Grenzen mit anderen

Es gibt so Momente, da steht man neben sich. Fragt sich, was man eigentlich gerade macht und warum. Der Versuch sich zurückzuziehen, um Abstand zu gewinnen, gelingt da leider nicht immer. Vor allem wenn andere Menschen da sind. Man kann sich nicht einfach ausklinken, aus der Situation und dem jetzigen Körper mit dem momentanen Verstand fliehen. Das macht den direkten Umgang mit anderen für mich manchmal so unglaublich schwer, auch wenn ich sie mag oder liebe. Mir fällt es schwer zulassen, dass da jemand anderes dauerhaft in meiner Nähe ist. Vielleicht weil es Konflikte mit sich birgt, denen ich lieber aus dem Weg gehe?
Ich bin da einfach ein anderer Typ Mensch, wie ich mittlerweile weiß. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen fühle ich mich alleine am sichersten. Das erweist sich oft als schwierig in meinen Beziehungen zu Partnern oder Freunden. Für mich hat das nicht direkt etwas mit einer Angst oder Abneigung gegen andere zu tun. Also zumindest empfinde ich keine negativen Gefühle dabei. Es hängt eher mit dem Wunsch nach Autonomie zusammen und „bei mir zu sein“. Ich habe schnell das Gefühl, dass ich unter anderen nicht mehr ich bin, was komisch ist, denn ohne die anderen gäbe es ja gar kein Ich, oder? Und sie helfen mir ja auch bei der Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit nach der ich so strebe… Darum setze ich mich manchmal Situationen aus, auf die ich jetzt in erster Linie nicht unbedingt Lust habe. Wenn es wohl danach ginge, würde ich in den meisten Fällen nämlich nichts tun und es würde sich demnach auch nichts bewegen. Und ich will ja, dass sich etwas bewegt und lernen mit den Dingen umzugehen, meine Grenzen zu erkennen… auch mal darüber gehen, um zu merken, dass das jetzt nicht das idealste war.

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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2 Kommentare        

„Weiterentwicklung der Persönlichkeit“, ein wirklich großes Thema und alles andere, als trivial …

Manch ein Bildhauer sagt, er bearbeitet einen Stein solange, bis die Figur fertiggestellt ist. Manch anderer sagt, die Figur ist immer schon dagewesen, man muß nur das drumherum entfernen.

Vielleicht kann man das, zum Trotze eines möglicherweise hinkenden Vergleichs, auch auf das Thema Persönlichkeitsentwicklung anwenden und sich die Frage stellen, ob es tatsächlich eine Entwicklung oder vielleicht nur eine Entdeckung von bereits vorhandenem sein mag.

Auch diese Frage kommt mir in den Sinn: ob das Gefühl, sich entwickelt und/oder verändert zu haben, in Wahrheit einfach „nur“ eine Anpassung sein könnte, an andere und deren Erwartungshaltung, die man dann vielleicht mit einer Persönlichkeitsentwicklung verwechselt?

Das Gefühl, sich alleine am sichersten zu fühlen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich würde es für mich am ehesten als „verlässlich authentisch“ bezeichnen, denn wenn ich 100% bei mir selbst bin, dann bin ich das pur, so wie ich wirklich bin, keine Maske, keine Panzerung, keine Illusion, kein Schauspiel, einfach nur ich.

Aber kann man das denn im Zusammensein mit anderen überhaupt sein und so verletzlich und ungeschützt auftreten?

„Unter anderen zu sein“ gleicht meist einem Schauspiel, an dem sich alle Protagonisten mehr oder weniger unfreiwillig beteiligen. Dieses komplexe Spiel sozialen „Miteinanders“ kann zu einer großen Herausforderung werden, besonders dann, wenn man versucht, authentisch zu sein. Das kann mutig sein oder aber auch zum Verhängnis werden. Warum wohl sind so viele Menschen so bemüht, sich anders darzustellen, als sie wirklich sind? Kleider machen Leute, sich schminken, die Haare stylen, den Körper trainieren, sich wortgewandt geben, keine Schwächen zeigen usw. usf., das alles dient einem Zweck: das wahre Ich zu verstecken und zu beschützen. Und dafür gibt es auch viele gute Gründe. Wie also könnte man unter anderen tatsächlich „man selbst sein“? Wie könnte sich das nicht fremd anfühlen? Wie könnte man in so einem Schauspiel von anderen ein ehrliches Feedback erwarten, auf das man in Sachen Persönlichkeitsentwicklung bauen könnte?

Was man sicherlich lernen kann, ist, sich unter anderen Menschen zu behaupten, sich zu integrieren, im Sinne der Gemeinschaft zu funktionieren (Stichwort Teamgeist), den Job zu meistern usw., aber genau das ist in meinen Augen vor allem Anpassung und nicht zwingend Teil der Persönlichkeitsentwicklung.

