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Nach meinem extrem guten Einstieg hier hat es mich natürlich irgendwann umgehauen. Und das gar nicht mal so leicht… Montag, Mittwoch und Freitag ging es mir jedenfalls so extrem mies, dass ich zu nichts mehr fähig war. Es war mir einfach alles zu viel. Zu viele Baustellen, zu viel Selbsthass, zu viel, was ich nicht verstehe…

Meine Gedanken zu ordnen fällt mir auch jetzt gar nicht so leicht, da ich nicht weiß, wo ich anfangen soll…es ist einfach alles zu viel…meine Zimmermitbewohnerin hier hat das passend beschrieben: Ich stehe vor einem Korb, in dem ein riesiger Berg aus Wollknäulen ist, bei dem jedes einzelne Wollknäuel nicht mehr von den anderen zu trennen ist. Und in diesem Korb suche ich nun einen Weg, wie es weitergehen soll. Und jeder Fadenanfang, den ich rausziehe, sorgt dafür, dass ich mich zumindest ein Stück weit besser fühle…aber der Berg ist einfach noch zu groß…

 

1. Familie
Ich möchte mich nun (komplett) von meiner Familie lösen. Ich denke, ich kann nicht verdrängen, wo ich herkomme, aber ich kann vieles versuchen, damit es mir besser geht. Und mir geht es eben am besten, wenn ich nicht mit allen Familienmitgliedern rede. Ich habe einfach zu sehr das Gefühl, dass mich keiner von ihnen wirklich kennt. Und unter diesen Umständen ein Gespräch zu führen oder Vertrauen zu entwickeln erweist sich als sehr schwierig…besonders, weil eine Bindung zu meinen Eltern nun gar nicht (mehr) existiert. Wir haben keine Vergangenheit, keine Gegenwart und keine Zukunft. Sie meinen zwar, sie hätten viel für mich und alles richtig gemacht, aber ich war öfter auf mich alleine gestellt, als sie es wissen oder wahrhaben wollen.
Nun mag ich meiner Familie auch nicht mehr mein wahres Gesicht zeigen, dafür fühle ich mich in ihrer Gegenwart zu mies und ich habe wirklich oft genug versucht, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Aber mich nimmt ja keiner ernst. Für meine Familie bin ich nur das kleine Kind, das alles falsch macht. Und auf Leute, die mich runterziehen kann ich ehrlich gesagt verzichten. Klar, finanziell bin ich noch abhängig, aber ich habe das Recht auf meiner Seite, in dem nicht geschrieben steht, dass ich dafür nett sein und brave Tochter spielen muss…

 

2. Schule/Ausbildung/Studium
Dank meiner extremen Angst vor Spanisch, die mittlerweile zu einer noch extremeren Abneigung geworden ist, werde ich das Abi wohl nicht bestehen. Es klingt lächerlich, aber so schaffe ich es wohl wirklich nicht. Ich werde nämlich wieder an den Punkt gelangen, an dem ich sterben möchte wegen einem Spanischreferat. Und das wird mir erneut die Motivation für die anderen Fächer rauben und mich wirklich nieder machen. Außerdem habe ich nicht die Kraft, noch zwei Jahre nur für die Schule zu leben…

Dass es mir wieder schlecht geht, will ich nun vermeiden…und dazu muss ich mir eingestehen, dass das Abi auf diesem Weg der falsche Weg war. Ich bin dazu einfach zu doof und nicht wie die anderen. Ich habe mit den Fächern zum Teil extreme Probleme und was Spanisch angeht bin ich wohl für die nächsten Jahre geschädigt. Meine Angst vor dem Spanischunterricht ist sogar so groß, dass ich Panik bekomme und nicht mal fähig bin, zur Nachhilfe oder in die Klinikschule zu gehen…:

Ich will diese Sprache aus meinem Leben verbannen, nie mehr darüber nachdenken und keine Angst mehr haben müssen. Aber das alles holt mich ein, immer und immer wieder… Diese Demütigung, Klassenschlechteste zu sein. Die Panik vor jeder Spanischstunde. Und die gestresste Anspannung, die ich immer dann habe, wenn ich fast schon Todesangst habe, im Unterricht dranzukommen. Das sind alles Dinge, die mich krank machen…
Und jetzt ist mir so schlecht, dass ich mich am liebsten übergeben, mich „auskotzen“ würde. Meine Finger zittern und krallen sich in meine Haut, um einen anderen Schmerz zu spüren, nur keinen seelischen. Und ich weiß, dass ich genau jetzt zu den Schwestern aus der Medi-Zentrale gehen sollte, aber ich kann nicht. Ich fühle mich so klein, so unbedeutend. Was soll ich dort auch sagen? Soll ich da etwa verheult reingehen und sagen, dass ich Todesangst vor Spanisch habe, weil ich nun nicht einmal den deutschen Infotext in dem Grammatikkapitel lesen kann? Weil ich nichts mehr verstehe und bereits durchdrehe, wenn man mir nur auf spanisch hallo sagt?

