Blogstöckchen – Epischer Fragebogen

Momentan ist es hier ja recht still… Das liegt daran, dass ich neben meiner Arbeit auch täglich für mehrere Stunden damit beschäftigt bin, in der Vergangenheit zu kramen und (wie bereits hier angedacht) damit begonnen habe, meine Autobiografie zu verfassen (ja, ich wage es!).
P. aus M., der sozusagen die erste Person war, der ich mich Anfang 2007 mit all meinen Gedanken auf schriftlichem Weg anvertraut habe, hatte tatsächlich noch die alten ICQ-Chatverläufe und fast alle Mails von damals und die lese ich mir gerade durch, genauso wie das Kneipentagebuch und eben alles-und-nichts von Anfang an… das ist definitiv keine leichte Aufgabe, aber unglaublich bereichernd!

Beim Stöbern bin ich jedenfalls über ein altes Blogstöckchen von Januar 2011 gestolpert und weil mir gerade irgendwie danach ist, reposte ich es hiermit und fülle es mit neuen  Erkenntnissen von 2021. : )

DU
Name: Luisa
Spitzname(n): Lui (ist auch mein Rufname geworden)
Nickname(n): heute „Journey“, früher „Xenebi“
Alter: 31
Geburtsdatum: 25. Januar 1990
Sternzeichen: Wassermann
Beruf: Gelernte Fotografin (aber eigentlich „Bildbearbeiterin“, da ich eher selten im Studio bin und mich überwiegend um Retusche kümmere)
Geschwister: Einen älteren (Halb)Bruder
Wohnort: VS im Black Forest
Größe: 1,66 m
Augenfarbe: Grün
Haarfarbe: Rot
Haarlänge: Momentan zu lang (etwa bis zu den Schultern).
Sonstige Merkmale: Eine Brille (immer) und schräge Outfits (gelegentlich)…

LIEBE
Bist Du zur Zeit verliebt? Oh ja! : )
Wer war Dein erster Schwarm? So richtig krass? Jo.
Wie romantisch bist Du? Wohl weniger als die meisten, aber doch romantischer als ich dachte…
Was ist das romantischste, das Dir je passiert ist? Da gibt es für mich nicht DAS Ereignis… denn etwas Romantisches muss für mich nichts Großes oder Besonderes sein. Vielmehr sind es kleine Gesten. Mit Mainstreamromantik kann man mich nach wie vor jagen.
Wie alt warst Du bei Deinem ersten Kuss? 18
Und bei Deinem ersten Mal? 21
Wo verläuft für Dich die Grenze zwischen tiefer Freundschaft und Liebe? Hmmm… spontan werfe ich mal in den Raum, dass Liebe eine unglaublich tiefe Freundschaft mit gegenseitiger Anziehungskraft auf allen Ebenen (psychisch/seelisch/geistig und körperlich) ist.
Glaubst Du, es gibt den/die Richtige/n für jeden Menschen, oder kann es auch mehrere geben? Diese Frage kann man jetzt so oder so sehen…
Interpretiere ich sie im Sinne von Polyamorie und Monogamie, so glaube ich an beides. Denn auch wenn ich mich als monogam bezeichnen würde und mir ein Haus á Daisy and her Boyfriends nicht vorstellen kann, ist Polyamorie durchaus ein Konzept für einige Menschen und ich glaube in diesen Beziehungen wird Kommunikation oft sogar größer geschrieben als in so manch einer Zweier-Paarbeziehung, bei der  das alles leider so verdammt verkehrt verlaufen kann, wenn beide nicht (mehr) über das reden (können?), was in ihnen vorgeht…
Die zweite Interpretation betrifft die Vorstellung von „einem Mr. Right forever“. Ich glaube nur teilweise daran bzw. natürlich jetzt im Moment des Erlebens von intensiven Verbundenheitsgefühlen glaube ich natürlich sehr daran, weil mich noch nie ein Mensch so verstanden hat wie mein jetziger Partner. Aber ich denke ebenso, dass sich Menschen im Laufe ihres Lebens verändern können und das nicht immer in dieselbe Richtung. Ich glaube daher auch daran, dass es davon mehrere (für einen bestimmten Lebensabschnitt z.B.) geben kann, weil dieser Gedanke nämlich zulässt, dass man nicht auf ewig zum Alleinsein verdammt sein muss, wenn es mit „Mr./Mrs. Right“ nicht geklappt hat oder nach sehr vielen Jahren auseinanderbricht. Es kann immer noch etwas Wundervolles kommen! Ich finde es hierbei nur wichtig, dass man  die vorangegangenen Beziehungen nicht negativ oder als weniger wundervoll bewertet, wie es viele leider machen, weil diese eben nicht so schön auseinander gegangen sind oder die Betroffenen sich verarscht vorkommen, weil sich ihre Vorstellung von der einzig richtigen Person für sie nicht erfüllt hat… aber gerade dadurch und durch das Gefühl, dass sie eine Lüge gelebt haben, machen es sich diese Menschen unendlich schwer wieder einem anderen Menschen (der nichts dafür kann) eine Chance zu geben und zu vertrauen…
Kannst Du Dir eine Fernbeziehung vorstellen? Nein, nicht auf Dauer.

