Warum schreibe ich eigentlich so wenig?

Diese Frage stelle ich mir wirklich jeden Tag. Obwohl ich ja eigentlich schreibe. Nur eben irgendwie nicht mehr hier… Aber ich schreibe! Überlege… fange an… verwerfe… denke mir was Neues aus… fange neu an… mache weiter… nur finde ich eher kein Ende bzw. stellt sich bei mir nicht mehr so schnell die Gewissheit ein, dass der Text gut ist wie er ist.

Ich habe ja schon seit längerem das Gefühl, dass es mir früher erheblich einfacher fiel, meine Gedanken und Erlebnisse hier schriftlich festzuhalten.
Wenn ich geschrieben habe, dann hatte das auch meist einen Hintergrund und es gab etwas zu bewältigen. Das ist heute nach wie vor so und ich beginne auch immer wieder etwas, aber ich fühle mich unfreier damit und irgendwann verläuft sich der Text bzw. ich verlaufe mich darin mit meiner Unsicherheit und frage mich immer mehr, was ich eigentlich damit sagen will, weil das doch ein zentraler Punkt für mich geworden ist. Leider steht er irgendwie im Konflikt mit meiner „Bewältigungsstrategie“. Ich schreibe im Gegensatz zu früher auch viel seltener einfach so drauf los und veröffentliche es gleich, weil es mir stimmig erscheint und der Flow und die Muse mir den Mut dazu geben. Oft feile ich mehrere Tage daran, bis es passt, manchmal passt es auch gar nicht mehr und so bleibt es eben nur ein Entwurf.
Ein anderer Grund zu schreiben war immer, dass ich etwas Besonderes erlebt habe, das mir wichtig war und das ich festhalten wollte. Ich frage mich, ob das auch weniger geworden ist. Oder hatte ich früher einfach nur mehr Zeit, Dinge zu erleben? Habe ich sie anders, bewusster erlebt? Dass ich nicht mehr so vieles als „besonders“ kennzeichne muss ja nicht automatisch bedeuten, dass es nichts Besonderes mehr in meinem Leben gibt. Vielleicht bin ich aber auch einfach… älter geworden…? Werden da die Hemmungen etwas als „besonders“ zu kennzeichnen einfach größer, weil auch ein Teil der kindlich naiven Euphorie verloren geht?

Was ich neben den dutzenden Entwürfen seit einiger Zeit wieder schreibe ist Tagebuch; also in ein richtiges Buch auf Papier mit Stift. Da fühle ich mich auch erst mal freier. Und es ist dann fix, da ich es nicht so leicht abändern kann wie in einem digitalen Dokument. Aber viel mehr kommt da auch nicht zustande… vermutlich ist mein Kopf einfach zu voll? Aber sollte es nicht gerade dann Erleichterung verschaffen, einfach alles mal loszuwerden? Aufzuschreiben und neu zu gliedern? Was genau blockiert mich denn eigentlich so?

Wie dem auch sei… eine wirkliche Antwort habe ich noch nicht gefunden… also schreibe ich erst mal weiter… und weiter… und weiter… auch wenn es erst mal nur für mich ist und hier bei weitem nicht mehr so viel davon steht wie früher. Ich glaube aber daran, dass das schon wird und ich wieder meine Muse oder zumindest meinen Mut und das „Besondere“ wiederfinde!

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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