze?) Aber ich mache das alles ja nicht aus Bosheit oder um mich zu erheben und darzustellen, wie toll mein Leben doch ist und wie „richtig“ ich alles mache… Im Grunde möchte ich ja nur eine andere Sicht aufzeigen, mit meinen Fragen zum Nachdenken anregen und so etwas bewegen…

Dennoch habe ich nun mal eigene Überzeugungen, die mir sehr am Herzen liegen und die ich nach außen tragen möchte und hinter denen ich stehe. Und ich fühle mich machtlos, wenn ich mich nicht verständlich machen kann und das so gar nicht oder im schlimmsten Fall ganz falsch ankommt. Doch wie soll ich auch all die Zusammenhänge und Verknüpfungen in meinem Kopf einfach und in wenigen Worten erklären? Und das auch noch sanft… und gleichzeitig wirkungsvoll… ohne dass sich mein Gegenüber angegriffen fühlt!?
Mir stellt sich da natürlich auch die Frage: Was gibt mir denn das Recht meine Sichtweise so wichtig zu nehmen? Soll ich denn überhaupt etwas davon sagen? Oder wäre es manchmal einfach besser über alles hinwegzusehen…und zu schweigen? Kann ich das denn überhaupt, wenn ich an mich den Anspruch habe, ein ehrlicher Mensch zu sein? Ab wann bin ich es nicht mehr und nur jemand, der anderen sagt, was sie hören wollen um des Friedens Willen?

Vielleicht schreibe ich einfach mal, was denn nun meine „Überzeugungen“ sind, die mir so wichtig sind… Und warum das so ist. Und warum es mich traurig macht, wenn mir vor allem Menschen die mir Nahe stehen das Gefühl geben, dass sie diese nicht wirklich verstehen können.

Also, wie würde ich mir diese Welt denn wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass …
…diese Existenzängste verschwinden, die so viele im Zusammenhang mit Geld haben, weil diese unglaublich lähmen können sowie Angst und Aggressionen schüren.
…Menschen aber auch aufhören kapitalistisch zu denken und zu leben und den Wert in anderen Dingen erkennen… vor allem in sich selbst, weil das meiner Meinung nach das einzige ist, das zu wahrem Glück und innerer Ruhe führen kann.
…ein Grundeinkommen eingeführt wird.
…wir ein transparenteres Steuersystem haben.
…es weniger Auto- und mehr Nahverkehr gibt.
…wir uns mehr um die Umwelt bemühen anstatt sie mit unserem Verhalten zu zerstören.
…wir mehr von den Gemeinsamkeiten mit anderen erkennen anstatt uns bewusst oder unbewusst die Unterschiede vorzuwerfen und zu spalten.
…wir von klein auf mit Psychologie konfrontiert werden, weil ich der Überzeugung bin, dass wir dann ganz anders miteinander umgehen würden und viele durch schlechte Kommunikation entstandenen Probleme gar nicht erst entstehen würden.
…die Menschen ehrlicher zu sich selbst sind und damit auch zu anderen sein können.
…die Großkonzerne gestoppt werden in ihrer Überwachung zu Marketingzwecken, weil der Bedarf nach noch mehr Konsum mehr als gedeckt ist.
…nicht so produziert wird, dass es möglichst rasch kaputt geht oder ersetzt werden muss, obwohl es eigentlich noch gut sein könnte. Nur damit man dann was neues hat und die Wirtschaft ankurbelt.
…jeder die Möglichkeit hat zu lernen und sich weiterzubilden bzw. dass diese einem erleichtert werden, auch wenn man nicht aus einer wohlhabenden Familie stammt.
…es scheißegal ist, was im Lebenslauf steht, weil Menschen Fähigkeiten besitzen, die einfach auf keinem Papier stehen und die trotzdem nicht weniger wert sein sollten.
…das System der Hierarchie in der Arbeitswelt nicht aus Unterdrückung besteht, sondern auf einer Gleichwertigkeit beruht und auf einer guten Führung, die das Potenzial der Angestellten erkennt und fördert (was dem Arbeitgeber ja auch wieder zu Gute kommt).
…wir einfach in unserer Marktwirtschaft umdenken. Das Angebot-Nachfrage-Spiel ist dem Planeten und unser Entwicklung im Menschsein nämlich zum Verhängnis geworden.

