Schreibblockaden

Da mir selbst die Überwindung zum Weiterschreiben an etwas Bestimmtem gerade etwas schwer fällt, nutze ich die Gelegenheit, um diesen angefangenen Beitrag mal zu Ende zu schreiben. Vielleicht küsst mich ja dann die Muse?

In dem Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ leitet der Autor James Frey sein Kapitel „Was kann man tun, wenn die Muse Ferien macht“ mit folgenden Worten ein:

Eine Schreibblockade ist kein Hirngespinst. So etwas kommt vor. An manchen Tagen setzen Sie sich vor Ihre alte Schreibmaschine, legen die Finger auf die Tasten, und es fällt Ihnen nichts ein. Blanko. Nada. Absolut gar nichts. Was Sie dann tun, wenn so etwas passiert, unterscheidet Sie von all den Leuten, die verkünden, daß sie eines schönen Tages ein Buch schreiben werden.

Eine Schreibblockade ist etwas, das sich nicht mit „einfachen Mitteln“ lösen lässt. Frey beschreibt, dass hierbei vor allem Alkohol oder anderen Stimulanzien nicht helfen können, die „Kreativitätsmaschine geschmiert zu kriegen“. Er geht sogar soweit, dass man alles in alkoholisiertem Zustand Geschriebene wegwerfen sollte. Dasselbe gilt für Gras, Koks und Speed.
Ich selbst würde mein Kneipentagebuch von vor über zehn Jahren zwar nie vernichten, aber es hatte auch nicht wirklich den Anspruch, ein Bestseller zu werden (wenn ich wirklich ganz ehrlich zu mir bin).
Frey führt es zwar nicht so aus, aber ich denke, ihm geht es darum, dass man seine Kreativität nicht an Alkohol oder andere „Hilfsmittel“  koppeln sollte, denn diese werden einen irgendwann ins Verderben stürzen. Spätestens, wenn man seine Leber ruiniert hat oder feststellt, dass man sich so auf diese Hilfsmittel konditioniert hat, dass ohne eben nichts mehr funktioniert. Oder man wird größenwahnsinnig und verliert den Bezug zur Realität.

Also: Nicht in Panik geraten und wie ein Feigling in die nächste Kneipe rennen.
Ebenso ist es wichtig, sich klarzumachen, dass das jedem Schriftsteller mal passiert. Wichtig ist hierbei: nicht aufhören, weitermachen!

 

Dazu hat Frey einige Hinweise/Tips:

  • noch einmal abtippen, was bereits geschrieben wurde, zum Aufwärmen
  • heiße Musik hören
  • laut vorlesen, was bereits geschrieben wurde
  • egal, was man tut, man sollte unbedingt am Ball bleiben und keinesfalls mit den Schreiben aufhören! (selbst wenn alles Schwachsinn ist, denn: aufstehen und weggehen macht es schlimmer, weil das Aufstehen beim nächsten Mal leichter fallen wird…)
  • die Schreibblockade nicht mit Emotionen verwechseln, die einem auch in die Quere kommen können wie z.B. Wut, Trauer, Krankheit, Müdigkeit, Geilheit usw.

 

Ich persönlich erlebe eine Schreibblockade eher vor dem Akt des Schreibens. Das Anfangen fällt mir daher am schwersten, besonders wenn ich noch keine konkrete Idee habe und meine Ansprüche dafür umso höher sind.

Zur Motivation hilft mir ein Weinglas ohne Wein. Roter Saft ist auch sehr effektiv. Ansonsten hilft mir auch Musik, vor allem die von Worakls. Und wenn alles scheitert, muss ich Zugfahren. Am besten die längste Strecke, die ich mit meiner Jahreskarte erreichen kann. Das hilft immer, kostet mich aber zu Coronazeiten zu viel Überwindung…
Das laute Lesen hilft mir auch, wenn ich mittendrin bin. Aber es hilft mir eher, um den Text runder zu bekommen.

