Vor Gericht Gedicht

Vor mir der Richter, der nicht spricht.
Hinter mir die Zeugen, die nichts sehen.
Neben mir der Anwalt, der mir nicht zuhört.
Und müde belächelt ihr mich…
Alle.
Beschuldigt mich des Vergehens, naiv zu sein.
Doch über wen wollt ihr wirklich richten?
Wen eines besseren belehren?
Etwa eine hoffnungslose Träumerin?
Eine realitätsferne Utopistin?

Selbst wenn ihr noch so sehr versucht
meine Hoffnung im Keim zu ersticken,
meinen Glauben an das Gute zu schwächen,
mir die Welt des Hasses zu erklären
und dass der Mensch ja von Grund auf böse sei…
Selbst dann verdient ihr kein Mitleid.
Sondern erst recht mein Mitgefühl!

Denn obwohl ihr manchmal unmenschlich handelt,
ist euer Handeln zugleich menschlicher denn je.
Nicht immer akzeptiert,
aber im Grunde verständlich
in einer so unsicheren und scheinbar kalten Welt,
die auch noch mit jeder eurer Verurteilungen realer werden lässt,
wovor ihr euch eigentlich fürchtet.
Wenn ihr also mich verurteilt,
so verurteilt ihr euch in Wahrheit auch selbst.

Letztendlich verlasse ich den Saal
mit schweren Fußfesseln…
und fühle mich dennoch frei und unbeschwert!
Denn ich trage die sichere Gewissheit in mir,
dass am Ende auch ich nur entscheide,
immer wieder aufs Neue,
wie ich diese Schwere sehen will.
Wie ich euch begegne.
Am Ende bin ich vielleicht selbst sogar mein eigener
Richter,
Zeuge
und Anwalt
im Prozess meines Lebens.

Posted by Journey

Kategorie: Gedichte

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