Stress?

Was lässt mich durchdrehen?

Stress.
Angestaut.
Entlädt sich.
Akut.
Pure Energie.

Normalerweise bin ich ruhig. Umgänglich. Im Vergleich zu anderen, die sich schneller mal aufregen können, ein absoluter Ruhepol.

Doch manchmal
drehe
ich
durch…

Es beginnt damit, dass wir ein Gespräch führen, du und ich. Und während du mir von dir erzählst, deinen Überlegungen, Gedanken und Wünschen und wo die Schwierigkeiten liegen, was die Umsetzung angeht, frage ich mich immer mehr, wie das alles überhaupt funktionieren soll. Wie ich dir helfen kann, damit deine Träume Realität werden können. Aber ich scheitere. Mir fällt nichts ein. Verliere den Glauben bei so viel Ungelöstem und deinen sehr guten Argumenten, warum du nicht handeln kannst. Ich verstehe jedes einzelne… verstehe, dass jede Entscheidung immense Konsequenzen hat… und fühle mich machtlos. Diese Situation nicht kontrollieren, dir nicht helfen zu können und als Gesprächspartnerin absolut nutzlos zu sein, beginnt mich nach und nach zu verunsichern.

Und mit jedem weiteren deiner Worte spüre ich die Verzweiflung, die Sorgen und Nöte, welche ich zwischen deinen Zeilen zu spüren glaube. Je länger wir reden und je weiter wir uns von der Lösung wegbewegen, je mehr weitere Probleme es zu beachten gilt, …desto schwerer wird der Schleier, der sich nach und nach über mich legt und mir mit der Zeit das Atmen erschwert.

Vielleicht ist es ja, wie du sagst und du möchtest einfach nur reden, fühlst dich gar nicht so verzweifelt wie ich bei dem Gedanken daran, keine Lösungen für die X Herausforderungen in deinem Leben zu haben… aber ich kann das alles einfach nicht ignorieren. Ich kann die in mir aufsteigende Hoffnungslosigkeit nicht unterdrücken und weiß absolut nicht, wie ich mich verhalten und damit umgehen soll.

So gerate ich innerlich immer mehr in Panik und schalte nach und nach ab. Während wir weiterreden, gehen in mir einfach die Lichter aus und verdunkeln alles um mich herum. Vielleicht aus Selbstschutz? Ich höre dir aber weiterhin zu, bemühe mich wirklich, das ganze wieder neutral zu sehen. Aber im Grunde wünsche ich mir nur noch, dass wir das Gespräch einfach an dieser Stelle beenden können. Gleichzeitig fühle ich mich schuldig, weil mir so gar nichts dazu einfällt und es mir lieber wäre, wenn du irgendwie selbst eine Lösung für all die Herausforderungen auf deinem Weg findest. Da du das aber nicht kannst – denn du würdest mit mir ja ansonsten nicht darüber reden wollen – nimmt das Gespräch eine noch düstere Wendung. Mit einem Mal wird alles so richtig abgrundtief schwarz und beängstigend. Jetzt will ich nur noch weg und eigentlich sollte ich das auch tun. Aber ich kann doch nicht einfach aufstehen und gehen und dich damit alleine und im Stich lassen?! Ich will ja was sagen, etwas Schlaues und Bereicherndes, das dich zur Lösungsfindung inspiriert und dir weiterhilft! Aber ich kann mich jetzt überhaupt nicht mehr konzentrieren, nichts mehr sagen. Versuche einfach nur noch, die mittlerweile bleischwere Decke der Verzweiflung abzuwerfen, ruhig zu atmen und mich darauf zu konzentrieren, während du weiterredest. Subtil versuche ich zu äußern, wie es mir geht. Aber zu leise. Bin mir nicht mal sicher, ob ich wirklich etwas gesagt habe, denn du reagierst nicht. Und wir verlieren das mittlerweile einseitige Gespräch, nach und nach; verlieren uns. Du in deiner Welt, ich in meiner.

Und dann passiert es… Ich kann diese innere Anspannung nicht mehr ertragen und explodiere. Werde LAUT. Die Panik und Depression der Situation entlädt sich in Aggression. Und ich werfe. Mit voller Wucht. Mit Kuscheltieren gegen den Fernseher. Ja, nichts Schlimmes, aber es hat auch nicht gereicht. Ich stehe auf, schlage gegen den Türrahmen, weiß mir einfach nicht mehr zu helfen. Absoluter Kontrollverlust. Heulender Zusammenbruch.

Jetzt schweigst du, scheinst überrascht und ich weiß nicht, was du denkst. Weiß nicht, wie es sein kann, dass du all das, was ich gerade gefühlt habe, nicht sehen konntest? Bin ich wirklich so leise gewesen oder warst du zu sehr in deiner Welt, um mich zu sehen?

Jetzt schweigst du einfach nur, siehst mich nicht an. Vermutlich hast du nun Angst, etwas zu sagen, verstehst nicht, was mich extrem ruhige Person mit einem Mal so hat durchdrehen lassen. Nun, ich verstehe es ja selbst nicht, denn das bin definitiv nicht ich. Aber was ist dann das, was mich so sein lässt? Ein verdrängter Teil von mir? Die dämlich unausgeglichenen Hormone? Allgemein zu viel Stress und die Überforderung des Gesprächs war einfach ein Punkt zu viel? AD(H)S? Ich weiß nur, dass mich das Gespräch in diesem Moment in einen sehr panischen Zustand versetzt hat und ich mich wirklich existenziell bedroht gefühlt habe…

Und ich weiß, dass ich das nicht mehr erleben und so sein möchte. Zum Glück kommen solche Momente sehr, sehr selten vor. 0–1-mal im Jahr. Aber wir vermeiden es auch, über bestimmte Themen zu reden. Ich vermeide zu viele stressige Sozialkontakte. Ich vermeide Situationen, denen ich mich nicht gewachsen fühle. Ja, manchmal ist das ganz gut. Manchmal sollte man gewisse Dinge auf einen geeigneteren Zeitpunkt verlagern. Ich weiß aber auch, dass ich nicht alles vermeiden und davor weglaufen kann, zumindest nicht für immer. Ich möchte das aber auch gar nicht. Ich möchte auch keine Beziehungen führen, bei der bestimmte Dinge ausgeklammert werden müssen und meinen Partner oder meine Familie im Stich lassen. Aber ich möchte selbst entscheiden, ob ich für ein Gespräch bereit bin oder nicht. (Bei dem oben beschriebenen Gespräch war ich es, wie man unschwer erkennen kann, definitiv nicht. Ein unausgeglichener Hormonhaushalt plus Tageszeit sind einfach keine guten Voraussetzungen für ein Gespräch mit mir, das schwierig werden könnte…)

Insgesamt möchte ich lernen, mit dem Stress besser umzugehen und ihm nicht aus dem Weg gehen. Und ich möchte lernen, mich so zu äußern, dass mein Gegenüber weiß, wie es mir geht und dass ich vielleicht eine Pause brauche.
Ja, das klingt kompliziert. Ich klinge auch kompliziert und anstrengend. Aber Beziehungen sind allgemein nun mal nicht immer einfach. Manchmal explodiert man. Manchmal übergeht man seinen Partner, ohne es zu merken, weil man zu sehr in seinem eigenen Film (gefangen) ist oder das Gegenüber sich nicht klar genug äußern konnte. Das kommt nun mal vor. Die Frage ist nur, wie man es einordnet und damit umgeht. Denn nur in der Reflexion kann man etwas für die Zukunft verändern. Nur dann kann man auch daran wachsen. Gemeinsam.

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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