Verfluch mich noch mal…

Ich stand gestern früh ganz unauffällig am Bahnhof und habe eine Zigarette geraucht, da ist neben mir doch tatsächlich ein Kerl mit Regenschirm aufgetaucht. Ich habe mich zu ihm gedreht und den Kumpel von Dieter erkannt: S./bzw den Langen.
Er begrüßte mich wie immer mit den Worten „Hallo Schatzele!“ Wir umarmten uns. Für einen Moment war ich gerührt. Er ist so ziemlich der erste, den ich aus dem Nest getroffen habe seit meiner „Abstinenz“ wie ich es nenne. Na gut, bis auf R, aber der hat ja lebenslanges Hausverbot.

S. meinte jedenfalls dramatisch, er habe sich auch verändert und er würde gerne mal was mit mir machen. Ich könne mich ja mal melden.

Ich denke, das werde ich auch machen, sobald ich alles wichtige geregelt habe.

Morgen habe ich jedenfalls einen Termin beim Rektor. Das hört sich zuerst dramatisch an, aber ich will ja „nur“ mein Projekt vorstellen. Es kribbelt schon in den Fingern…ich muss morgen einfach argumentieren und mich richtig reinhängen!

Aber ich muss ehrlich zugeben, dass diskutieren mit Fremden mir nicht so leicht fällt wie Jo. Aber der ist ja auch immer dicht und mit was intus geht das besser.

Ich hoffe jedenfalls, dass ich das morgen hinbekomme und nicht so versage wie heute im Büro der Anonymen Alkoholiker. Bei so unfreundlichen Mitarbeitern ist es sogar mir verständlich, dass man da lieber was trinkt, als denen nüchtern zu begegnen. Ich konnte nur sagen: „Guten Tag, ich wollte fragen, ob es möglich wäre bei Ihnen ein Praktikum…“ und schon war ich wieder draußen. Verdammt, warum sehe ich nur so jung aus? Hätte diese Person nicht gesehen, dass ich Schülerin bin, so käme ich wenigstens dazu noch etwas zu erwidern. Ich sei nämlich Schülerin und das gehe gar nicht und außerdem wäre es zu kurzfristig (Yeah, zwei Monate sind zu wenig Zeit um sich auf eine Praktikantin vorzubereiten…und überhaupt: Was heißt hier vorbeireiten?) und außerdem dürfe sie sowieso keine Praktikanten wegen der Schweigepflicht nehmen.

Meine Mum meinte, als ich das so nebenbei erwähnt hatte, dass die Berater sowieso alle Alkoholiker und somit Idioten seien. Zum Glück habe ich nicht ihr Weltbild geerbt…

Jedenfalls muss ich mir für mein Praktikum jetzt etwas Neues einfallen lassen. Alkohol wäre mit meinem „Wissen“ natürlich perfekt. Und ich würde wirklich gerne lernen wie man mit diesen Menschen umgeht. Aber das ist gar nicht so einfach mit der Schweigepflicht. Da gebe ich der Frau wirklich recht. Aber ich würde ja nicht jedem sagen „Hey, der-und-der geht doch tatsächlich zu A.A.-Treffen!“ Das mit den Daten ist genau so wie beim Psychologen, aber da gehe ich lieber nicht noch mal hin. Da würde ich auch kein Praktikum machen wollen.

Eine andere Möglichkeit wäre jedoch an meiner alten Schule. Da gibt’s Sozialpädagogen. Aber leider komme ich mit Kindern gar nicht zurecht…aber immerhin würde sich das damit ausgleichen, dass die Schule immer wie ein Zuhause für mich war. Und ich würde meine kleinen Schülerzeitungs-Kids wieder sehen.

Vielleicht kommt mir ja noch die bessere Erleuchtung…

So langsam sollte ich allerdings mal eine To-Do-Liste erstellen. Denn Weihnachten, Klausuren, Hobbys, Lerntagebuch & anderes psychisch-pädagogisches unter einen Hut zu bringen ist gar nicht so einfach. Na immerhin habe ich noch genug Schlaf und ein volles Konto, weil ich nicht rausgehe und etwas erleben will…ich habe mit Verlaub auch genug zu tun. Das bedeutet nicht, dass ich die Leute nicht vermisse. Ich denke an den Scotch…bald wird es wieder soweit sein und ich werde wieder durch die Gassen streichen. Falls ich morgen nicht auf gesamter Linie versage…

 

[Titel: Zitat aus dem Film „Adams Äpfel“]

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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1 Kommentar        

oh, schade, dass es nicht geklappt hat mit den A.A. :-(
und stimmt, du hast ja heute den termin beim rektor :-D
fährst du dann nicht mit dem bus?

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