Logbuch #10: 7×7 Todsünden-Update

Nein, ich möchte hiermit nicht die Kirche befürworten oder predigen… Vielmehr hat mich ein Interview in der Sternstunde Philosophie mit Matthieu Ricard (ist ein buddhistischer Mönch) sehr beeindruckt bzw. seine Gelassenheit. Ich habe mir dann weitere Folgen in der Art angehört und  mal darüber nachgedacht, was so alles Negative wohl noch in mir schlummert.
Dann sind mir die sieben Todsünden eingefallen. Als ich mich vor  sieben Jahren damit beschäftigt habe, kam da ja einiges bei raus. Und da ich aber das Gefühl habe, dass ich mich schon sehr stark verändert habe und heute definitiv ein gelassener und  liebevollerer Mensch bin als damals, folgt nun ein Update.

Superbia (Hochmut . Übermut . Eitelkeit . Stolz)
Die schreckliche Eigenschaft, mich selbst runter zu machen, damit andere mich loben und aufbauen habe ich zum Glück heute nicht mehr! Dafür bin ich heute vielleicht manchmal etwas zu überzeugt von mir. Aber ich lasse mir dafür jetzt auch was sagen und nehme das auch an, selbst wenn es je nach Härte des Feedbacks auch schon mal etwas dauert, bis ich mich von den Emotionen löse. Aber es passiert und das ist ein gutes Zeichen. Früher wäre ich bei leichter Kritik aus dem Fenster gesprungen, da ich das auf mich als Person bezogen habe und mich ja auch alles andere als toll fand. Im Vergleich dazu bin ich heute definitiv sachlicher (aber noch lange nicht am Ende der Weisheit ; ) )

Avaritia (Geiz . Habgier . Habsucht)
Auch da bin ich mittlerweile um einiges gelassener. Ich strebe schon lange nicht mehr nach der Erfüllung materieller Wünsche in dem Ausmaß, wie es früher der Fall war. Wobei das früher wohl auch nicht so krass war, wenn ich mich mit anderen vergleiche, die da schon eher mal über ihre Verhältnisse leben und auch leben wollen. Das habe ich echt selten. Wenn ich mal 1000 € für ein Bett ausgebe, dann ist das Geld über mehrere Monate angespart gewesen und dann weiß ich auch, dass es mir nicht das Genick bricht. Ich versuche eben immer Realist zu bleiben.
Alles in allem messe ich meinen Wünschen bei weitem nicht mehr die Bedeutung zu, die sie mal hatten. Die stehen dann eben auf einer Liste und manchmal, wenn ich denke, dass der richtige Zeitpunkt ist, kauf ich mir mal was davon. In der Regel habe ich die Liste aber nicht so auf dem Schirm und ich weiß, dass mein Leben auch ohne sie schön sein kann.
Ich lebe also nach wie vor sparsamer denn je. Meine Art zu wirtschaften ist abhängig von meiner „Buchhaltung“, die aus mehreren verknüpften Exellisten besteht. Die verschaffen mir den absoluten Überblick, geben mir Sicherheit und machen mich echt glücklich, weil ich das alles selbst entwickelt habe und darin sehe, dass ich eben nicht habgierig bin und auch ohne finanzielles Zusatzpolster zurechtkomme.
Als geizig würde ich mich trotz meiner peniblen Sparsamkeit jetzt aber auch nicht bezeichnen, denn ich gebe auch gerne was ab. Das habe ich auch die letzten Jahre immer wieder getan, auch als ich weniger verdient habe als  jetzt.
Ich schätze aber nach wie vor ein Gleichgewicht, auch wenn ich nicht so die große Nehmerin bin bzw. sein will. Dankbarkeit und kleine Aufmerksamkeiten erwärmen aber schon mein Herz.

Luxuria (Genusssucht . Ausschweifung . Wollust . Geilheit)
Ausgelebt habe ich diese Sünde in dem Ausmaß – also ohne Schuldgefühle – noch nicht. Ich habe gewiss mal was gemacht, was nicht so okay war, obwohl ich damals bei diesem Punkt meinte, dass ich sowas nie könnte. Aber für mich ist das Jahre her und ich hab mich echt sehr intensiv damit auseinandergesetzt und es abgeschlossen mit dem Schluss: Nie wieder! Selbst wenn ich keine festen Beziehungen mehr führe, will ich klare Verhältnisse und Ehrlichkeit! (außerdem wisst ihr ja: Mir ist meist EIN Mann schon zu viel… was soll ich dann mit einem Harem an Männern?!)

Ira (Zorn . Wut . Vergeltung . Rachsucht)
Wow, da habe ich ja wirklich einen Sprung gemacht! Früher wollte ich wohl wirklich Leuten, die im Weg stehen an den  Hals springen…
Ich schätze es daher sehr, dass ich heute absolut nicht mehr so bin und sich meine Hasstiraden in Grenzen halten!

Gula (Völlerei . Gefräßigkeit . Unmäßigkeit . Maßlosigkeit . Selbstsucht)
Ich glaube da bin ich auch recht vernünftig. Auf Partys gehe ich auch gerne mal, wenn sie in vollem Gang ist, trinke keinen Alkohol, rauche nicht, nehme nur meine Tagesdosis an Medis. Ich habe aber auch keine Probleme damit, wenn andere da anders sind bzw. sage ich das dann schon auch mal deutlich, wenn es mir am Herzen liegt.

