Stand des Abiturs

Ich habe mal nachgesehen, was ich auf Facebook die letzten Monate so an vielsagenden Statusmeldungen zusammengetextet habe. Der häufigste Satz war: Es wird sich was ändern!

Nun…hat sich etwas geändert?

Ich denke schon. Es ändert sich immer etwas. Und in diesem Fall hat sich alles definitiv zum Besseren geändert. Meine Zukunftsstrategie hat sich verfestigt, jetzt gilt es nur noch, sie umzusetzen. Und ob man es glaubt oder nicht, wird aus dem Ooooh-Dokument gerade ein Buch, welches das Drama Abi widerspiegeln wird. Es soll bis Ende der Sommerferien fertig werden und wird gedruckt. Koste es, was es wolle. Denn erschreckenderweise geht es nicht nur mir so mit dem Abi…es gehen so viele daran kaputt, was man gar nicht sieht oder gar glauben kann. Damit möchte ich jetzt nicht das Abi schlecht reden und als etwas Teuflisches bezeichnen. Damit deute ich nur wieder mal auf das alte Thema Schulsystem hin. Wie kann es sein, dass auf einer Seite ein Schulsystem zusammenbricht und angeblich keine Bildung mehr vermittelt und auf der anderen Seite Schüler psychisch an Überforderung und mangelnder Förderung kaputt gehen? Muss sich das System an uns Schüler anpassen oder gehen wir am Versuch kaputt, uns an das System anzupassen? Gibt es da überhaupt eine „goldene Mitte“?

Im Prinzip ist das Buchprojekt eine richtig geniale Idee. Was ich aber noch brauche, sind die ungefähren Zahlen derer, die abbrechen wollen/abbrechen/etc. und viele Interviews. Fakten eben. Schockierendes, um mein eigenes Gefühlswirrwarr zu untermalen. Und das Beste ist, dass ich kein schlechtes Gewissen habe, das Buch neben dem Abi zu schreiben. Ich sehe es eher als Begleiter und Sache, in die ich all meinen Frust stecken kann, wo ich meine Ängste und vor allem meine Selbstzweifel verarbeiten kann. Das mag sich anhören wie ein Buch voll mit negativem Gejammer, aber dafür habe ich ja den anderen Protagonisten, das „Arschloch“. Der gleicht das aus. Es lebe die Literaturwissenschaft, die mich auf die Idee gebracht hat!

 

Buch und Abi sind jedenfalls momentan die einzigen Dinge, bei denen ich geistig zu 100 % anwesend bin. Ansonsten habe ich meinen Kopf irgendwie verloren. Ich lasse überall was liegen und antworte sehr spät auf Mails. Ich bin seit dem 1.1. Nichtraucherin und ich gehe nur noch selten raus, was für mich früher der schlimmste Gedanke überhaupt war. Aber die Zeiten ändern sich…ich bin ein Stubenhocker geworden, der nur liest, lernt und schreibt. So ist mein Dasein aufgebaut. Und soll ich ehrlich sein? Das soll auch so bleiben. Karneval, Fasnacht oder wie man das auch nennen mag, wird dieses Jahr auch kein Thema für mich sein. Ich habe mir überlegt, zumindest an einem Tag rauszugehen, aber da ich kein anständiges Ordensschwerster-Kostüm gefunden habe, werde ich die Zeit zu Hause verbringen im hoffentlich ruhigen K. Ich weiß, ich nehme mir jedes Jahr vor, nicht rauszugehen,…aber noch mal Ketchup (damals 39; musste wegen mir einen Sekt trinken, um sich zu beruhigen und um sich von meiner Weltanschauung zu erholen; wird mich wie jedes Jahr im Nest suchen…) zu sehen, ertrage ich einfach nicht…und außerdem ist es Zeitverschwendung und am Ende steht meine Welt wieder Kopf wie jedes Jahr um diese Zeit. Also wozu rausgehen?

 

Obwohl sich vieles nun fortschrittlich anhört, bin ich immer noch nicht wirklich ausgeglichen. Nun ja, ich bin ein wenig…einsam? Ich will ja keinen Kerl an meiner Seite, ab und zu Besuch würde mir schon reichen…

Die Panik überfällt mich jedenfalls nur noch selten. Stellenweise bei schlechten Noten. Das trifft mich immer besonders hart, was ich aber gut zu verbergen versuche. Ich denke dann einfach nur, dass ich wohl immer noch zu viel Freizeit habe, ansonsten würde das anders aussehen.

 

Meine Lernstrategie ist immer noch ziemlich chaotisch und an manchen Stellen absolut nicht wirksam.

