Familiengeschichten

Von September bis etwa November habe ich mich mehr als intensiv mit meinem Familienstammbaum auseinandergesetzt. Hierzu hatte ich schon mal einen guten Start durch die Vorarbeit eines Verwandten, der für meinen Vater einen persönlichen Abstammungsbaum generiert und ausgedruckt hat. Der hat mir aber irgendwie nicht gereicht, weil es noch so viele Nebenzweige und Geschichten dazu gibt und diese Nebenzweige sich ja auch fortgepflanzt haben…

Ich habe nach diesem einen Tag in Saalfeld, als ich bei meinen Verwandten war, also sehr viel Zeit mit der Recherche verbracht, mich auch auf Seiten wie familysearch und ancestry angemeldet und mittlerweile ist mein Stammbaum wirklich sehr sehr sehr umfangreich geworden. So umfangreich, das ich mich etwas darin verloren habe und zunächst pausieren musste. Ich weiß einfach noch nicht so genau, wie ich das alles gerne darstellen würde. Ihn nur in digitaler Form zu haben bzw. in einer App ansehen zu können finde ich nämlich doof.

Warum gerade ich mich als Eremit so sehr dafür interessiere, ist eine gute Frage. Ich glaube, ich wollte einfach nur wissen, ob ich wirklich die letzte meines Namens bin. Und wie es aussieht, bin ich das. Ich bin zwar unverheiratet, werde aber auch kinderlos bleiben. Ob sich ersteres ändert, weiß ich nicht, aber das ist mir auch nicht so wichtig. Es gab Tage in meinem Leben, da hätte ich jeden geheiratet, um meinen Namen loszuwerden, aber auch deutlich mehr Tage, an denen ich mir dachte: Ach wie gut, dass ich nicht verheiratet bin und somit diese ganzen Probleme nicht habe. Mittlerweile sehe ich das sehr pragmatisch. Verbunden kann man sich auf jeden Fall auch ohne einen Ring fühlen. Die Konsequenz ist halt, dass das eben nicht zählt, wenn etwas passieren sollte (Tod, Unfall,…).
Dass ich den Namen meiner Vorfahren väterlicherseits mit ins Grab (oder auf den Berg) trage, kann also durchaus passieren. Das ist (mittlerweile) auch vollkommen okay für mich. Ich werde mich aber nicht fortpflanzen, da ich das von klein auf nicht als Teil meines Lebenswegs gesehen habe. Alles in meinem Leben spricht dagegen: diverse Krankheiten, andere Lebensziele, ein emormer Freiheits- und Unabhängigkeitswunsch, Unfähigkeit,…
Das bedeutet also, dass mit mir vermutlich die komplette Geschichte der Familie D. endet, was schon echt krass ist, wenn man bedenkt, wie groß der Stammbaum ist.
Wie bereits erwähnt, hatte mein Ururgroßvater mit seiner Frau 12 offizielle Kinder, die alle überlebt haben. Ich habe bis auf den ominösen 13. Sohn alle Namen der drei Töchter (davon waren zwei Zwillinge) und neun Söhne herausgefunden. Das war echt nicht leicht, da die meisten von ihnen ähnliche Namen hatten und einige davon zum Teil bis zu vier Vornamen. Meine Güte, waren die damals fleißig! Man rechnet im 19. Jahrhundert wohl auch nicht damit, dass so viele Kinder überleben. Meine Ururgroßmutter war eigentlich nur schwanger von ihrem 20. bis zu ihrem 43. Lebensjahr und so wie es aussieht immer erfolgreich. Interessanterweise ist mein Urgroßvater wohl der einzige, der Thüringen verlassen hat. Meine Urgroßmutter stammte aus Ulm (Württemberg) und beide ließen sich irgendwie in Villingen (Baden) nieder, wo mein Großvater, mein Vater und ich geboren wurden. Meine Großmutter stammte von einem Bauernhof, auch aus Württemberg. Mein direkter väterlicher Zweig scheint also deutlich reiselustiger zu sein als der Rest. Na ja, mein Urgroßvater arbeitete ja auch bei der Bahn, was wiederum sehr gut zu mir passt. Allerdings ist er 1944 gesorben, weit weeeeeit vor meiner Geburt.

