Das Wort zum Dienstag: Was ist eigentlich gute Literatur?

Soll sie uns zum Nachdenken anregen oder eher unterhalten? Soll der Autor alles an Erfahrung und Allgemeinwissen reinpacken, was er weiß oder soll er eher realsatirisch bleiben einfach und humorvoll aufzeigen, wie das Leben so spielen kann? Soll es ein Happy End geben? Natürlich, das soll es immer! Wer will schon Dramen lesen? Wer liest gerne, wie es in den Abgründen einer menschlichen Seele aussieht? Da liest man lieber etwas Greifbares. Wozu sich dann noch einen Knoten in das Gehirn flechten lassen? Wozu in den Kopf eines „kranken“ Menschen blicken? Wozu überhaupt über die Legalisierung der Schwäche nachdenken? Es gibt doch Schlimmeres. Wir sollen uns gefälligst nicht so anstellen, träumen, fröhlich sein, uns einer lustigen Liebesgeschichte erfreuen, von der wir träumen können, dass es sie auch in unserem Leben wiederfahren könnte. Das alles ist ja auch greifbarer…

Was ist also gute Literatur? Ist es das, was „wir“ lesen wollen? Was uns vor Augen zeigt, was wir sehen wollen? Oder ist es etwas, das uns lehrt, beibringt, die Dinge vielleicht auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen? Was war früher gute Literatur? War es Schiller? Shakespeare? Und was ist es heute? J. K. Rowling? Stephenie Meyer??

Ich stehe vor einem wohl oder übel unlösbaren Rätsel, wenn ich mir als Autor wirklich die Frage stelle, was ich denn nun schreiben soll. Mein nach Revolution gierender Verstand sagt mir, was richtig ist. Doch die Welt sieht anders aus. Die Welt will lachen. Ich will Drama.
Also, was soll ich schreiben? Wenn ich schreibe, was ich denke, laufe ich Gefahr, die Leute zu überfordern, zu langweilen. Und wenn ich schreibe, was die Welt wollen könnte, fühlt sich jedes Wort wie Verrat an mir selbst an. Dann bin ich wie Til Schweiger. Es kommt gut an. Es zeigt die alltäglichen kleinen Beziehungsprobleme untermalt mit spannenden Wendungen im Leben, die von One-Republic-Songs untermalt werden. Aber ist es lehrreich? Es ist ein Film! Aber ein Film geht einem Drehbuch voraus…hat das einen Zusammenhang?
Warum sind die Bücher nicht mehr wie früher geschrieben, warum verändert sich Literatur? Verändert sie sich am Zeitgeist? Hat das Fernsehen, haben Filme, die Literatur verändert? Wird sich der langsam fortschreitende Verfall des Niveaus im Fernsehen auch auf die Literatur auswirken? Oder ist dieser Prozess schon im Gange? Waren denn die Menschen früher durch ihre Sprache, den Weltschmerz, und das schwere Leben „intelligenter“ als heute? Wo liegt der Maßstab? Bin ich einfach nur durchgeknallt, wenn ich das in Einklang bringe?

Mir hat man mal geschrieben, ich soll mich nicht mit Goethe vergleichen. Und ganz ehrlich? Ich gebe der Person recht. Denn Goethe, Schiller, Shakespeare,…egal wie viel (sprachliche) Intelligenz und Versmaß in ihren Werken steckt, sie werden heute seltener gelesen. Und wenn, dann in den Klassen eines Gymnasiums.

