Fremd

Ist es so außergewöhnlich, was sie fühlt? Zu einem Fremden hingezogen, von dem sie so gut wie nichts weiß? Doch das, was sie weiß, sammelt sie in ihrem Gehirn wie in einem Steckbrief: Name, ungefähres Alter, Beruf, Aussehen. Sie speichert die wenigen Augenblicke in denen er da ist, etwas sagt, tut. Sie beobachtet jeden Schritt, den er tätigt. Ohne dass er es merkt. In Wahrheit wacht sie also über ihn – hintergründig, versteckt, unsichtbar. Und es schmerzt sie, dass er all das nicht mitbekommt. Doch wie soll sie jemals einen Schritt wagen – in die Aufmerksamkeit? Sie leidet, denkt Tag und Nacht an die Person, die sie nicht kennt, tut alles um diese Person wiederzusehen, mehr zu erfahren, und das, obwohl die nicht einmal weiß, ob diese Person auch so fühlt. Das naheliegendste wäre, dass sie es nicht tut. Doch auch dieser Gedanke lindert ihre Sehnsucht nicht und sie hofft auf etwas, von dem sie sich nicht einmal im Klaren ist, ob und warum sie es will.

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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