Timelapse of Feelings

[0700] Nachdem ich Observer an diesem sehr frühen Sonntagmorgen zum Bahnhof gebracht habe, laufe ich nun durch die Innenstadt von V. Fühle irgendwie eine unendliche Freiheit. Schwebe tänzelnd durch die stillen Straßen und lächle beim Gedanken daran, dass ich so etwas Wundervolles wie die letzten beiden Wochen wirklich erleben durfte. Und wer meinen Blog und mich kennt, weiß, dass ich dieses schwebende Freiheitsgefühl normalerweise nur fühle, wenn ich mich von jemandem löse oder alleine bin. Allerdings habe ich mich nicht gelöst… bin nicht alleine. Im Gegenteil! Ich habe mich lediglich verabschiedet. Aber nur physikalisch…

[0800] Noch sitze ich so da zwischen Maze und den anderen in der Gewissheit, dass sich irgendwie sehr viel verändert hat. Das merkt man mir auch an, da ich trotz versuchter Zurückhaltung meine totalen Glücksgefühle nicht so einfach verbergen kann. Das, was ich jedoch ahne, hat mein Verstand nämlich noch nicht auf den Rest von mir übertragen. Was diese plötzliche Distanz gefühlstechnisch außerdem mit mir machen könnte, weiß ich allerdings wohl erst, wenn ich meine Wohnung betreten werde, die gewiss nicht mehr so sein wird wie zuvor…

[0900] Über Numerologie und Zukunft sinnierend sitze ich bei meiner Mum und teile ein wenig meiner Gedanken mit…so teile ich ihr auch meine leichte Unsicherheit mit, wie es wohl weitergehen wird. Es besteht allerdings kein Zweifel daran, dass es das einfach muss!
All das so spontan in Worte zu fassen tut jedoch gut und triggert mich nicht negativ. Es hat sich wirklich etwas verändert in der Beziehung zu ihr. Nun ist es auch hier ein wenig so, als würde ich mir durch das Reden selbst etwas erzählen und die Zusammenhänge durch das Formulieren der Worte bewusster machen. Zwar lasse ich sie durch das Aussprechen zwar noch realer werden als z.B. in einem Text, aber ich glaube, dass gerade das Sprechen im Zusammenhang mit direktem Feedback unglaublich wichtig sind, damit man sich nicht im Kreis dreht. Denn durch die Komplexität der Herausforderungen, die hinter dieser beginnenden Bindung zu Observer stehen, besteht nun mal die Gefahr, dass ich mich da ein wenig verliere…

