Überall Baustellen…

Freitag:
Ich habe am Freitagabend Schluss mit Navi gemacht, weil dieser mir vorgeworfen hat, keine Zeit zu haben und nichts mit ihm zu unternehmen. Ich meinte, dass mir das Schreiben sehr wichtig sei, oft sogar wichtiger als Liebe. Denn aus Texten entstehe etwas, Liebe sei nur dazu da, eine schöne Zeit zu verbringen. Aus dem Schreiben entsteht zudem etwas, was Bestand hat. Liebe sei unbeständig. Schön, aber vergänglich. Wir kamen auf keinen Nenner und so legte ich mit den Worten „Dann such dir eine neue Freundin!“ auf. (Man merke hier an, dass ich von Liebe kein gutes Bild habe…)
Verständlich, dass ich an dem Abend nicht mehr lernte, sondern den vermeintlich letzten Bus nach V. nehmen wollte. Ich wollte zu M., unter Menschen und nicht alleine sein und vor allem auf die Gothic Night, auf die ich ansonsten nie gegangen wäre, obwohl es mich reizte. Manchmal bin ich zu streng mit mir und mit anderen ebenfalls…ich verbiete mir selbst sehr viel, verlasse, gebe auf und erwarte zu viel von anderen…

Mit 12 cm SM-Stiefeln, kurzem Rock, Nieten und allem Pipapo machte ich mich letztendlich also auf den Weg und als wäre dieser Abend nicht perfekt genug, schloss der Busfahrer die Tür und ließ mich stehen. Ich hörte mich schreien und fluchen, mitten in die Nacht hinaus. Es war sowieso keiner mehr da. Dann fing ich an zu weinen, weil mir einfach nichts gelang… Ich sah zum Glück auf dem Plan, dass später noch ein Bus fahren würde. Dennoch heulte ich auf dem Weg nach Hause und traf…K.S., den einzigen Nachbarn, mit dem man sich unterhalten kann. Er fragte, ob ich bereits Feierabend habe und sah sich mein Outfit an. Ich meinte, ich habe den Bus verpasst. Wir wünschen uns noch gegenseitig einen schönen Abend und ich begann hier und da mit leerem Kopf ein bisschen aufzuräumen. Den nächsten Bus erwischte ich und alles in allem bereue ich es nicht, an diesem Abend rausgegangen zu sein. Denn er hat mir sehr gut getan. Es war alles unbeschwert und leicht. Ich traf viele nette Leute, fühlte mich willkommen, vergaß die Streitereien…vergaß Panik und Angst.
Ich übernachtete bei meinem Dad U.

Samstag:
Mary holte mich ab und wir verbrachten fast den ganzen Tag zusammen. Wir vorbereiteten die Geburtstagsparty ihrer Mum vor, planten hier und da und ich erkannte mit Erstaunen, dass sie ein richtiges Talent darin war. Ich half ihr nur ein bisschen, beruhigte sie, wie sie auch mich bei häufigeren Zusammenbrüchen beruhigte und es wurde ein netter Abend mit dem Partyschnaps Ficken, den keiner von den Gästen kannte – außer mir natürlich. Und so „fickte“ ich mit einer Blondine, schnorrte nach tschechischen Zigaretten (im Gegenzug erzählte ich Erlebnisse aus Prag) und lenkte mich gut ab. Dennoch rief ich Navi ein paar Mal an. Wir hatten uns nämlich am Mittag zufällig auf dem Jahrmarkt gesehen, als ich mit Mary, einem 1m Durchmesser Herz auf dem „I love you“ stand und mit knallroten gefärbten Haaren durch die Stadt rannte. Unsere Blicke trafen sich, doch mein Herz blieb leer. Mary lenkte mich zudem gut ab…
Sie übernachtete auch bei mir. Es war gut, denn irgendwie beruhigte es mich, jemanden neben mir liegen zu haben; besonders eine Frau und keinen Kerl.