Sicherlich können andere und die Interaktion mit ihnen dazu beitragen, ein genaueres Bild von sich selbst zu bekommen. Aber dabei sollte man sich auch 100% sicher sein können, dass dieses Feedback absolut ehrlich und vor allem authentisch ist.

Die eigene Persönlichkeit verstehen, entwickeln, anpassen und diese Dinge dabei zu unterscheiden, das gelingt vielleicht am ehesten, wenn man voll und ganz bei sich selbst sein kann. Und es wäre doch möglich, dass man dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass das, was man so sehnsüchtig anstrebt, längst da ist. Und wer weiß, vielleicht bist Du, ohne Dir dessen bewußt zu sein, für andere längst zu einem Vorbild geworden, was Persönlichkeitsentwicklung angeht. Ein interessanter Gedanke, oder?! ;-)

Liebe Grüße
Observer

Hallo Observer,

vielleicht ist es aber auch eine Mischung aus beidem, also aus dem Entdecken von etwas Vorhandenem und dem Entwickeln/Formen? Wir sind ja kein starres Gestein, eher ein Material, das auch leicht flexibel ist, sich aber mit der Zeit nicht mehr grundlegend verformen kann…und bei manchen härtet das leider auch aus. Das nennt man dann wohl den Stillstand.

Deine Frage, ob die Veränderung/Entwicklung „nur“ eine Anpassung oder wirklich eine Persönlichkeitsentwicklung ist, ist sehr interessant. Vielleicht erkennt man das ja an der Dauer der Entwicklung? Eine bloße Anpassung kann vermutlich nicht lange bestehen, aber wenn man das irgendwann als eine vergangene Anpassung sehen kann, kann man auch daraus etwas für sich ziehen, was wiederum zur Entwicklung beiträgt. Das setzt aber ein gewisses Maß an Selbstreflexion voraus.

Nun zu den Menschen…also wenn man den richtigen Menschen begegnet, kann man ungeschützt auftreten und sie können das auch vor einem. Ganz ohne Maske. Jeder ganz er selbst. Von diesen Menschen kommt dann auch ehrliches Feedback, das einen weiterbringt. Aber sie sind selten. Ich habe das Glück vier solche Menschen zu kennen, von denen ich das Gefühl habe, dass sie mich auch kennen und – auch wenn sie mich nicht immer verstehen – akzeptieren.
Leider ist das da draußen sehr selten der Fall, da gebe ich dir recht. Man begegnet vielen Schauspielern, die sich aber auch ihrer eigenen Rolle nicht immer so ganz bewusst sind, wenn man mal genauer hinsieht.
Auch im Arbeitsleben gibt es diese Charaktere, die bei wirklich genauem Hinsehen eigentlich sehr sehr unsicher sind und das geschickt bzw. eher automatisch (meist also unabsichtlich) überspielen mit negativen Eigenschaften, die auf andere arrogant wirken können. Das sind dann diese hierarchischen Machtspiele, die ich gar nicht mag, zum Glück aber auch nicht erleben muss, da mein Chef einer dieser vier Personen ist, bei denen ich ich sein kann.

Und man kann glaube ich nicht „versuchen“ authentisch zu sein. Das schließt Authentizität irgendwie aus, oder? ; )
Mir hat mal jemand gesagt, dass ich es bin. Obwohl ich mich zu der Zeit so zerrüttet gefühlt habe, total verloren in Fragen wer ich denn bin und so gar nicht ausgeglichen in meinem Sein. Aber vermutlich war das dann auch wieder authentisch? Ich hab mich nicht verstellt oder das versucht zu verstecken.
Un ja, es ist immer mutig man selbst zu sein und sich preiszugeben…aber warum eigentlich? Was kann einem passieren? Wie sieht das Verhängnis aus? Ich höre es immer wieder, dieses Misstrauen von anderen, die enttäuscht oder betrogen worden sind von einer Person…was letztendlich dazu führt, dass sie alle Menschen meiden. Ich bin auch kein Menschenfan und tendenziell lieber für mich, aber ich fühle mich auch nicht wie ein Misanthrop. Ich verspüre nicht ganz so dieses Misstrauen. Ich fühle mich da eher „offen“…

Der Gedanke, anderen ein Vorbild sein zu können, ist wirklich interessant! Ich finde es auch echt schön zu hören/zu lesen oder mitzuerleben, wie das was ich sage/schreibe oder tue Früchte trägt und Spuren in den Köpfen und im Leben anderer hinterlässt. : )

Liebe Grüße
Lui

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