[1000] Im Bus sitzend und nun wirklich schreibend frage ich mich, wie es wohl ist, nach zwei Wochen intensivem Zusammensein mit einem Menschen heim zu kommen… Werde ich eine Leere fühlen? Sehnsucht?
In einem anderen Leben, das noch gar nicht so lange her ist, würde ich jetzt sagen, dass ich jetzt zurück in meine Freiheit kann. In meine Safezone. In meine Welt mit meinen Gedanken. In die absolute Sicherheit alleine zu sein. Aber irgendwie ist es diesmal anders. Irgendwie ist alles anders…
Diese letzten beiden Wochen waren einfach unglaublich! Obwohl Observer so gut wie immer an meiner Seite war, habe ich mich nie gestört, eingeengt oder wie sonst in meiner Freiheit bedroht gefühlt. Wir gingen morgens zusammen spazieren, die erste Woche auch jeden Tag zusammen zu meiner Arbeit (wo er ein Praktikum gemacht hat), waren einkaufen,… Ich habe ihn einfach an allem teilhaben lassen und auch allen wichtigen Menschen in meinem Leben vorgestellt. Denn warum sollte ich auch irgendeine Seite von mir verstecken? Warum sollte ich nicht weiter das tun, was ich sonst auch tue und mich anpassen, weil ich Besuch habe? Ich konnte wirklich so vieles von dem in mir ausleben trotz seiner Anwesenheit. Durch sein positives Feedback und das Spüren einer ehrlichen Akzeptanz zu all meinen Seiten habe ich mich auch immer sicherer und geborgener gefühlt. Gleichzeitig konnte ich dadurch wohl mehr „ich“ denn je sein und mich somit absolut frei fühlen. Es brauchte auch irgendwie so gar keine Kompromisse oder eine (un)bewusste Anpassung bzw. fallen mir da spontan keine Punkte ein, die jetzt gar nicht gingen. Wir harmonieren da einfach super und sogar meine größte Sorge mit dem Kochen für Zwei habe ich hinbekommen, als hätte ich nie was anderes gemacht. Weil ich mir einfach so gar keinen Druck gemacht habe wie bisher. Alles was ich in der gemeinsamen Zeit erlebt und gefühlt habe ist somit in etwa 180° Grad gedreht zu all dem, was ich bisher mit Besuch und vor allem mit Männern erlebt habe…
Dieser Mensch ist im Wesen einfach wie ich und lebt zugleich auch das komplette Gegenteil. Und obwohl unser beider Leben bis jetzt sehr unterschiedlich verliefen, haben wir uns irgendwie irgendwo aus irgendeinem (gewiss nicht zufälligen!) Grund getroffen und stehen uns auf dieser unglaublichen und für Außenstehende wohl erst mal schwer nachvollziehbaren Augenhöhe gegenüber… Wir haben so immens viele gemeinsame Interessen, ähnliche Gedanken/Denkweisen und dennoch wird es nie öde, weil wir ja doch Unterschiede in uns tragen, die sich ergänzen und inspirieren…
(Ich weiß, dass ich gerade sehr viel schwärme, was man hier in meinem Blog eigentlich nie zu lesen bekommt… aber auch das will ich hier festhalten, denn es macht sehr viel mit mir… und ist mir wichtig!)

[1100] Das Aufschließen der Tür und der erste Schritt über die Schwelle in dem Wissen, dass da nun niemand mehr ist und auch niemand den Schlüssel irgendwann im Schloss herumdrehen wird, ist hart. Härter als ich angenommen hatte, denn nun bebt der Boden kurz und lässt alles an Stärke in mir fallen.  Aber was hatte ich erwartet? Dass ich meine Wohnung, mein Reich betreten werde nach all dem, was die letzten beiden Wochen wunderbares und unglaubliches geschehen ist und alles so ist wie zuvor?
Zum Glück weiß hier mein Kopf, dass es keinen Grund zur Angst gibt. Dass es weitergehen wird. Aber er weiß auch um die große Herausforderung, welcher mein Herz naiv entgegenfiebert…

Es muss wohl so sein, dass etwas so unglaublich Schönem und Einzigartigem so unglaublich harte Herausforderungen entgegen stehen. In unseren Herzen sind wir gewiss eins. Daran besteht kein Zweifel. Aber die 700km Entfernung (Luftlinie) und eine Situation, die alles andere als leicht und mal eben schnell zu lösen ist, sind nicht gerade die besten Voraussetzungen. Vielleicht muss das aber auch so sein? Vielleicht muss diesem bisher ungelösten Dilemma ein so großer Anreiz entgegen stehen, damit es sich endlich auflöst und ein Neuanfang entstehen kann? In erster Linie für Observer, in zweiter aber auch für mich, denn ich merke schon seit einer Weile, dass ich mein gedankliches „So-hat-das-alles-zu-sein“-Korsett lockere. Ohne wirkliche Angst vor dem, was geschehen wird. Etwas Ähnliches fühle ich gewiss. Aber es ist keineswegs negativ behaftet. Keineswegs lähmend. Eher bestärkend und positiv!

Und weil ich daran glaube, dass wir das alles irgendwie meistern werden, habe ich mich nach meinem kleineren Melancholieausbruch und ein wenig Schlaf auch wieder gefangen… und werde trotz der immens großen Veränderung in mir weitermachen. Trotz einem leichten Gefühl von Sehnsucht…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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