VERGANGENHEIT
Welche Erinnerung vermisst Du am meisten? Ich denke (zur Zeit zumindest) gerne an sie zurück… und natürlich an die eine lieber als an die andere. Aber ich vermisse sie nicht, denn ich will im Jetzt für die Zukunft leben. Ich setze mich zwar unglaublich oft mit meiner Vergangenheit auseinander, aber das bedeutet nicht, dass ich sie mir wieder wünsche…
Wenn Du in der Zeit zurück reisen könntest, wohin würdest Du gehen? (Hier behalte ich zum Teil meinen Text von 2011) Zurückwollen bedeutet entweder einen Moment nochmal genau so erleben oder ihn verändern. Das will ich nicht trotz Leid und Problemen. Es hat alles schon so seinen Sinn… ohne den ganzen vergangenen Mist (+und all das Gute!) wäre ich nicht ich. (und weil das so ist und ich heute so unendlich froh darüber bin, dass sich so vieles zum Guten gewendet hat, würde ich alles wieder ganz genau so erleben wollen!)
Was hast Du am meisten bereut, nachdem Du es getan hattest? Bereut? Hmmm.. Als erstes kommt mir in den Sinn: „andere Menschen (unabsichtlich) verletzen.“ Da ich das aber nicht mit Absicht mache, sondern meist, wenn ich mir selbst treuer sein möchte als einer Anpassung an andere zu unterliegen, sollte ich eher lernen, dass das „okay“ ist. Leid tut es mir dennoch viel zu oft, dass ich nicht so bin, wie andere mich gerne hätten oder dass ich ihre Erwartungen enttäuschen muss… ich habe diese Prinzip einfach viel zu lange gelebt, wie ich durch das Lesen wirklich extrem alter Texte gerade wieder feststellen muss…
Was würdest Du am liebsten aus Deinem Gedächtnis streichen? Disharmonie zwischen Menschen, weil mich das extrem mitnimmt…
Was hast Du gestern gemacht? Eingekauft, geschrieben, gearbeitet, mit einem guten Kumpel aus meiner Berufsschulzeit über Gesellschaftliches philosophiert, in meinen Aufzeichnungen gelesen, mir schnell was Essbares gemacht, weitergeschrieben, geschrieben, staubgesaugt, geschrieben,…ach ja und Musik gehört. Und Harry Potter.
Der letzte Song, den Du gehört hast: Red Hot Chili Peppers – Snow
Welchen Film hast Du zuletzt im Kino gesehen? Puh, keine Ahnung… vermutlich was mit Digimon irgendwann 2018.
Welche TV-Serie/Show würdest Du gern wieder im Fernsehen anschauen? Ich sehe kein Fern… aber wenn, dann würde ich gerne irgendwas aus meiner Kindheit wieder sehen…

ZUKUNFT
Wie sollte Deine berufliche Zukunft im Idealfall aussehen? Dass ich noch lange mit meinem Chef und besten Freund MR zusammen arbeiten kann. Ansonsten wäre ich gerne Autorin… immer noch…!
Möchtest Du irgendwann heiraten? Och, mittlerweile finde ich die Vorstellung gar nicht mehr so schrecklich… Außerdem „muss“ ich ja, da ich den Brautstrauß von Lilith gefangen habe. : D
Wo würdest Du deine Flitterwochen verbringen? Vermutlich in den Schweizer Bergen… oder bei einer Zugfahrt, bei der der Weg irgendwohin Wochen andauert. : D
Möchtest Du irgendwann Kinder haben? Nein. Meine Bücher sind meine Kinder…
Wie würdest Du deinen zukünftigen Sohn nennen?
Und deine zukünftige Tochter?
Wo siehst Du dich in zehn Jahren? HA! Vor zehn Jahren habe ich geantwortet: „Mitten im Leben…“ Und ich kann mit stolz sagen, dass ich das erreicht habe! : ) In weiteren zehn Jahren werde ich immer noch diesen Blog führen und hoffentlich mehr Leute erreichen…

