Ich lerne mal wieder vollkommen unnötig viel zu viel und das auch noch am vorletzten Tag vor den Ferien, an dem wirklich KEINER motiviert ist, etwas für die Schule zu tun. Selbst die Lehrer sind lockerer als ich. Und dennoch sitze ich hier auf meinem Sofa zwischen meinen Unterlagen und lese das offizielle Fachbuch… lese das inoffizielle Fachbuch… gehe meine Aufzeichnungen über Mauersteine durch… fasse das ein oder andere zusammen…
Und während ich so dasitze, schweifen meine Gedanken immer wieder ab und mit einem Mal frage ich mich, wann ich mich eigentlich zuletzt nach dem Sinn des Lebens… meines Lebens gefragt habe…
Zugegebenermaßen ist das wirklich schon sehr lange her… ganz früher in den dunkelsten Zeiten meiner Depression war das die zentrale Frage meines Lebens. Mittlerweile frage ich mich das irgendwie gar nicht mehr (bewusst). Ich lebe einfach.
Habe ich denn mit der Zeit meinen Sinn gefunden?
Oder habe ich ihn verloren, das Thema begraben und bin vielleicht einfach nur abgestumpft, ohne es zu merken?
Ist es denn zwangsläufig etwas Schlechtes, wenn man sich das nicht mehr fragt/fragen muss?
Vielleicht frage ich mich das aber auch nicht mehr, da ich in den letzten Jahren einer erfüllenden Tätigkeit nachgegangen bin und ansonsten beinahe immer ein größeres oder kleineres Ziel vor Augen hatte…
Mein größtes Ziel für die nächsten Jahre ist ja relativ klar: die Ausbildung beenden. Und danach? Arbeiten als Bauzeichnerin. Aber das ist nicht das, was ich als den „Sinn meines Lebens“ sehe. So wie ich mich kenne, wird es wieder ein Teil meines Lebens sein, vermutlich auch ein sehr großer. Aber es wird mich nicht mehr so einnehmen wie mein letzter Beruf als Fotografin und Bildbearbeiterin, der eine Weile wirklich mein primärer Lebenssinn gewesen ist. Ich hoffe zumindest, dass ich weiser geworden bin und dass es nicht mehr so sein wird. Und ich hoffe auch, dass der restliche Sinn nicht darin besteht, einzukaufen, zu kochen, irgendwelche Arztbesuche zu tätigen, Medikamenten hinterherzurennen und allgemein Ordnung im innen wie im außen zu halten. Das alles ist zwar auch sinnvoll und notwendig, aber ebenfalls nicht der Sinn meines Daseins.
Aber was ist denn nun der Sinn meines Daseins?
Einfach so in den Tag hineinleben, älter zu werden und zu sterben?
Mich beunruhigt dieser Gedanke komischerweise nicht, weil ich eben nicht das Gefühl habe, in den Tag hineinzuleben. Ich fülle den immer irgendwie „sinn“voll. Zum Beispiel jetzt. Ich schreibe. Und DAS war schon immer mein Lebenssinn und etwas, das mich seit meinem 13. Lebensjahr erfüllt. Auch wenn das in den letzten Monaten zu kurz gekommen ist, mein Buch immer noch in der letzten Korrekturpipeline steckt und sich die Anzahl meiner Leser nach wie vor vermutlich an einer Hand abzählen lässt. ( Hallo ihr drei oder vier! : D ) Aber ich schreibe ja auch nicht für die Massen, sondern für diejenigen, die es eben interessiert, was ich so denke und sich in den Zeilen verstanden fühlen. In erster Linie schreibe ich jedoch für mich.
Vielleicht mag der ein oder andere sich nun fragen, worin denn da bitte der Sinn besteht?! Ich schalte keine Werbung, bin nicht auf TikTok und habe durch diese Website eigentlich nur Ausgaben. Ein gekauftes Notizbuch und ein Stift wären daher günstiger, vor allem da sich die Rückmeldungen auch eher in Grenzen halten. Und dennoch besteht für mich darin ein sehr großer Sinn. Aber wie kann etwas so offensichtlich Sinnloses denn einen Sinn ergeben?
Vielleicht ist die Antwort darauf wirklich extrem enttäuschend banal: Ich gebe dieser Tätigkeit diesen Sinn. Ich fühle einfach, dass es das richtige ist. Dass es gut so ist, wie es ist. Und ich mache es, weil ich es will und weil mich irgendeine Art von innerem Antrieb dazu verleitet. Und ich kann mir durchaus vorstellen, bis zu meinem Tod diesen Blog zu führen und Bücher zu schreiben, die nicht mal 100 Leute kaufen und vielleicht 40 lesen. Immerhin… 40 ist mehr als 0. Und wenn von diesen 40 ein paar das Buch auch noch toll finden und sich in meiner Gedankenwelt zu Hause fühlen… habe ich echt viel erreicht. ; )
Ja, der Sinn des Lebens ist vielleicht einfach nicht rational zu erklären und mit bloßem Verstand zu erfassen…
