Logbuch #88 Können Geschichten die Welt verändern?

Ich hatte ja vor einiger Zeit den Impuls für die Literaturwerkstatt (die ich leite) ein Projekt vorzuschlagen. In Absprache mit dem Leiter vor mir, der die Aufgabe ja an mich abgegeben hatte, kam ich zu folgender Idee, zu der sich jeder einen Text überlegen konnte:

„Dystopie/Utopie“  bzw. „Welt im Wandel“

Mögliche Fragen dazu: Was erwartet uns in naher oder ferner Zukunft? Wie wird sie aussehen, die Gesellschaft „nach Corona“? Wird sich überhaupt etwas verändern? Und wenn ja – negativ oder positiv? (Corona muss dabei nicht zwingend das Hauptthema sein. Aber ich denke die möglichen und tatsächlichen Auswirkungen auf die Gesellschaft regen uns alle in der ein oder anderen Weise zum Nachdenken an.)

Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits eine ganz ganz grobe Vorstellung von meinem eigenen Beitrag. Tatsächlich weitergeschrieben habe ich dann aber erst später auf meiner Journey ins Erzgebirge.
Meine Erzählung, in welcher Dystopie und Utopie vorkommen sollten, wurde mir im Laufe des Schreibprozesses immer wichtiger und ich arbeitete echt sehr intensiv daran, sah mir Dokus an, hörte Hörbücher, sprach mit anderen darüber… So gewann auch der Anspruch, sie gut umzusetzen, immer mehr an Bedeutung für mich. Da waren so viele Überlegungen, die ich das erste Mal in meinem Leben so in Worte fassen wollte und die bisher nur diffus als Ahnung existiert hatten.

Am Ende habe ich mich in einem Verständnis mit der Welt befunden. So mächtig mit meinen Worten und zugleich so ohnmächtig bei der Befürchtung damit auf eine Realität zu stoßen, die diese vielleicht gar nicht verstehen wird…
Mittlerweile bin ich das jedoch etwas, stehe aber nach wie vor zu dem, was ich geschrieben habe und was definitiv nicht umsonst war…

Nun stehe ich aber vor der Herausforderung etwas anderes zu schreiben…aber was?

Ich würde so gerne etwas schreiben, das für andere meine Hoffnung auf eine bessere Welt nachempfinden lässt. Das mit jeder Zeile, mit jedem Wort ein positives Grundgefühl beim Leser zurücklässt. Etwas das sich sanft um seine Angst legt und ihm behutsam einen Weg außerhalb seines Kreises aufzeigt. Aber was ist, wenn ich dazu womöglich gar nicht in der Lage bin?

Die vielen Gedanken, die ich nach außen tragen will, stoßen in all ihrer Freiheit ja doch immer wieder an Grenzen durch so vollkommen andere Gedankenwelten. An diesen pralle auch ich gelegentlich ab bei dem Versuch mich verständlich zu machen.
Und ja, manchmal fällt es schwer all dem standzuhalten. Nicht einzuknicken. Diese Barriere zwischen den anderen und mir nicht als etwas zu sehen, das mich lähmt und mir jeglichen Handlungsspielraum raubt.

Doch was nutzt die Hoffnung, wenn sie im Verborgenen bleibt?
Sollte sie nicht stark sein und sich von nichts und niemandem unterkriegen lassen?
Sollte sie nicht sich selbst in die Welt raustragen und dadurch fortbestehen?

Ich stelle mir aber auch diese Fragen:
Wann gelte ich als unbelehrbar naiv und krank?
Wenn nur ich alleine eine Hoffnung ausspreche?
Doch was ändert sich, wenn ich schweige?
Wer spricht dann noch?

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

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1 Kommentar        

„Können Geschichten die Welt verändern?“

Hallo Lui! :-)

Ich habe keinen Zweifel daran, dass das möglich ist. Jeder einzelne Mensch hat das Zeug dazu, diese Welt zu verändern, und wie so oft beginnt dieser Prozess mit der Definition einer simplen Vision eines Ideals. Alleine diese Gedanken haben das Potenzial, etwas zu verändern, denn für den Visionär ändert sich die Welt bereits in dem Moment, wo die Vision Gestalt annimmt. Sich mit dieser Vision gedanklich immer wieder und wieder auseinanderzusetzen, ihre Umsetzbarkeit zu hinterfragen, Probleme zu analysieren, nach Lösungen zu suchen und einen Weg zu finden, aus all diesen Gedanken Worte zu formen, die dann schließlich in einer Geschichte münden, all das verändert den Visionär von Anfang an. In seinem Denken, in seinem Empfinden, in seinem Verhalten, in seinen Worten, in seiner Sichtweise auf diese Welt. Das kann(!) das eine Samenkorn, der erste Schritt, der „Flügelschlag des Schmetterlingseffekts“ sein auf dem Weg zu einer Veränderung für viele weitere Menschen.