Sonntag:
Mary verschwand am Morgen, ich machte mich auf den Weg nach V., um M. auf dem Jahrmarkt zu treffen. Wir redeten ein bisschen, schlenderten über die Stände und dann setzten wir uns ins Chaos-Café, wo man mich immer noch Frau Navi nannte und fragte, ob es denn bald kleine Navis geben würde. Ich meinte, Frau Navi gäbe es nicht mehr. Dann war mehr oder weniger Ruhe.
Um 16:25 Uhr fuhr dann der letzte reguläre Bus. Für mich jedoch gab es keine Busse mehr. Keine Zeit und keine Schule. Ich wollte einfach mal nicht an morgen denken und den Moment leben, mich wieder finden. Auch wenn das im Zusammenhang mit Alkohol nicht ganz schlüssig zu sein scheint. Aber es tat mir gut mal wieder unter Leuten zu sein, auch wenn mich das mit Navi sehr mitnahm. Er verstand mich nicht und ich ihn nicht…und bei dem ewigen Thema Zeit zogen wir beide oft den Kürzeren. Er, wenn ich mal wieder keine hatte und ich, wenn ich eigentlich lernen, schreiben oder etwas Wichtiges machen sollte. Trotz allem fehlte sie mir, die Zeit mit Navi…
Am Abend gesellte er sich dann doch noch zu uns. Ich sah ihm nicht in die Augen, es ging nicht. Mitten im Gespräch musste ich zudem aufstehen und auf die Toilette. Atmen. Luft holen. Mich beruhigen. Irgendwann zahlte ich dann und ging. Ich wusste nicht wohin. Einfach weg. Doch Navi zahlte ebenfalls und wir kamen nochmal ein Stück weiter weg vom Chaos-Café ins Gespräch. Er wollte zum Auto, ich wusste nicht wohin ich wollte. Laufen. Musik hören. Mich irgendwo hinsetzen. Nachdenken. Navi wollte mich jedoch nicht so gehen lassen und lud mich zu sich nach Hause ein. Nach langem hin und her ging ich auf sein Angebot ein und steig zu ihm ins Auto.
Bei ihm zu Hause stand ich dann im Bad und sollte mich fürs Bett richten. Aber ich konnte das nicht. Denn auch wenn mir schreiben viel bedeutet, bedeutet mir die Liebe auch sehr viel. Das merkte ich leider erst jetzt und das noch nicht mal zu 100 %. Ich war mir unsicher…denn verliebt war ich ja, auch wenn ich das aus Stolz nicht gerne zugebe. Und die Liebe verschwindet nicht von heute auf morgen. Die Vorstellung, neben ihm zu liegen, einfach so, war mir zu viel.
Ich warf also das T-Shirt auf den Stuhl, sagte „Tschüss“ und er konnte mich nicht aufhalten. Ich zog meine Schuhe an und ging. Er tat dies ebenfalls und lief mir hinterher. Er machte sich wohl Sorgen. Nach einigem Berg ab, umkehren, Berg auf und dann wieder Richtung Innenstadt gab ich es auf. Ich wurde den Kerl einfach nicht los. Also legte ich mich letztendlich doch zu ihm ins Bett und wir redeten. Es war der 10.10.10 und wir wurden erneut ein Paar (ich zähle bereits gar nicht mehr mit…).
Ein chaotisches Paar…ob es sich gelohnt hat, wird sich zeigen.

Montag, Dienstag, Mittwoch,…
…war ich extrem blockiert…

Montagabend war Navi bei mir und wir hatten einen schönen Abend. Ich gab mir Mühe, denn ich war’s ihm schuldig. Ich mag es zwar, wenn er bei mir ist, aber ich werde dann immer so schnell müde (wie immer bei Überforderungen) und legte mich auch diesmal ins Bett, obwohl ich doch eigentlich lernen wollte. Es verträgt sich einfach nicht: Navi und mein Leben, das ich leben sollte. Ich sollte mehr lernen, mehr schreiben, mehr lesen…leider bin ich aber planlos und komme zu gar nichts…

Am Dienstag erschien mir das Schreiben nicht mehr möglich und die Krise brach nun richtig aus. Es ist schwer zu beschreiben, aber es vermischten sich Beziehungsstress (die Frage „Schreiben oder Navi?“ existiert immer noch), Schreibkomplexe und -zweifel und Schulstress in einem. Und hätte ich mir selbst nicht versucht, die ganze Zeit gut zuzureden, wäre ich heute an diesem MittLochabend wohl schlimmer dran als jetzt. (Das L ist beabsichtigt.)
Gestern wollte ich also aufhören mit dem Schreiben, es für immer unter den Tisch kehren.
Auf Facebook schrieb ich:

„Gibt auf. Ab heute gibt es keine Journey mehr. Ebenso verschwindet das Ziel, etwas mit schreiben zu machen. Alles bricht in sich zusammen. Die Zweifel gehen schon zu lange. Ich habe einfach kein Talent…alles umsonst…“

