Weihnachtstraditionen…

Seit etlichen Jahren ist meine Tradition an Weihnachten die gleiche und so ganz anders als man es normalerweise kennt. Anfangs konnte das noch keiner so recht verstehen, doch mittlerweile können es die meisten nachvollziehen und akzeptieren. Irritationen löse ich in meinem Umfeld somit selten und nur noch bei jenen aus, die Weihnachten eben klassisch und besinnlich mit Familie verbinden und verbringen und es sich auch niemals anders vorgestellt haben (weil man ja sonst nie zusammen kommt und das eben jedes Jahr so macht).
Ich bin da anders, denn ich fliehe mehr oder weniger vor dem „klassischen Weihnachten“ mit der Familie und dem damit verbundenen Stress. Ironischerweise reise ich dafür ins Erzgebirge, also ins Winter-Weihnachts-Wunderland schlechthin.

Meine „Familie“ an Weihnachten ist Lilith, die ich vor vielen Jahren über das Bloggen kennen gelernt habe. 2013 bin ich dann das erste Mal zu ihr gefahren, um mit ihr auf das Darkstormfestival zu gehen, welches immer am 25.12. in Chemnitz stattfindet. 2014 und 2015 war ich zwar auch bei ihr zu Besuch, jedoch nicht an Weihnachten, da ich 2014 mit meinem Ex Mr. Chocolate verbracht habe und 2015 mitten im Umzug war. Doch seit 2016 bin ich wirklich jedes Jahr an Heiligabend zu ihr gefahren.

Somit besteht also meine Weihnachtstradition aus Zugfahren am 24.12., während meine leibliche Familie ihren Traditionen nachgeht.

Für alle, die Weihnachten mit einem besinnlichen Fest, gutem Essen, einem dekorierten Weihnachtsbaum, vielen Geschenken, Alkohol und Familie verbinden, mag das echt stressig klingen. Teilweise bin ich nämlich um die 12 Stunden unterwegs (wenn ich einen Zug verpasse, was meist der Fall ist). Ich jedoch liebe es von Bahnsteig zu Bahnsteig zu hetzen und alles, was damit zusammenhängt.

Die Begegnungen mit den Menschen, die ebenfalls an diesem Tag reisen, sind aber auch immer sehr aufregend. Da ich im Zug wirklich sehr gut mit jemandem ins Gespräch kommen kann, treffe ich auch auf den ein oder anderen besonderen Menschen.
Dieses Jahr war es ein Mann, mit dem ich sehr lange den gleichen Weg geteilt habe. So haben wir über mehrere Stunden und in verschiedenen Zügen sehr viele tolle Gespräche führen können. Er war auf dem Weg in ein Meditationszentrum, also war es vor allem ein Thema, wie wir mit uns selbst umgehen, aber auch mit anderen. Über die Themen Depressionen, Elternhaus, Beziehungen und Schicksal haben wir uns ebenfalls ausgetauscht. Er wollte nämlich einen Tag zuvor bereits schon abfahren, war aber depri und konnte es nicht und ich wollte eigentlich den Zug davor nach Stuttgart nehmen, hab mich aber irgendwie total verlesen und rumgetrödelt (was mir wirklich NIE passiert). So sind wir uns überhaupt begegnet.
Am Ende hat er mich sein „Weihnachtsgeschenk“ genannt, was mich total gerührt hat. Als wir uns zum Abschied umarmten, wurde mir wieder einmal bewusst, dass SOLCHE Momente der Sinn von Weihnachten sind und nicht das Kaufen und der Stress und der Zwang hinter allem!
Das kann ich auch nur jedem ans Herz legen und mitgeben, der Weihnachten im klassischen Sinne einfach nicht mag und es dennoch über sich ergehen lässt: Macht was EUCH gut tut! Und wenn eure Familie euch an diesen Tagen nicht gut tut, macht etwas anderes und nehmt euch für sie die Zeit, wenn ihr bereit seid. Dazu braucht es kein Weihnachten, nur Akzeptanz.

Ich wünsche wirklich jedem dieses wunderbare Gefühl, das ich habe, wenn ich zu meiner Freundin fahre.
Denn je näher ich meinem Ziel komme, desto entspannter werde ich. Die vollkommene Harmonie stellt sich dann in Chemnitz ein, was ich irgendwie als zweites Zuhause ansehe. Ich finde die Stadt weder besonders schön, noch kann ich mich politisch mit dieser Gegend anfreunden, aber ich verbinde sie einfach mit so vielen besonderen Menschen und Momenten und Partys. Dort laufe ich dann alleine durch die ruhige Bahnhofshalle und kaufe mir am Automaten eine Tütennudelsuppe im Becher von Knorr. Und während ich auf eine halbgare Nudel beiße und jetzt schon weiß, dass alles an Gewürzen und Geschmacksverstärkern im letzten Schluck steckt, fühle ich so viel Glück, Ruhe und Frieden wie es wohl die wenigsten in diesem Ausmaß an diesem stressigen Tag empfinden können. Ich tanze sogar mehr oder weniger in meinem langen schwarzen offenen und knopflosen Mantel mit meinem Rollkoffer am Gleis entlang während ich auf den letzten Zug warte. Es ist ja sonst keiner da, viel Platz und ich fühle mich dabei so unendlich frei. Dabei stelle ich mir vor, wie ich am letzten Bahnhof abgeholt werde und freue mich auf das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein, etwas von den Resten des Weihnachtsessens bei Liliths Eltern abzubekommen und dieses unglaublich schöne Willkommensgefühl zu genießen!

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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2 Kommentare        

Eine interessante Art, die Weihnachtstage zu verbringen. Ich feier ja ziemlich traditionell. Aber es muss dir gefallen und es ist schön, dass du da eine gute Alternative für dich gefunden hast – der letzte Satz bringt das ja sehr gut auf den Punkt :-)

Ja, das finde ich auch! Es kommt echt darauf an, was man daraus macht. Wenn man es eher traditionell mag und schätzt und sich da willkommen fühlt, ist das natürlich sehr schön! Was ich vor allem damit aussagen wollte, ist, dass man sich nicht zwingen sollte traditionell zu feiern, wenn man es nicht mag oder nur weil man es eben so macht.

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