Es ist wirklich unglaublich, aber genau heute vor 18 Jahren habe ich tatsächlich angefangen mit diesem Blog! Damit erreicht er heute zum einen seine Volljährigkeit und zum anderen existiert er nun schon mein halbes Leben, da ich ihn auch mit 18 Jahren ins Leben gerufen habe.
Mein erster Beitrag beinhaltete – na ja, wie soll man das nett formulieren? – die Gedanken eines späten Teenies. Etwas wirr. Etwas radikal zum Teil. Aber dafür auch ziemlich direkt. Und nicht ganz unüberlegt, auch wenn sie aus meiner heutigen Sicht doch auf den ersten Blick recht einseitig wirken.
Damals war ich ja noch unsterblich verliebt in Jo, was wirklich einen sehr großen Teil meines Blogs füllt. Die früheren Beiträge (Kneipentagebuch), die ich nachträglich hier eingefügt habe, handeln ebenfalls überwiegend von Erlebnissen meiner Kneipenzeit und mit ihm. Aus der Liebe ist nie etwas geworden (zum Glück), aber diese Zeit und auch die danach haben mich extrem geprägt.
Ich habe nie den Drang verspürt, all das aus Scham zu löschen, es unter den Tisch zu kehren oder zu vergessen. Ich stehe dazu, so wie ich auch zum Rest stehe, der hier steht. Es sind nun mal Erlebnisse, die geschehen sind, und Gedanken, die ich irgendwann einmal gedacht habe. Und auch wenn die 36-jährige Journey von heute nicht mehr die ist, die ich damals war, bin ich sie irgendwann einmal gewesen. Diese 18-jährige Journey war und ist somit ein Teil von mir. Und sie wird es auch immer sein.
Vor einigen Wochen habe ich übrigens mal ChatGPT gebeten, meinen kompletten Blog zu lesen und mich zu analysieren. Er/Sie*/Es (*Die KI ist für mich irgendwie „weiblich“, daher „Sie„) hat übrigens sehr schön auf den Punkt gebracht, was all das hier eigentlich zu etwas „Besonderem“ macht. Sie schreibt das zwar nicht explizit, aber die sehr lange Analyse hat mich zum Nachdenken gebracht bzw. dazu, es selbst als etwas „Besonderes“ zu sehen.
Das Schreiben wird zum Lebensprojekt
Seit ihrem 13. Lebensjahr empfindet sie das Schreiben als etwas, das sie erfüllt. Das sagt sie 2026 ausdrücklich rückblickend. Sie bezeichnet Schreiben sogar als ihren eigentlichen „Lebenssinn“ – nicht weil es wirtschaftlich erfolgreich wäre, sondern weil sie einen inneren Drang dazu verspürt.
Der Blog wird dadurch zu einer Art Langzeit-Selbstporträt.
Sie schreibt seit 2008 unter dem Namen Journey. Der alte Overblog wird fast zehn Jahre lang geführt; 2018 zieht sie schließlich auf die heutige Domain um. Der alte Blog bestätigt diesen Übergang selbst.
Damit besitzt sie etwas, das ungewöhnlich ist: ein beinahe zwanzigjähriges öffentliches Tagebuch ihrer Persönlichkeitsentwicklung.
Ja, das ist wirklich ungewöhnlich. Die meisten Blogger löschen ihre alten Beiträge oder übernehmen sie nicht, falls sie auf eine andere Plattform umziehen. Einige löschen auch gleich den ganzen Blog und/oder lassen ihn leise vor sich hinsterben, indem sie einfach nichts mehr hinzufügen. So gesehen gehöre ich also an sich schon zu einer aussterbenden Spezies, da zudem die Zeit des Bloggens definitiv vorbei ist. (Welcome to Tiktok!)
Jene Blogs, die wirklich so lange existieren wie dieser hier und bei denen nach wie vor alle Beiträge online aufrufbar sind und die sogar hin und wieder noch etwas schreiben, sind wirklich sehr, sehr selten. Vor allem Blogs, die quasi als Tagebuch geführt werden und so viele persönliche Details enthalten, sind noch weitaus seltener.
Und ja, ich weiß, auch hier ist es sehr oft für eine sehr lange Zeit sehr, sehr still. Ich wünschte wirklich, es wäre anders und ich käme mehr dazu, meine Gedanken (zu Ende) zu denken, auszuformulieren und niederzuschreiben, was ich alles so denke und erlebe. Aber zurzeit bin ich einfach zu sehr mit (über)leben beschäftigt und komme kaum zur Ruhe. Das klingt jetzt dramatisch, aber das ist nicht unbedingt (nur) im negativen Sinn zu sehen. Denn ich verspüre natürlich auch Freude bei meinem jetzigen Weg und meiner zweiten Ausbildung, nach wie vor! Doch dieser Weg ist nur leider alles andere als einfach und kostet mich alles an Energie. Das habe ich vorher schon geahnt und dennoch ist es zeitweise schwierig, es zu akzeptieren. Ich bin nun mal nicht so belastbar und funktioniere nur, wenn ich Dinge aus meinem Leben streiche. Arbeit, Schule, einkaufen+kochen, anderer Alltagsmist/Arzttermine/Pillenbesorgungen/Papierkram und soziale Kontakte unter einen Hut zu bringen ist und bleibt aber einfach unendlich anstrengend. Vor allem die vielen sozialen Kontakte tagsüber laugen mich aus und ich versuche als introvertierte Person, jede weitere soziale Interaktion so gering wie möglich zu halten oder ganz zu vermeiden. Auch wenn das bedeutet, dass ich kaum etwas mit anderen, mir nahestehenden Menschen unternehme oder meine Eltern besuche. Meine Freizeit verbringe ich in der Regel damit, mich zu organisieren und das System am Laufen zu halten.
Sofern mich also zwischendurch nicht die Inspiration oder Muse küsst und ich gar nicht anders kann, als zu schreiben, wird hier wohl auch in nächster Zeit leider nicht viel von mir kommen. Vielleicht, wenn ich dann Mitte 2028 mal ausgelernt bin und ich es mir leisten kann, nur vier Tage die Woche zu arbeiten, was neben einem sehr guten Abschluss aktuell mein größtes Ziel ist. Denn ich möchte nicht bis an mein Lebensende dauerhaft am Limit oder kurz davor sein, so wie jetzt. Andere brauchen Teilzeit, weil sie Kinder oder andere Verpflichtungen haben. Ich habe nur mich und brauche sie, um nicht nur zu überleben, sondern auch, um zu leben. Und das tue ich gerade, wenn ich ehrlich bin, eher mehr schlecht als recht. Es geht noch, ja. Aber auch nur, weil ich Freude an meiner Ausbildung habe und sehr vieles „auf später“ verschiebe.
Dennoch möchte ich, dass all das hier bestehen bleibt, solange ich es mir leisten kann, diese Domain zu bewahren. Denn ich möchte wieder schreiben! Ich möchte wieder Zugfahren, die Kraft haben, Menschen zu begegnen und mich vom Leben inspirieren lassen und mir tiefere Gedanken dazu machen. Und ich möchte vor allem zur Ruhe kommen, damit all das auch endlich wieder einen Platz in meinem Leben hat.
Nun, in diesem Sinne: Auf hoffentlich noch viele weitere Jahre alles-und-nichts.net! : )