Ich könnte diese Liste noch seeeeehr weit fortführen…es gibt ja so viele Themen auf dieser Welt! Und die haben alle mit jedem einzelnen von uns zu tun.

Was würdet ihr euch denn für diese Welt wünschen? Was liegt euch am Herzen? Und wie geht ihr damit um, wenn andere Menschen das nicht so sehen? Wie sucht und löst man am besten diese Konflikte? Sollte man sie überhaupt thematisieren?

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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3 comments

Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, andere mit anderen Überzeugungen stehenzulassen. Ich glaube, am stereotypen Bild vom schimpfenden, spießigen Besserwisser-Senior ist was dran. Ich frage mich sehr, warum ich immer enger denke.
Ich wünsche mir, gelassener zu sein, so wie früher mal. Früher habe ich aber auch keine Nachrichten konsumiert, die mir die Andersartigkeit so vieler anderer vor Augen führen. Tja, und die aktuellen massiven Uneinigkeiten im Volk gehen auch an mir nicht spurlos vorbei.
Gelassenheit ist mein Ziel. Warum überhaupt jemanden mit ungefragter Kritik überfallen? Ich glaube nicht mehr, dass man damit viel bewirkt.

Aber so ein Blog hier, das ist schon was anderes. Denn wer hier ist, will hier sein und kann jederzeit gehen. Hier kannst Du sehr gut all Deine Überzeugungen ausbreiten. Dies ist der richtige Rahmen.

Allerdings war ich auch mal als Gast in einem schon lange bestehenden Gesprächskreis. Die treffen sich (vor Corona) alle paar Wochen in einem Kreis zu etwa 20 Personen, und einer hat immer ein Thema vorbereitet, das ihm selbst am Herzen liegt. Kurzer Vortrag, dann Diskussion in großer Runde (sehr zivilisiert). Ein Mitbring-Buffet vor der Themenarbeit fördert das Gemeinschaftsgefühl. Ich fands cool da, weil es ein bewusster Raum war, Meinungen und Ansichten zu verbreiten. Allerdings kam ich nicht ganz mit, die Leute waren mir zu intellektuell (alles Ärzte und Ingenieure). Dennoch überlege ich, das in meiner Nähe auch zu gründen.

Tja, also, mehr Gelassenheit, schreiben für die, die mich lesen wollen und Diskussion in konkreten Rahmen einiger Diskussions-Williger, das sind meine Ziele.

Ansonsten stimme ich mit Deiner Liste schon ganz gut überein :-)

Je älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, andere mit anderen Überzeugungen stehenzulassen. Ich glaube, am stereotypen Bild vom schimpfenden, spießigen Besserwisser-Senior ist was dran. Ich frage mich sehr, warum ich immer enger denke.

Das kann ich gut nachvollziehen. Mir geht es da oft nicht anders, auch wenn ich von der schimpfenden spießigen Besserwisser-Seniorin mit meinen 30 Jahren eigentlich noch weit entfernt bin. Und dennoch wäre auch ich gerne gelassener und möchte besser damit umgehen können, wenn die Welt mal wieder so scheint, als müsste mal jemand radikal auf den Tisch hauen, damit sich alle wieder besinnen…
Doch wie du so schön erkannt hast, ist es ein Trugschluss zu glauben, dass man etwas ändert, indem man ungefragt kritisiert. Man erreicht damit eher das Gegenteil und die Leute machen dicht. Wie man es also schafft, seine Sichtweise irgendwie einfließen zu lassen ohne zu bevormunden oder vor den Kopf zu stoßen, bleibt wohl wirklich eine Kunst. Vermutlich mit viel Geduld… und Hoffnung… und vor allem Verständnis.

Die Idee mit dem Gesprächskreis gefällt mir übrigens sehr gut! Wäre der um die Ecke, so wäre ich sofort dabei! Und würde auch einige andere interessierte und interessante Menschen mitbringen. ; )

Ansonsten stimme ich mit Deiner Liste schon ganz gut überein :-)

Das freut mich! : )

> Wäre der um die Ecke, so wäre ich sofort dabei!

Dann gründe so einen Kreis. Ich habe das auch vor, sobald es mal wieder cool ist, sich persönlich zu treffen ;-)

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