Doch wie schafft man es nun, in einem bestehenden System den nächsten Schritt zu gehen und den zu einer Vision gewordenen Traum in etwas zu verwandeln, das Hoffnung und Zuversicht transportiert, Menschen begeistert und mitnimmt auf die Reise? An dieser Frage dürften nicht gerade wenige knabbern, die das Träumen noch nicht verlernt haben. Es ist zweifellos eine Eigenart von Visionen, ihrer Zeit voraus zu sein. Der Mensch wehrt sich gerne gegen Veränderungen und verharrt stattdessen lieber beim Vertrauten, wie schlecht dies auch sein mag. Selbst Wissenschaftler tun sich schwer damit, Überzeugungsarbeit zu leisten. Selbst wenn sie Beweise vorlegen und diese mit unwiderlegbaren Argumenten untermauern, prallen sie doch irgendwann gegen einen Widerstand aus Angst, Ignoranz, Egoismus uvm. Ist es also nicht etwas zu viel verlangt, von einer Geschichte zu erwarten, dass sie es besser kann? Vielleicht ist es auch einfach eine Frage des Zeitraums, in dem man die Wirkung einer Ursache beurteilt? Ich denke da an ein großes Schiff, das scheinbar stur seinem Kurs weiter folgt, auch dann, wenn der Steuermann das Ruder hart anlegt. Nach und nach ändert der Riese seine Richtung, zunächst nur unscheinbar und dann aber doch immer deutlicher. Es braucht also Zeit und der Steuermann muß konsequent das Ruder festhalten. Vielleicht brauchen die Menschen ebenso viel Zeit und Autoren/Visionäre einen noch längeren Atem? Schneller geht es wohl nur, in dem eine Geschichte, die diese Welt neu erfindet, „viral geht“ und die Menschen da abholt, wo sie gerade stehen, sie begeistert, ihnen Hoffnung gibt und auf diese Weise mitnimmt in eine neue Zukunft. Sie müssen selbst Teil dieser Geschichte werden, damit sich etwas ändern kann! Und deshalb habe ich keinen Zweifel daran, dass eine gute Geschichte immer auch ein guter Anfang sein kann, um aus Träumen Wirklichkeit werden zu lassen…

„Ich würde so gerne etwas schreiben, das für andere meine Hoffnung auf eine bessere Welt nachempfinden lässt.“
„Aber was ist, wenn ich dazu womöglich gar nicht in der Lage bin?“

Das ist eine riesige Aufgabe, die du dir da stellen willst! Ich ziehe es daher sogar in Betracht, dass vielleicht niemand wirklich in der Lage ist, das zu bewerkstelligen. Aber versuchen kannst du es! Lade die Menschen ein in deine bessere Welt und nimm sie an die Hand, damit sie fühlen können, was du fühlst und sehen können, was du siehst. Schenke ihnen Hoffnung, in dem du deine Träume für sie erlebbar machst. Ich weiß, dass du das kannst … ;-)

„Die vielen Gedanken, die ich nach außen tragen will, stoßen in all ihrer Freiheit ja doch immer wieder an Grenzen durch so vollkommen andere Gedankenwelten. An diesen pralle auch ich gelegentlich ab bei dem Versuch mich verständlich zu machen.“

Behalte das Ziel im Auge! Worum geht es? Die Grenzen anderer Gedankenwelten mögen ihre Daseinsberechtigungen haben oder auch nicht, aber das entzieht sich deiner Kontrolle und deshalb macht es auch keinen Sinn, sich darin zu verlieren.

„Diese Barriere zwischen den anderen und mir nicht als etwas zu sehen, das mich lähmt und mir jeglichen Handlungsspielraum raubt.“

Vielleicht ist diese Barriere ja auch ein Schutz VOR den anderen für dich? Eine Barriere, die DIR Freiheit und Handlungsspielraum gibt … vielleicht einfach nur eine Frage der Perspektive?! ;-)

Viele Menschen träumen nur von einem Leben. Andere Leben ihre Träume. Das Schreiben ist deine Berufung! Glaube an dich und lebe deine Träume, in dem du darüber schreibst! Vielleicht ist das alles, was es braucht und so viel mehr als du vielleicht denkst. ;-)

Ganz liebe Grüße! :-)
Observer

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