Über die besagten Seiten findet man wirklich sehr viel heraus. Ich hätte auch gerne noch weiter zurück recherchiert und hatte mich zeitweise auch auf archion angemeldet, wo man in alten digitalisierten Kirchenbüchern stöbern kann. Ich tue mich aber extrem schwer mit dem 17. Jahrhundert, weil ich die Schrift beim besten Willen nicht lesen kann und die auch in den seltensten Fällen ein Verzeichnis hatten. Das bedeutet, dass man im Grunde alles lesen muss… und wenn die männlichen Vorfahren dann auch noch über drei Generationen hinweg Johann Nicol(aus) D. heißen, wird es echt nicht leicht…

Irgendwie fand ich es schön, mich damit zu beschäftigen und auch mit der anderen Seite meiner Großmutter. Es ist wirklich interessant, weil irgendwann im späten Mittelalter irgendeine Magd verbotenerweise mit irgendeinem Knecht geschlafen hatte (uuuh, vermutlich „eyn Ausländer aus Westphalen“) und ich ohne diese Begegnung nicht auf der Welt wäre. Schon faszinierend, wie viele zufällige Begegnungen oder Entscheidungen zu etwas führen.
Über die mütterliche Seite fehlen mir leider noch zu viele Informationen, was ich aber auch noch ändern will. Diese Seite stammt nämlich aus Prag.

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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7 Kommentare        

"… dass ich nicht verheiratet bin und somit diese ganzen Probleme nicht habe …"

Huch! Welche meinst Du?

Leider habe ich nicht wirklich viele positive Beispiele einer glücklichen (oder zumindest nicht überwiegend unglücklichen) Ehe in meinem Umfeld.
Das für mich wohl prägendste Beispiel sind meine Eltern. Zwar bin ich durch sie auf der Welt, aber verbessert hat sich die Beziehung zwischen den beiden in den letzten 34 Jahren nicht. Sie wurde eher immer schwieriger und problematischer. Ich habe das alles mitbekommen… Für mich gab es von Kleinauf somit keine schlimmere Vorstellung, als eines Tages auch in (so) einer Ehe festzustecken, zu leiden und nicht in der Lage zu sein, gehen zu können (sei es wegen einem Kind und/oder aus finanziellen Gründen).

Jetzt habe ich dir zwar keine konkreten Probleme genannt, aber vielleicht verstehst du dennoch etwas besser, was ich mit diesem Satz meinte bzw. warum ich mit einer Ehe eher Probleme verbinde.
Mit Sicherheit muss das nicht automatisch auch auf mich zutreffen und es gibt durchaus viele positive Beispiele, aber die negativen sind mir näher. Mir fällt es daher sehr schwer, mir eine gut funktionierende Ehe vorzustellen, die nicht von Streit und Nichtkommunikation geprägt ist. Theoretisch ja, praktisch weiß ich nicht, ob ich da nicht irgendwann auch so wäre…

Ja, liebe Lui, ich verstehe genau, was Du meinst. Erstaunt bin ich nur, dass Du all diese Dinge der Ehe anlastest. Für mich sind all diese Probleme keine Probleme, die durch die Ehe entstehen, sondern durch beispielsweise – wie Du schreibst – Nichtkommunikation, durch die Unfähigkeit, sich um die Beziehung zu kümmern, sie zu pflegen oder auch ernsthaft zu hinterfragen, …

All das gibt es in Ehen und in "wilden Ehen", wie man eine feste Freundschaft früher genannt hätte. Bis ins hohe Alter gelingende Partnerschaften erlebt man ebenso in Ehen wie auch in "nur-Freundschaften". Und nicht verheiratete Partner:innen können genauso scheitern und in der Beziehung gefangen leben und gequält sein wie Menschen in einer Ehe, Deine Eltern zum Beispiel.