Und darauf habe ich so viel Nettes zurückbekommen, dass es mich für einen Moment beruhigt hat. Keiner wollte es anerkennen, dass ich das Schreiben einfach so aufgebe. Ich war daraufhin so motiviert, dass ich gestern Abend auch nicht gelernt und stattdessen erneut geweint und ein Buch gelesen habe, das schon ewig im Schrank stand. Das „Lehrbuch des kreativen Schreibens“ hat mich dann etwas aufgeheitert.
Außerdem hat mir M. heute Abend auch sehr geholfen. Sie meinte, ich sollte einfach versuchen, wieder zu schreiben. Leichter gesagt, als getan. Ich sitze an diesem Artikel bereits ewig…aller Anfang ist schwer. Und ich komme mir vor wie bei Null…alles muss neu geordnet werden. Mein Schreibstil ist chaotischer und unsicherer denn je…verzeiht mir bitte…ich bin selbst sehr verwirrt momentan…

Sehr zum Nachdenken angeregt hat mich außerdem der Kommentar von Kaius…so auf den Punkt gebracht hat das noch keine Person. Aber er hat Recht. Durch das Bloggen alleine kommt nichts. Daher werde ich meinen Fokus nun auch auf alles andere richten. Wie meine Wirtschaftslehrerin den Wirtschaftsteil der Zeitung analysiert, analysiere ich nun alles übers Schreiben und suche mir schon mal Unis aus, etc… (Edit: Den letzten Punkt streiche ich…das ist momentan viel zu kompliziert…ich weiß nicht wer, aber irgendjemand muss mir dabei helfen…denn alleine verstehe ich das mit dem Bewerben, den Fächern, der Wohnungssuche und dem ganzen anderen Kram nie im Leben. Bei der Bürokratie und Bafög und Geld, das mir zusteht, aber nicht da ist, bringt es einen ja um den Verstand! Besonders traue ich mich nicht, überhaupt bei meinen Eltern anzusprechen, dass ich studieren will…und das auch noch so weit weg…was ist, wenn ich nicht genommen werde? Wenn alles wieder zu spät ist , ich doch nicht gut genug bin und ich wieder mit nichts dastehe?)

Doch trotz allem…zweifle ich dennoch sehr an mir. In Deutsch musste ich die Tränen unterdrücken wegen einer Inhaltsangabe(!). Das ist mir noch nie passiert…instabil war ich schon oft, aber so sehr nun auch wieder nicht. Ich musste heute auch mehrmals an die frische Luft, weil mir schlecht wurde aufgrund der Schreibblockade. Am liebsten wäre ich weggelaufen, so wie früher immer. Ich blieb aber dennoch da, es waren ja nur fünf Schulstunden. Den restlichen Tag habe ich dann geschlafen.
Vorhin habe ich mit Navi telefoniert/gestritten. Es wird nicht besser…er versteht mich einfach nicht. Ich denke, es wäre auch besser, wenn ich erst einmal Zeit für mich habe. Von meinen Krisen scheint er sowieso nicht begeistert zu sein und ich kann schlecht so tun, als ginge es mir blendend. Er ist nicht daran Schuld, dass ich gerade meine gesamte Person infrage stelle, aber er trägt leider auch nicht zur Besserung bei. Zudem erwarte ich sehr viel Unterstützung, was das Schreiben und Lernen und andere Dinge angeht. Und Zeit. Ich brauche sehr viel Zeit für mich, aber das passt ihm nicht so recht, da er mich auch mal sehen will. Und hierbei verstehen wir uns wieder mal nicht…

Ich habe nun beides versucht aufzugeben. Navi aufgeben, Schreiben behalten und Schreiben aufgeben, Navi behalten. Bei beiden Varianten geht es mir nicht besser. So, wie es jetzt ist, kann es aber auch nicht weitergehen. Mein Herz ist also zerrissen und vor allem überfordert….

Donnerstag: Ich habe heute morgen mein Handy gegen die Wand geschmissen, geweint, konnte nicht aufstehen und blieb zu Hause. Nicht wegen der Klausur, denn auf die wäre ich vorbereitet gewesen, da ich immer gut im Unterricht aufgepasst hatte. Das habe ich leider erst am Morgen um 4 gemerkt… Doch schreiben, das fiel mir dennoch schwer. Die Angst vor einem Blackout war zu groß. Die Angst zu versagen…und wieder zu versagen und wieder zu versagen. Ich konnte mir lange einreden, positiv zu sein. Ich hatte Hochs und wenige Tiefs und war glücklich…aber nun ist irgendwie alles zu viel und ich komme mir wieder vor wie ein Versager auf ganzer Linie…

Editiert: 14.Oktober 2010, kurz vor drei. am Nachmittag…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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