So ging es mir am Mittwoch. Und ich will das nie wieder spüren müssen…also: Was geschieht nun? Vielleicht werde ich eine Ausbildung anfangen. Ich bin gerade schon dabei, mir was Passendes rauszusuchen. Meine liebe Mitbewohnerin hat mir nämlich wirklich vom Arbeitsamt Material mitgebracht, ohne dass ich sie danach gefragt habe. Das war so lieb von ihr…so was machen Menschen wirklich selten für mich…
Und nun suche ich mir etwas aus. Im Idealfall etwas, bei dem man die Fachhochschulreife erwerben kann…

 

3. Beziehungen
Aaaah, ein böses Thema. Und eigentlich mag ich das gar nicht näher erläutern. Ich kann nur so viel sagen: Ich habe einen Knick in meinem Bild von Beziehungen was das Vertrauen und vor allem die Vergänglichkeit angeht. Und ich kann mich mit der Vorstellung einer Beziehung in dieser Welt nicht anfreunden. Das ist mir alles einfach viel zu kompliziert und zu grausam…wenn ich das alles so in Worte fassen könnte, gäbe es ein großes Wirrwarr und ihr würdet mich für irre halten…
Ich habe was Beziehungen angeht einfach null Orientierung. Soaps im TV verzerren die Wirklichkeit, meine Eltern wohnen zusammen alleine, jeder für sich, und was meine Erfahrungen mit Beziehungen angeht…hmmm…ich denke lieber nicht darüber nach. Wenn ich so auf meine Erlebnisse mit Kerlen zurückblicke, dann muss ich nämlich feststellen, dass man hierbei nur den Kopf schütteln kann. Es ist wie im schlechten Film und ich habe keine Ahnung, was meine Rolle hier ist. Wahrscheinlich eine lustige Nebenrolle, um die schlechte Romantik des Brautpaares in dem miesen amerikanischen Film aufzulockern. Von außen vielleicht…von innen bin ich ganz anders. Ganz ganz anders…von innen zerfrisst mich der Selbsthass und die Verachtung mir gegenüber, wenn ich an dieses eine Thema denke…und am liebsten würde ich nun schreiben: Egal! Bleibe ich eben alleine, Liebe gibt es nicht! Lebe ich eben in meiner eigenen Welt und verdränge einfach, dass ich extrem einsam bin! …super! Das klappt bestimmt! …nur dass ich am liebsten bei dem Gedanken daran gehen würde…für immer. Einfach den Schmerz nicht mehr spüren müssen, dieses Gefühl, bei dem ich mich so sehr verachte, dass ich mich nicht mal mehr im Spiegel ansehen oder unter die Leute gehen kann…weil sich jeder Blick eines Mannes in mein Bewusstsein frisst mit dem Gedanken an die Vergänglichkeit und daran, dass jeder einfach so austauschbar ist…

…es ist wirklich furchtbar. Diese Gedanken wünsche ich keinem…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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2 Kommentare        

Hallo Journey,
tut mir leid, dass es dich letzte Woche so runtergezogen hat. Hoffentlich geht es dir jetzt wieder besser. Vielleicht gehört das aber zur Therapie dazu und hoffentlich fühlst du dich dort, wo du jetzt bist, immer noch in guten Händen.
Deine getroffenen Resümees sind für mich zwar durchaus nachvollziehbar, aber ich bin der Meinung, du solltest dir nicht selbst Sackgassen bauen, wenn du verstehst, wie ich das meine. Gib dir Zeit. Die Idee mit der Ausbildung finde ich aber gut. Damit verbaust du dir ja nichts.
Deine „Mitbewohnerin“ scheint nett zu sein und hat wohl viel Einfühlungsvermögen.
Bitte hasse dich nicht selbst, sondern liebe dich, so wie du bist. Das solltest du dir wert sein.
Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg. LG…

Hallo unbekannt,
mich zieht gerade so einiges runter. Und momentan fühle ich mich irgendwie komisch…meine Stimmung ist extrem schwankend…
Und ich verstehe, wie du das meinst. Das sind auch nur Vorschläge…was ich letztendlich mache, wird sich zeigen. Das Abi jedoch rückt immer weiter in den Hintergrund, weil ich dazu einfach zu viel Hauptschülerin und zu wenig Realschülerin bin. ich bin einfach anderes lernen gewohnt. Und was ich gar nicht gewohnt bin, ist Spanisch…

Das mit dem Selbshass ist übrigens leider nicht so einfach…das geht schon viel zu tief…

Liebe Grüße

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