ERFAHRUNGEN
Bist Du schon mal geflogen? Die Frage ist immer noch sehr mehrdeutig… von was? Von der Schule? Ja. Im Flugzeug? Ja. Wie ein Vogel? Nicht das ich wüsste…
Hast Du schon in der Öffentlichkeit geweint? Ja
Einen Baum erklommen? Nein
Im Kino eingeschlafen? Nein
Im Regen geküsst? Ja
Einen Star getroffen? Kommt darauf an, was als „Star“ gilt…
Drogen konsumiert?  Alkohol und Zigaretten: Früher reichlich, heute nicht mehr. Methylphenidat/Ritalin: Ja, aber das bekomme ich auch verschrieben. Ansonsten: Nichts. Und ich finde das ganz gut so!
Verletzt worden um ein Foto zu kriegen? Ähm… bestimmt… Berufsrisiko…
Eine Online-Beziehung geführt? Ja.
Jemanden am Telefon verarscht? Kann sein
Hattest Du schon mal Sex in der Öffentlichkeit? Naja… was ist öffentlich? Außer Haus? Ja. Vor anderen? Nein.

Anmerkungen:
Alles Durchgestrichene gibt es nicht und das Stöckchen, das ich damals von Lilith hatte, werfe ich hiermit an sie zurück… und an Schokokäse (anosnsten darf sich das jeder mitnehmen, der möchte!)

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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3 Kommentare        

Auftrag erfüllt 😁 (passwortgeschützt)Konnte mich daran gar nicht mehr erinnern.Ach stimmt, an Polyamorie hatte ich (wieder) nicht gedacht. Da mir glaub ich eine Beziehung schon zuviel ist. Mein Respekt gilt daher allen, die das schaffen.

Leid tut es mir dennoch viel zu oft, dass ich nicht so bin, wie andere mich gerne hätten oder dass ich ihre Erwartungen enttäuschen muss… ich habe diese Prinzip einfach viel zu lange gelebt, wie ich durch das Lesen wirklich extrem alter Texte gerade wieder feststellen muss…

Mir wird bei der Formulierung nicht ganz klar, was sich da mittlerweile geändert hat. Magst du das noch etwas erläutern?

Gut, dass du fragst! Das ist wirklich etwas unklar formuliert.

Da muss ich wohl etwas weiter ausholen, denn dahinter stecken sehr viele Gedanken, die ich mir in letzter Zeit im Zusammenhang mit meinem Buch mache…
Durch das Schreiben an meiner eigenen Geschichte wird mir nämlich gerade deutlich bewusst, was der Umgang meiner Eltern untereinander bei mir ausgelöst haben könnte. Das Verhältnis war meiner Empfindung nach nie besonders familiär und warm war es vielleicht mir gegenüber, aber nicht zwischen den beiden. Und ich war ein sehr sensibles Kind für diese Stimmungen in der Luft bzw. diese Kälte (das nehme ich an, weil ich so eine Disharmonie auch heute noch spüren kann).
Damals war ich mit meiner Wahrnehmung allerdings sehr alleine und keiner ist darauf so wirklich eingegangen, wenn ich mich mal dazu geäußert habe und Sachen gesagt habe wie „Dann lasst euch doch scheiden!“ …weshalb ich wohl auch immer verschlossener wurde und gelernt habe, mich so anzupassen, dass ich das Gefühl dahinter einfach nicht fühlen kann und ich möglichst wenig Stress empfinde. So habe ich allerdings sehr lange in meinem Leben an mir und meinen Gefühlen gezweifelt. Meine ewige Sinn- und Identitätssuche hat da quasi ihren Ursprung… Ich konnte als Kind nicht wirklich „ich“ sein bzw. hatte so auch das Gefühl, dass das, was ich empfinde, nicht richtig oder okay ist.
Mit der Zeit habe ich so eben auch gelernt, mich an andere anzupassen und über das, was wirklich in mir vorgeht, geschwiegen oder es verdrängt, weil ich mich damit immer unverstanden und alleine gefühlt habe und selten jemand so recht nachvollziehen konnte, was ich meine oder fühle. Meine Antennen für Unverständnis wurden dadurch sehr empfindlich… weil ich das Gefühl einfach nicht fühlen wollte. in meiner Depression war das am heftigsten. Da habe ich mit allen gebrochen, was mir sehr gut getan hat.