Das schwierigste ist bei mir persönlich also der Anfang. Wenn ich schon mal das Dokument geöffnet und eine Weile geschrieben habe und feststelle, dass ich gerade voll blockiert bin, dann werde ich in der Regel müde. Da ich meistens ohnehin im Büro (aka Bett) schreibe, nehme ich irgendwann meine Brille ab, drehe mich zur Seite und schließe die Augen. Selten schlafe ich ein, weil irgendwann irgendein Gedanke kommt… und dann mache ich einfach weiter oder versuche mich mit einem anderen Text zu pushen. Oder ich höre auf, weil es manchmal einfach wirklich nicht mehr weiter geht.

 

Primäre Ursachen von Schreibblockaden:

1. man kennt seine Figuren nicht gut genug

Es kann durchaus sein, dass man in seinem Roman Figuren geschaffen hat, die Widerstand leisten und sich wehren, sich so zu verhalten, wie man es sich wünscht.
Was, das ist möglich?! Aber du bist der Autor! DU hast sie erschaffen! Ja. Aber die Figur hat trotzdem ihren Willen, so unglaubwürdig das für Nicht-Autoren klingen mag.
Die gute Lena aus meiner aktuellen Story ist z.B. eine ganz schön komplizierte Person geworden, der ihr Weglaufen vor sich selbst wichtiger geworden ist als die Freundschaft zu meiner Hauptfigur… obwohl ich das nie wollte und definitiv nicht geplant hatte.

Die Lösung für diese Blockade ist das Reden mit den Figuren. Man muss herausfinden, warum sie sich nicht in die gewünschte Richtung bewegen wollen. Woran liegt es, dass sie es nicht können? Fehlt ihnen die nötige Motivation? Welche könnte das sein? Was bewegt sie wirklich?

„Egal, was Sie machen, wenn Sie sich ein bißchen mit den Figuren beschäftigt haben, wird die Lösung offensichtlich sein und Sie sind wieder im Geschäft. Ihre Schreibblockade ist verschwunden.“

 

2. der Versuch zu schreiben und zu lektorieren zugleich

Viele Schriftsteller verwenden viel Zeit und Energie darauf, Rechtschreib- und Stilfehler gleich zu korrigieren, bis sie mit nichts mehr zufrieden sind und entwickeln so die Angst, nie wieder etwas Wunderschönes und Makelloses zu schreiben. Der Ursprung der zweiten Schreibblockade ist also Perfektionismus.
Man muss sich aber klar machen, dass es sich erst einmal um ein Manuskript handelt; also etwas, woran noch gearbeitet und gefeilt wird. Aber erst später. Wenn man deshalb allerdings gar nicht erst anfängt oder sich verzettelt und es nicht weiterführt, ist später auch nichts zum Verbessern da.

Mir persönlich ist das meines Wissens nach noch nicht passiert. Was ich schreibe, bleibt oft genau so stehen und wenn nicht, dann behindert mich das Schreiben und das Lektorieren zugleich nicht. Es würde für mich eher den Fluss stören, wenn ich es nicht täte.
Bei kürzeren Texten ist das vor allem ein Prozess, der gleichzeitig stattfinden muss. Wenn ich alleine bin, lese ich mir die Sätze auch immer wieder vor. Das bringt mich dazu, Fehler und Unstimmigkeiten sofort herauszuhören, Wörter umzuschreiben, woanders zu platzieren, lange verschachtelte Sätze einzuschätzen,… Das sind dann aber auch Flowmomente, in denen ich schon im Fluss bin. Wenn ich es mal nicht sein sollte oder an einem wirklich längeren Text sitze, bei dem es erst mal nur darum geht, dass da etwas stehen soll, mache ich das auch nicht so bzw. nur bei Abschnitten, bei denen ich mir unsicher bin, ob ich das Geschriebene später noch verstehe bzw. ob die Zeilen ausreichen, um das zu transportieren, was ich sagen will.
Was die Rechtschreibfehler angeht, so schreibe ich zum Glück automatisch weitestgehend fehlerfrei. Sollte ich mal einen Buchstaben vergessen oder mich vertippen, sehe ich ja das die rote Markierung der Rechschreibhilfe und die Korrektur erfolgt ohne Energieverlust automatisch. (Es sei denn, es wird mir als Fehler angezeigt, obwohl ich denke, dass es richtig geschrieben ist. Dann muss ich sofort googeln, weil ich wissen will, warum das so ist und wie man es richtig schreibt.)