Invidia (Neid . Missgunst . Eifersucht)
Auch in diesem Punkt bin ich anders als früher. Ich bin mittlerweile aber auch irgendwie außer Konkurrenz bzw. befinde mich nicht in direkten Vergleichen meiner Arbeit mit anderen wie damals in der Berufsschule.
Aber an sich vergleiche ich mich leider immer noch recht häufig. Das Resultat ist aber keine Missgunst und neidisch bin ich auch recht selten… denn ich mag mein Leben und was ich mache und wenn ich nicht so erfolgreich in manchen Dingen bin wie ich es gelegentlich gerne wäre liegt nur an einer Person: an mir.
Eifersucht ist mir nach wie vor ein Fremdwort, wofür ich auch sehr dankbar bin. Schwierig ist das nur, wenn ich mich da reindenken möchte, um jemanden anderen mit dieser Problematik besser zu verstehen. Zum Glück wissen die meisten aber, dass ich eben so bin und nehmen es mir nicht übel, wenn es mir nicht immer gelingt.

Acedia (Trägheit des Herzens/des Geistes . Faulheit . Feigheit . Ignoranz)
Ich hab mich noch mal reingelesen…die Trägheit des Herzens bezeichnet im Grunde eine Gefühllosigkeit und Stumpfheit für die Gefühle anderer.  Ich denke mein Geist und mein Herz sind gewiss nicht mehr so träge wie früher, denn ich sehe viel weniger weg als damals, spreche Dinge an, teile mich mit, will um jeden Preis ein Schweigen vermeiden! Mittlerweile habe ich auch sehr viel dazugelernt, was das zeigen von Mitgefühl angeht. Natürlich findet man nicht immer die passenden Worte, aber die Tendenz ist bei mir eher positiv, was mir auch andere bestätigen.
Faul bin ich gelegentlich. Wobei sich jetzt vermutlich jeder bei meinem Aktionismus, der das komplette Gegenteil von Faulheit ist, an den Kopf fasst. Dass ich mich so bezeichne hängt vermutlich damit zusammen, dass ich manchmal denke, dass ich noch mehr tun sollte. Da ist es eher an mir zu lernen nachsichtiger zu sein und Prioritäten festzulegen.

Soviel also zu meinem Update. Man könnte sagen, dass ich mich in den letzten sieben Jahren wirklich sehr stark weiterentwickelt habe. Ob ich heute ein sündenfreier Mensch bin wage ich zu bezweifeln. Aber ich bin ehrlicher (zu mir selbst und zu anderen!), mitfühlender, reagiere auf vieles gelassener, bin wissbegierig, stehe mit beiden Beinen im Leben und kann morgens in den Spiegel schauen!

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

«      |      »

5 Kommentare        

Also als Atheist finde ich ja,
das man mindestens 5 von den 7 „Totsünden“ theoretisch auch als positiv auslegen könnte.
( Ausser Maßlosigkeit und vielleicht Empathielosigkeit)

Neid zb. Kann, so wie ich ihn verstehe; durchaus als Motivator und Antriebsmotor nützlich sein. Solange man es eben schafft, ihn ohne negative Konsequenzen für sich & andere auszuleben.
(Im Gegensatz zur „Missgunst“, welche ich als toxisch ansehe)

Rache: nach meinem Verständnis ist unser gesamtes Justiz-System nach diesem Grundsatz aufgebaut, und zu grossen teilen finde ich das auch Okay so.
Ausserdem ist Rache u.U gut für die Psyche.

Fazit: leider nicht Mal die „Todessünden“ sind so richtig Schwarz oder Weiss.
Schade eigentlich…

Na ich bin da wohl eher Agnostiker. ^^

Und beim Neidbegriff hast du wohl recht. Dieser eigentlich neutrale Begriff ist eher negativ behaftet…

Ob Rache jetzt sooooo gut für die Psyche ist, weiß ich aber nicht… ^^ Darfst du mir aber gerne erläutern!

Wer ohne Sünde ist der werfe den ersten Stein…..
Mmmhh, irgendwie vermisse ich das alte Testament, da hätte Gott nicht so einen Satz rausgehauen sondern den Mt. Everest geschmissen….

Aber wie, du magst keinen Harem an Männern? Keine Gruppe die dich vergöttert? Die dir jeden Wunsch von den Lippen abliest?
Aber stimmt, klingt nervig :D (was sagt das über mich, dass ich ausgerechnet diesen Punkt als erstes wähle?)

Faule Menschen sind meistens die geschäftigsten, weil sie wissen, wenn man es einmal gescheit macht, dann hat man danach seine Ruhe.

Ansonsten klingt das doch relativ ok, nicht zu viel von einer Sünde, aber auch nicht ganz unbefleckt.

Das mit den Listen musst du mir mal zeigen, ich bin eher ein Typ, der in den Tag hinein lebt, meistens ohne Plan, aber dafür mit viel Spaß :D

Das mit dem Harem klingt sehr anstrengend und wirklich nervig…
Und ja, gute Frage! was sagt das über dich aus…? ^^‘

Faule Menschen könnten aber auch Prokrastinierer …Prokrastinatoren(?!) sein… Machen sie es denn dann noch gescheit bzw. überhaupt? Mir ist zumindest der Gedanke, dass ich auch so sein könnte, sehr unangenehm. Das ist der Fall, wenn ich was zu lange „auf meiner Liste habe“…
Sollten wir uns tatsächlich mal begegnen, kann ich dir gerne mal ein paar Listen zeigen. Im Gegenzug bin ich mal gespannt, wie du so in den Tag hineinlebst. ^^

keine listen, an wichtige termine vom handy erinnert werden….

ich bin mal mit freunden über ein verlängertes wochenende nach italien gefahren und habe erst irgendwo in österreich gefragt, wo wir überhaupt hinfahren :D

und was das jetzt über mich aussagt ….schweigen wir mal drüber :D

Schreibe einen Kommentar