Die Anpassung ist somit das Prinzip, das ich lange Zeit gefahren bin, um dem unangenehmen Gefühl des „Falschfühlens“ zu entgehen. Heute hat sich das zum Glück verändert und ich fühle mich mehr „ich“ denn je und bin das auch gerne und schaffe es um einiges besser dazu zu stehen.
Aber ich kann immer noch schlecht damit umgehen einen Menschen, den ich sehr mag, in irgendeiner Weise zu verletzen oder zu enttäuschen, wenn ich mich eben nicht an ihn anpasse. Ich fühle die Enttäuschung anderer (wenn ich mich da nicht bewusst abgrenze) sehr heftig und mich somit quasi schuldig, wenn ich nicht den Bedürfnissen derer, die ich mag, nachkommen kann oder merke, dass ich das gar nicht will.

Ein Beispiel: Wenn es nach mir ginge, würde ich sehr sehr selten jemanden besuchen oder jemanden einladen. Am liebsten nie. Es gelingt mir heute auch sehr gut, das weitestgehend zu vermeiden. Meine sozialen Interaktionen halten sich im Vergleich zu denen anderer Menschen in Grenzen und diese Grenzen brauche ich auch, weil sie mir unglaublich gut tun. Corona kam mir da natürlich sehr gelegen, weil das social distancing eine gute Begründung ist, niemanden sehen zu müssen. Das hatte mir ja vor über einem Jahr meine Nichtbeziehung vorgeworfen und damit hatte er mal recht. Und ich glaube andere spüren das auch, weshalb da der Stress vorprogrammiert ist, wo keiner sein müsste, wenn man das einfach akzeptieren würde.
Mir ist in diesem einen Jahr aufgefallen, dass ich Menschen meist besucht habe, wenn ich „innerlich bereit“ dazu war oder ich mich eben überwunden habe. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es ist.. ich habe das natürlich gerne gemacht, aber eher für die andere Person und nicht für mich. Wenn sich z.B. jemand gewünscht hat, mich zu sehen, kam ich dem dann nach (sofern ich das konnte), weil ich wusste, dass es diese Person glücklich macht und ihr das wichtig ist.
Leider ist es aber für die meisten „normal“, dass man seine Zuneigung dadurch zeigt, dass man physikalisch etwas gemeinsam macht. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ich jemanden nicht mag, wenn ich sie/ihn nicht sehen will, was absolut nicht zutrifft…
Das Endgefühl ist jedenfalls das, was ich schon immer gefühlt habe: Ich fühle mich unverstanden und falsch, weil ich eben anders empfinde. Und ich fühle eben die Enttäuschung, weil ich nicht so bin, „wie andere mich gerne hätten“.

Puh… du merkst, es ist nicht leicht, das in Kürze zu auszuformulieren…*g*
…aber ich hoffe, das ist nun etwas klarer? : )
Ansonsten: Immer Fragen stellen! : D

@ Journey:

Oha, danke für die ausführliche Antwort. Ja, das macht es deutlich klarer.

Das scheint wirklich keine einfache Zeit gewesen zu sein. Ich hab schon öfters mal gehört, dass es nicht sinnvoll ist, dem/n Kind(ern) "zuliebe" zusammenzubleiben, da diese spüren, wenn das zwischen den Eltern nicht mehr so klappt oder passt. Sicher verträgt das manche*r mehr, manche*r weniger gut. Aber auf Dauer stelle ich mir diese Situation auch anstrengend und irritierend vor, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Es freut mich, dass du das mittlerweile einen guten Weg zu dir gefunden hast.

Und ich wünsche dir Freund*innen und Kontakte, die dir gut tun und die dein Nichtbedürfnis nach Nähe verstehen und respektieren, ohne unterschwellig dann doch den Wunsch für einen Wiedersehen durchscheinen zu lassen, aufgrund dessen du dich dann zu etwas verpflichtet fühlst.

Ich frag mich grad, was mir an den Besuchen so viel bedeutet und was es mir gibt. Gar nicht so einfach zu beantworten, da sich das durch Corona auch sehr in Grenzen hält, könnte Stoff für einen eigenen Blogbeitrag werden 😉

Aufgrund der lange hohen Inzidenzwerte hatte ich im Herbst das letzte Mal Besuch zuhause. Seitdem beschränkt sich Kontakt außerhalb der Arbeit hauptsächlich auf einen Freund, mit dem ich ein- bis zweimal Sport mache (also draußen mit Abstand). Und meine Eltern habe ich seitdem auch erst einmal im letzten Monat nachmittags draußen getroffen.

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