In Englisch stehe ich auf der Sechs, aber das wird vielleicht noch besser. 0 Punkte kann sie mir schon mal nicht geben, einer sollte es mindestens sein. Meine mehr oder weniger sarkastischen Kommentare im Unterricht müssten dazu reichen. Wenn nicht, dann lege ich nächstes Mal noch was drauf. Außerdem habe ich am Samstag die erste Arbeit nachgeschrieben, bei der ich nicht in der Schule war. Und da die doppelt zählt, sollte das bisschen reichen. Ich habe sogar in Sport mehr als einen Punkt!

Meine Wackelkanidaten sind:

Datenverarbeitung (3 Punkte): Mein Fehler…ich habe zu spät angefangen zu lernen und war zu selten im Unterricht…das wird aber besser werden, wenn es ans Praktische geht.

Mathe (4 Punkte): Da bekomme ich aber noch eine Arbeit zurück…die Arbeit, auf die ich sehr viel gelernt habe (5-7 Stunden täglich), allerdings dennoch zu kurzfristig. Ich habe in diesen Tagen nur von Formeln geträumt und sogar zu Gott gebetet…und ich bin atheistisch angehauchte Agnostikerin…also will das was heißen! (das alles wird mir wohl wieder zeigen, dass es keinen Gott gibt…aber abwarten) Ich müsste mindestens 6 Punkte in der Arbeit haben, um dem Unterkurs zu entfliehen.

Physik (2 Punkte): Die erste Arbeit lief nicht gut, die zweite wird wohl etwas besser, aber es wird wohl trotzdem ein Unterkurs sein…es sei denn, ich habe 8 Punkte und das wäre zu gut. So realistisch muss ich sein, dass das nichts wird.

Spanisch (irgendetwas unter 5): Darin bin ich echt mies…aber ich muss auch ehrlich sagen, dass ich da auch gar nichts verstehe und die Motivation, mich damit zu befassen, sehr gering ist. Die Lehrerin hat sich aber gefreut, als ich ein wenig Initiative gezeigt und Lernmaterial eingefordert habe. Sie meint, es sei mehr Potential in mir drin. Es gilt also, alle Lektionen noch mal zu wiederholen…

 

Ich kann mit Stolz sagen, dass meine beste Arbeit in diesem Halbjahr Psychologie war…13 Punkte! Dafür habe ich aber auch überall gelernt, jede Minute genutzt. Das beweist im Grunde, dass Lernen bei mir nur funktioniert, wenn mein Privatleben gestrichen wird. Ein bisschen schreiben und lesen muss aber drin sein, sonst werde ich irre…

 

„4 Stunden Zugfahren – 4 Stunden Psychologie lernen. Zeit muss sinnvoll genutzt werden. Das leben ist sowieso nicht mehr, was es mal war…“

Das stimmt. Mein Leben, wie ich es noch vor ein paar Monaten gefürt habe, ist weg. Kein Minirock, keine Schminke, Vokabeln statt iPod im Bus und Ordnung überall bis auf meine Küche. Aber die wird ja auch benutzt, würde meine Mum jetzt sagen. Mein Leben ist also nicht mehr das, was es mal war. Ich funktioniere nur noch, esse, schlafe, lerne, trinke,…und der Rest ist erst mal in einem Karton verstaut. Es geht nur noch um den Kopf. Ich habe keine Kraft, auch noch äußerlich etwas darzustellen. Wozu auch? Ich hab’s vor einer Weile noch gemacht, aber nur für M., jetzt mache ich es gar nicht mehr…und ich verstehe nun Tati, die das schon eine Weile so macht…sich einfach nicht mehr schminken. Spart Zeit und Geld.

 

Ach ja, noch was: Ich hatte vor, meinen Job an den Nagel zu hängen, weil ich das neben dem Abi nicht mehr schaffe. Jetzt hat man mich doch tatsächlich aufs Abstellgleis geschoben und mein Projekt, das sozialpädagogische System dieser Schule ausführlich aufzuschreiben, ebenfalls…aber ich bin noch als Medien-was-auch-immer angestellt. Und die Weltherrschaftspläne des Herrn P. sind wieder komplett über den Haufen geworfen, aber laufen weiter. Nächstes Wochenende machen wir uns darüber Gedanken und stellen in Ruhe mal etwas Handfestes zusammen. Die Zeit nehme ich mir sogar gerne, weil ich von Herrn P. vieles lernen kann. Das ist wie Nachhilfe in Psychologie. Und interessante Anregungen gibt es auch immer wieder.

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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