Piña Colada

Ich war gestern tatsächlich noch weg. Das bedeutet, ich habe mich noch mal neu geschminkt und gerichtet. Und das, obwohl ich wirklich aussah wie tot. Ich war schon recht genervt vom Tag und wollte nichts mehr machen. Dann hat Mary angerufen und gemeint, dass heute mal nicht gestorben wird und wir uns mit zwei Typen treffen würden. Ich dachte am Telefon schon, dass mir das gerade so gefehlt hat, habe aber zugestimmt. Ich zog ohne Erwartungen in die Schlacht. Ich fragte auch nicht mehr, was die so machten und deren Abschluss war…war mir auch alles egal. Ich hatte keine Kraft mehr, um mich groß aufzuregen.

Eine Stunde früher riefen sie an und meinten, sie seien in zehn Minuten da. Wir waren zwar fertig, aber noch nicht so ganz mental darauf vorbereitet. Trotzdem fuhren wir dann so schnell wie möglich los. Bzw. sie fuhr los. Ich fahre ja kein Auto.

Wir trafen die Kerle am Parkplatz vom Burger King. Nett sahen sie ja aus. Der eine („meiner“) erinnerte mich sogar an den Sohn von einem aus dem Nest. Die Ähnlichkeit war erschreckend…

Mary und ich holten uns also, da wir schon mal da waren, was zu essen, Dann standen wir rum. Die Kerle rauchten. Ich rauchte auch noch mal eine und irgendwann fuhren wir in die Stadt, denn wir wollten ja raus gehen.

In V. gingen wir so durch die Straßen. Ich zählte jede Bar auf, die mir in den Sinn kam, aber Mary fand alles doof. Zum Schluss gingen wir dann in meine Lieblings-Piña-Colada-Bar. Kein Mann auf der Welt mixt diesen Cocktail besser, als der Grieche, dem diese Bar gehört.

Danach standen wir wieder auf der Straße, gingen an den anderen Kneipen vorbei. Mary meinte immer noch, alles sei doof. Letztendlich standen wir wieder am Auto. Rauchten. Mary aber nicht. Sie ist kein Fan davon. Nach langem, doofem rumstehen fuhren wir schon wieder zum Burger-King-Parkplatz. Zu viert saßen wir dann in dem Auto der Jungs. Vor uns der Blick auf ein blaues, leuchtendes Casino zur rechten und eine rote leuchtende Tanke zur linken. Wir schwiegen, redeten ab und zu und hörten Atzen-Musik.

Marys Kerl schrieb ihr die ganze Zeit was ins iPhone und zeigte es ihr, woraufhin sie dann grinste und was sagte. Dann verließen die beiden das Auto und der andere Typ und ich waren alleine. Wir redeten. Gingen raus. Rauchten. Redeten. Ich kann mich nicht erinnern, jemals SO lange mit einem Kerl in meinem Alter geredet zu haben. Vor allem bestand Interesse, nicht so wie beim Rest, wo ich quasi Monologe führe und keiner darauf eingeht und man mich letztendlich nicht leiden kann.

Er erzählte mir von seiner Kindheit, seiner Jugend, seinen Zukunftsplänen. Er hatte zwar nur einen Hauptschulabschluss, aber war ziemlich fit im Kopf. Bei Marys Kerl habe ich das auch gemerkt.

Und schon wieder habe ich eine neue Lebensgeschichte gehört. Im Nachhinein fällt mir jedes Mal auf, dass die Person gegenüber mir gerade ihr Leben erzählt hat und ich fast nichts über mich gesagt habe. Meine Lebensgeschichte steht ja auch hier geschrieben. Zu erzählen gibt es da nicht viel. Das sind eben nur Peanuts…die kann ich nicht so schön erzählen, wie sie hier geschrieben stehen.

Der Abend war jedenfalls gar nicht so schlecht. Als dann Mary mit ihrem Kerl kam und der dann nichts gesagt hat, sogar beide still waren, rauchten, sich dann verabschiedeten und wegfuhren, war mir irgendwie komisch. So als ob das ein cut wäre und tschüss, man sieht sich nie wieder. Ich fragte mich dann doch, was Mary und der Kerl so gemacht hatten, während ich mit dem anderen im Auto saß.

Hinterher fragte ich sie also ganz neutral, ob ihr Auto entjungfert wurde. Sie lachte und meinte, das war es schon längst. Ich schüttelte den Kopf und fragte mich, ob die Kerle jemals wieder nach V. kommen würden. Ich meine, Mary kannte den Kerl schon ein Jahr übers Internet. Aber das war das erste Treffen…und ich frage mich gerade, ob das echt sein muss, dass beim ersten Treffen gleich alles ausgespielt wird, was geht. Ich kann das so schlecht beurteilen, da ich Straight Edge bin, was Sex angeht. Von mir aus kann die ganze Welt rumhuren und machen, was sie will. Mich lässt das so langsam kalt, da mein Denken gar nicht auf so einen Mist ausgerichtet ist. Ich werde dementsprechend auch nie fremd gehen. Das wäre aber auch der einzige Vorteil an mir als Partnerin.

Herrje, ich bleibe wohl doch lieber alleine…auch wenn es mal ganz schön wäre neben jemandem zu liegen, den man mag und der einen auch mag, die Zeitung oder ein Buch zu lesen, nicht zu reden, einfach nur zu wissen, dass jemand da ist…

…aber cut! Diese Situation wird es nie für mich geben. Und damit muss ich mich so langsam abfinden. Wenn ich nicht fremd gehe, macht er es. Wenn ich den Kerl nicht liebe, kann ich nicht neben ihm liegen, da ich sowas ansonsten nicht aushalte. Und wenn der Kerl mich nicht liebt, wird es gar nicht erst so weit kommen. In meinem Kopf existiert nun einmal keine gegenseitige „Liebe“. Es bleibt eh nichts für immer. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so.


Arrgggh. Ich darf diese Gedanken gar nicht denken. Ich bleibe solo. Und cut. Endgültig. ich werde alleine auf meinem Sofa liegen, mich bei Panikattaken selbst im Arm halten und mich beruhigen und als Jungfrau sterben… Punkt. Ich weiß zwar, dass irgendwann wieder ein Kerl meinen Weg kreuzen wird, aber die Erfahrung sagt mir genau so gut, dass nach spätestens zwei Wochen die Beziehung aus ist. Es scheitert immer an den selben Themen. Ich bin die X. Freundin, es geht nur um Sex, es ist keine gegenseitige Liebe vorhanden.

Nennt mich naiv und dumm oder kindisch.

Das ist mir egal.

Das ist meine Sichtweise. Und mir ist egal, was der Rest der Welt darüber denkt. Denn das einzige, was ich habe ist mein Verstand und mein Herz. Und letzteres wird von ersterem geschützt.

Liebe…ist verdammt kompliziert.

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

«      |      »

Schreibe einen Kommentar