Da in letzter Zeit doch so einiges neues passiert ist, habe mir vorgenommen, endlich mal wieder ein „kleines“ Update aus meinem Leben zu veröffentlichen. Gleichzeitig sollte ich das ein oder andere auch schriftlich endlich mal verarbeiten. Allerdings ist das so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll…
Nun, ich beschränke mich in diesem Beitrag wohl erst mal auf das wichtigste neue Ereignis: die Veröffentlichung meines zweiten Buchs Tascha Pattern! Das hat in mir jedenfalls sehr viele ambivalente Gefühle ausgelöst…
Ich würde echt gerne darüber berichten, wie der letzte Prozess vor der Veröffentlichung gewesen ist und dass dieses Buchprojekt trotz der Strapazen einen erfolgreichen Abschluss gefunden hat und jetzt für sehr viele Glücksgefühle sorgt. Aber diese positiven Gefühle hatte ich irgendwie am meisten während des Schreibens an sich. Seitdem ich es freigegeben habe und es erhältlich ist, fühle ich mich allerdings seltsam… jedenfalls nicht so freudig, wie ich mich wohl fühlen sollte.
Ein Teil in mir ist natürlich stolz auf mich und glücklich und froh darüber, wie es geworden ist, sowohl inhaltlich als auch gestalterisch, und würde das am liebsten in die Welt hinaustragen! Allerdings ist dieses letzte Bedürfnis sehr, sehr klein (geworden), da es von einer anderen inneren Stimme überschattet wird:
Nimm dich nicht so wichtig. Wer bist du schon? Es ist doch nur BOD. Ein einfacher Eigenverlag. Das hat also keine Bedeutung. Das kann jeder. Kein „echter“ Verlag hätte Interesse an deinem Manuskript gehabt. Und ChatGPT ist so programmiert, dich nicht zu mobben und dir Honig ums Maul zu schmieren, also ist diese Bewertung auch wertlos. Was zählt, ist menschliches Feedback. Und das wird, außer von Menschen, die dich kennen und schonen, nicht gut ausfallen. Das weißt du. Bleib also lieber unsichtbar und still für dich, dann bist du auch nicht angreifbar. Denn es gäbe allen Grund dazu!
[meine innere Kritikerin / Madame S.]
Und genau diese innere Stimme ist aktuell sehr dominant, was dazu führt, dass ich mein Buch kaum bewerbe und es weitestgehend dem Zufall überlasse, ob jemand darauf stößt oder eben nicht.
„Ich will ja auch gar nicht wirklich bekannt werden und schreibe eben für mich“, sage ich mir immer und immer wieder, um dagegenzuhalten. Aber eigentlich stimmt das nicht zu 100 %. Eigentlich wünscht sich ein Teil von mir irgendwie doch, gelesen zu werden…
Aber mehr Werbung machen? Mit dieser inneren Stimme in mir? Ich habe Angst, das kleine, zarte Pflänzchen namens „Selbstüberzeugung“ niedertrampeln zu lassen von Kritik oder der nüchternen Erkenntnis, dass sich auch mit mehr Werbung keiner für mein Buch interessiert.
Wenig bis kaum Werbung führt allerdings von vorneherein zu wenig Lesern und wenige Buchbestellungen bestätigen mich wiederum darin, dass sich kaum einer dafür interessiert und ich es lieber für mich behalten sollte. Ein Teufelskreis aus sich selbst erfüllenden Prophezeihungen…
Ich bewundere echt andere Künstler für ihr Selbstbewusstsein und den Umgang mit den sozialen Medien. Nicht technisch, aber psychisch/mental. Vor allem bewundere ich, wie sie mit Kommentaren umgehen, die natürlich auch negativ ausfallen. Wie machen die das? Woher nehmen sie die Kraft und den Mut? Sie machen ja trotzdem weiter und vermitteln allein dadurch eine Art Selbstüberzeugung, selbst wenn sie das ganze negative Feedback gewiss auch trifft. Ich könnte das nicht, da ich dafür kein Fell habe, das dick genug ist, um das nicht zu stark an mich ranzulassen. Da ich mich ja im Grunde selbst kritisiere, wäre eine Bestätigung von außen, selbst wenn es nur von „Trollen“ ist, die einfach aus Langeweile Leute beleidigen und kritisieren/haten, für mich wirklich fatal.