Hmmm…was also schreiben? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht…
Wie bin ich eigentlich auf das Thema gekommen? Ach ja, es ist zwei Uhr morgens und ich habe mir angesehen, was ich so für Material im Literaturordner rumfahren habe. Nichts Gescheites. Also was tun? Erst mal eine Rauchen, mit dem Block auf dem Balkon sitzen und Brainstorming. Obendrüber habe ich „Drama“ geschrieben. Dann folgten Dinge, die ich mit dem Buch erreichen möchte. Ich möchte was über die menschliche Psyche schreiben. Depressionen reinbringen. Mobbing. Lebensgeschichte. Und wie ich mir das alles so schön aufschreibe taucht eine zentrale Frage auf: Wie entsteht eigentlich Spannung in so einem Buch? Wie könnte ich die Leser mit diesen Geschichten nicht nur zum Schaudern bringen, sondern packen, zum Nachdenken bringen? Und wie packt man ansonsten eigentlich Leser!? Und da kam sie: Die nächste Frage ohne Antwort, rein rhetorisch und wie ein Schlag ins Gesicht: Was ist eigentlich gute Literatur? Nun, nach dieser Frage kam ich nicht umhin, mir auch noch darüber den Kopf zu zermartern. Und am Ende war das Blatt kreuz und quer vollgekritzelt, die Zigarette zu Ende geraucht und immer noch kein Buch geschrieben…aber immerhin einen neuer Blogeintrag, mit dem ich ganz zufrieden bin. Fürs Erste. Das Thema ist nämlich noch lange nicht durchdacht. ; )

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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2 Kommentare        

Mit einer mir lieben Person habe ich mich oft darüber auseinandergesetzt, was „gute“ Literatur ist. Mit der von ihr hochgelobten „Weltliteratur“ konnte ich nämlich nie etwas anfangen. Zu sehr habe ich stattdessen in der Schule unter ihr gelitten. Goethe, Borchert und Co haben mich einfach nur abgeschreckt.
Warum? Weil sie mir fremd schienen, sprachlich wie inhaltlich. Hier bringe ich das von Dir angeführte Wort „Zeitgeist“ wieder ins Spiel. Ich bin ein Kind meiner Zeit und kann mit Goethes Zeit nichts anfangen (sprachlich und inhaltlich). Moderne Literatur ist mir aber auch oft fremd. Ich bin eben ein Kind genau meiner Zeit.

Wenn Du nach „guter Literatur“ fragst, ist wesentlich, was Du damit meinst. Willst Du „gut“ als „erfolgreich“ definieren, also viel gelesen werden, dann musst Du wohl den Zeitgeist der heute Lesenden treffen, also irgendwie den der vergangenen 40 Jahre. Damit bist Du dann schon mal festgelegt, geknebelt. Mainstream heißt das Stichwort.

Für mich ist Literatur gut, wenn sie authentisch ist und sich eben nicht knebeln lässt. Somit würde ich als Goethe-Hasser heute sagen, dass er womöglich „gute“ Literatur geschaffen hat (ich kenne nicht viel von ihm). Dass sie mir nicht gefällt, tut dabei nichts zur Sache. Auch einen Borchert schätze ich als sehr authentisch ein und habe großen Respekt vor seinem Werk, auch wenn mich seine Texte abstoßen.

Mein Lieblings-Autor heißt Nicolas Michel. „Emilies letzte Reise“ ist mein all time Lieblingsbuch. Damit hat er mich berührt, meine Art zu Denken getroffen, meine Art Poesie, meinen Sinn für Traurig-Schönes. Anderen gefällt es nicht so gut. Typisch. Da habe ich wohl nicht denselben Zeitgeist, den andere meiner Zeitgenossen haben :-)

Ich sehe das wiederum ganz anders…ich bin nicht so gerne Kind meiner Zeit….und bewundere daher große Werke aus der Vergangenheit. Sprachlich an die herankommen werde und will ich allerdngs niemals, da das enfach ein komplett anderes Deutsch war…und heute ist es ja wieder anders. Wörter werden immer abgehackter. Zum Glück hat die Literatur noch nicht davon Besitz ergriffen. Wie denn auch? Unlesende Kinder wird man wohl kaum damit locken, dass man ihre Sprache verwendet…

Das Buch, welches du erwähnt hast, kenne ich gar nicht, daher kann ich mir (noch) kein Bild davon machen. ; )

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