Sollte man aber das Problem haben, so ist die Therapie für diese Schreibblockade laut Frey, mit ausgeschaltetem Bildschirm zu schreiben. Oder im Dunkeln von Hand.

„Sehen Sie sich einfach nichts von dem an, was Sie geschrieben haben, bis Sie die letzte Seite fertig haben. Ende. Wenn Sie nach dieser Methode vorgehen, wird Ihre Blockade Nummer Zwei verschwinden.“

 

3. Angst vor einem Misserfolg

Diese Schreibblockade taucht oft kurz vor Abschluss des Manuskripts auf, wenn der Autor Panik vor Ablehnung bekommt und an seiner Arbeit zweifelt. Etwa in der Mitte des letzten Kapitels kann er einfach nicht mehr weiter schreiben.

Frey empfiehlt hierbei laut zu schreien.

„Rufen Sie so laut Sie können, daß nichts Sie aufhalten wird, egal wie viele verdammte Ablehnungen Sie bekommen. Tun Sie so, als ob Ihre Schreibmaschine oder Ihr Computer schuld wären. Schreien Sie sie an. Die Dinge werden wieder in Bewegung geraten.“

Ob das funktioniert, weiß ich nicht… aber sollte ich wieder an diesen Punkt kommen, werde ich es versuchen und berichten. : D

 

4. Angst vor dem Erfolg

Ja, auch davor kann man Angst haben. Laut Observer habe ich das auch… zumindest hat er es schon öfters mal erwähnt, wobei ich immer abgewinkt habe, weil ich mich bisher ja ohnehin als erfolglos gesehen habe und mich gar nicht so darauf einlassen will auf den Gedanken, dass es anders sein könnte.

Aber wie kann es sein, dass jemand davor Angst hat?

„Einige Psychologen behaupten, daß vor einer Gruppe Menschen reden zu müssen die am weitesten verbreitete Furcht überhaupt ist. Die Leute fürchten das mehr als den Tod. Warum nur? Die Leute haben Angst, in einem Raum voller Menschen im Mittelpunkt zu stehen. Ein erfolgreicher Schriftsteller fällt auf. Ein erfolgreicher Schriftsteller steht oft in einem Raum voller Menschen im Mittelpunkt. Der noch nicht erfolgreiche Schriftsteller sieht dem mit Schrecken entgegen.“

Als Lösung empfiehlt Frey unter einem Pseudonym zu schreiben.

„Wenn Sie den Erfolg fürchten, blättern Sie zur Seite 1 zurück und setzen einen anderen Namen auf das Manuskript.“

Das tun auch sehr viele Schriftsteller, wenn auch aus den unterschiedlichsten Gründen. Mein Schreibcoach hat z.B. mehrere Pseudonyme, ein Bekannter von mir auch, je nach Genre, und unglaublich viele bekannte Autoren haben es ebenso gemacht, um sich und den potenziellen Erfolg oder Misserfolg „auszutesten“. (Fun Fact: Wolfgang Hohlbein, der ja unzählige Pseudonyme besitzt, hat sogar Barbie-Bücher geschrieben unter dem Pseudonym Angela Bonella.)

Wie sehe ich das? Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich nun Angst vor dem Erfolg habe… vermutlich ja, aber ich kann das gerade nicht so recht in Worte fassen… das ist aber auch ein viel zu großes Thema für diesen Beitrag.
Aktuell kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen, all dem mithilfe eines Pseudonyms entgegenzuwirken und mich von meinem Namen zu lösen, auch wenn ich ihn nicht sonderlich mag. Klar, wenn ich unter einem anderen Namen schreibe und dann scheitere, dann würde man mein Scheitern nicht mit mir in Verbindung bringen. Aber ich wüsste es trotzdem.
Ich würde mir auch selbst verraten vorkommen, wenn auf meinem Buch nicht einmal „Lui“ stehen würde. Diese „Feigheit“ passt auch irgendwie nicht zu mir. Ich habe an mich selbst den Anspruch authentisch zu sein und ich bin halt „alles und nichts“. Das macht mich aus und das soll auch jeder wissen!

Vielleicht sehe ich das ja irgendwann anders und das Wissen um ein Pseudonym erleichtert mir wirklich das Schreiben? Wer weiß… Aber bevor es soweit ist, muss ich es erst mal tun… ein Buch schreiben…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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