Ich bewundere auch jene Influencer, die es verstehen, irgendwie alles zu bewerben (selbst wenn es nicht bewebenswert ist) und Klicks zu generieren, auch wenn ich das gleichzeitig absolut unfair finde, weil dadurch mal wieder den lauten in dieser Welt die Bühne gehört. Einfach, weil sie es verstehen, andere mitzureißen.
Aber ich bin eben nicht überzeugt genug von mir dafür. Ich bin nun mal kein lauter Mensch. Ich bin eher wie eine Schlaftablette… Leise. Beruhigend. Aber auch ein offenes Tor/Ohr für die Monologe anderer Menschen, die diesen Raum vermutlich unabsichtlich, aber wie automatisch mit sich füllen. So bin ich eher die Bühne für andere, aber nicht für mich und eher überfordert, wenn ich dann doch gefragt bin.
Bezogen auf mein Buch bedeutet das alles demnach:
Ich bin also jemand, der sich zum einen die Aufmerksamkeit wünscht und sich darüber freut. Zum anderen kann ich aber auch absolut nicht damit umgehen. So freut es mich einerseits, wenn ich sehe, wie andere ehrlich stolz auf mich und interessiert sind. Ebenso freue ich mich auch über konstruktive Kritik, weil mir das zeigt, dass sich jemand mit mir / meinem Buch auseinandergesetzt hat. Andererseits macht mich das (positive) Feedback aber auch traurig, weil ein so großer Teil in mir selbst so unglaublich schlecht von mir denkt.
Ich glaube, da sitzt noch etwas echt Tiefes, unverarbeitetes in mir… vielleicht ist es ein Satz, den ich irgendwann mal gehört habe: „Die nimmt sich zu wichtig und ist voll arrogant.“ Ich will aber nicht arrogant wirken, nicht zu überzeugt von mir erscheinen. Ich will mich nicht selbst „beweihräuchern“. Ich will niemandem einen Grund liefern, mich negativ zu bewerten. Also bleibe ich lieber still. Für mich. Mit vier Lesern. Mache subtile Werbung, die man mir hoffentlich nicht als Arroganz auslegen kann. Biete möglichst wenig Angriffsfläche. Und gleichzeitig fühle ich mich absolut unwohl damit. Gleichzeitig blicken mich meine Romanfiguren traurig an. Irgendwie auf ewig gefangen in ihrem Buch…
Und ich frage mich: Wie kann ich dieses Dilemma auflösen? Woher soll ich den Mut nehmen, mich gegen meine Selbstabwertung und meiner Angst zu stellen?
Über mein letztes Buch hat die Zeitung geschrieben, die zufällig auf mich aufmerksam wurde. Aber sie noch mal anschreiben? Mich aufdrängen und eventuell feststellen, dass meine Ängste, etwas Wertloses geschrieben zu haben, berechtigt sind?
Wie viel wert hat denn mein Buch? 13 Euro, was weit unterhalb dessen liegt, was andere für ihre Werke verlangen. Und dennoch steckt in diesen 264 Seiten unglaublich viel Liebe und Arbeit. Und sehr viel Wissen und Selbstreflexion und Gedanken undundund… aber ich tue mich so unglaublich schwer damit, es noch öffentlicher zu machen.
lch weiß einfach nicht, wie ich dem standhalten soll, wenn bei meiner nächsten Lesung wieder nur sechs Personen anwesend sind, von denen mich vier kennen + der Veranstalter + eine fremde Frau. Gut, es war Corona, aber was ist, wenn das nicht der Grund gewesen ist? Was ist, wenn sich das wiederholen wird? Oder – was sich gedanklich genauso schlimm anfühlt – was ist, wenn sehr viele Menschen kommen und enttäuscht sind, weil sie mehr erwartet haben?
Warum kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass das ganze auch zu einer positiven Erfahrung führen kann? Und das auch noch, obwohl der Kern des Buchs eben die Angstbewältigung ist und darin so viele positive Wendungen stattfinden? Warum fällt es mir so schwer, mich dieser verdammten Angst zu stellen, „sichtbarer“ zu werden?