Nicht die Ehe ist es, die Menschen "feststecken" lässt, wie Du es nennst, sondern die Unfähigkeit, sich zu vertragen und zu lieben oder eben auch zu trennen. Eine Ehe kann man heute einfach scheiden (das mag früher anders gewesen sein). Die Abhängigkeiten, die durch Beziehung entstehen, die sind es, die zur Qual werden können. Mit Ehe wie ohne Ehe.

Für mich sind all diese Probleme keine Probleme, die durch die Ehe entstehen, sondern durch beispielsweise – wie Du schreibst – Nichtkommunikation, durch die Unfähigkeit, sich um die Beziehung zu kümmern, sie zu pflegen oder auch ernsthaft zu hinterfragen, …

Die Abhängigkeiten, die durch Beziehung entstehen, die sind es, die zur Qual werden können. Mit Ehe wie ohne Ehe.

Lieber Pit, damit hast du absolut Recht!
Ich frage mich nur, warum das Reden in Beziehungen sehr oft so unglaublich schwierig ist und auch, sich vorher über all das gemeinsam Gedanken zu machen? Und es ist ja auch nicht mit einem Mal getan. Eine Beziehung ist ein Prozess und vieles ändert sich im Leben eines Paares und entwickelt sich vielleicht anders, als zunächst gedacht… worüber man auch reden sollte…

Absolut richtig, was Du schreibst. Eine Beziehung ist ein Prozess, niemals ganz abgeschlossen.

Ich glaube, wir Menschen nehmen so gerne das Schöne einer Beziehung an, ärgern uns aber über die Arbeit, die sie macht. Oft schlittert man so in eine Beziehung, es läuft gut, man versteht sich, so könnte es immer bleiben … bleibt es aber nur selten, weil niemand einfach so stehenbleibt in seiner Entwicklung.

Und dann kommt die bittere Wahrheit, dass man plötzlich unterschiedlich denkt und Kompromisse schließen muss, damit sich beide wieder wohlfühlen und auch beide noch profitieren von der Beziehung. Aber Menschen sind unterschiedlich stark, und so gibt es genug Beziehungen, wo die Wünsche einer Person auf der Strecke bleiben, weil sie nicht mutig genug ist, das Gespräch einzufordern, und die stärkere Person die Notwendigkeit nicht sieht. Das sind dann Beziehungen, wie sie Dich verstören. Die ungleichgewichtigen.

> … warum das Reden in Beziehungen
> sehr oft so unglaublich schwierig ist …

Mit Reden meinst Du die Auseinandersetzung. Und die ist Arbeit, oft unangenehm. Wer kann, lässt das lieber – meist der starke Teil. Der schwache Teil dagegen traut sich nicht. Und so wird es dann nichts.

Ich glaube, es hat viel mit Mut zu tun, ob eine Beziehung gut verläuft (Mut zum Reden einfordern) oder ob sie endlich beendet wird (Mut zur Trennung).

Soo viele mutige Menschen gibt es einfach nicht 🙂

(Aber bitte lass bei all dem die Ehe aus dem Spiel)

 

Ich glaube, es hat viel mit Mut zu tun, ob eine Beziehung gut verläuft (Mut zum Reden einfordern) oder ob sie endlich beendet wird (Mut zur Trennung).

Das stimmt allerdings!

(Aber bitte lass bei all dem die Ehe aus dem Spiel)

Ja, das mache ich. : )
Meine Antwort kommt zwar etwas spät, aber ich wollte mich noch bei dir bedanken, dass du nachgefragt hast und somit dieser Austausch stattfinden konnte! Das Schreiben mir dir hat mir auch sehr dabei geholfen, das etwas anders zu sehen. : )

… und ich ohne diese Begegnung nicht auf der Welt wäre.

Das ist allerdings ein cooler Gedanke 🙂

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