Logbuch #55

Im Moment des Erlebens ist nichts schlimmer als das Gefühl der Hilflosigkeit. Nicht wissen wohin mit den Emotionen. Wie bei einem Kleinkind vermischen sich Wut und Trauer aufs Äußerste und machen es dem Verstand unmöglich, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Begleitet wird das Ganze noch von der Enttäuschung von Menschen, deren Job es wirklich ist, anderen Schaden zuzufügen, indem sie ihnen am Telefon geschickt irgendwas andrehen.

Krass… wie schnell man auf sowas reinfallen kann, unwissentlich sein Widerrufsrecht verliert und sich dann wie der größte Idiot der Welt vorkommt. Bis hin zu dem Punkt, an dem einen der Emotionscocktail so im Griff hat, dass man der Servicemitarbeiterin am Telefon ins Ohr heult, der Person, die den Widerruf abgelehnt hat, nicht mehr so nett anwortet und einen Anwalt kontaktiert, von dem vermutlich eh keine Antwort kommt. Bis man sich eben wieder beruhigt.
Bis zur nächsten Mail, dem nächsten Brief, der nächsten Panikattacke. Bis zu dem Gedanken, dass der einzige Weg da raus zu kommen der Tod ist, weil dann ja der Vertrag erlischt. Tja, dann erlischt aber auch alles andere.

Okay, stop! Es gibt definitiv Schlimmeres auf der Welt!
Aber gewiss auch Besseres…

Wäre ich stark genug oder hätte mehr Hoffnung, so würde ich mich ja am liebsten wehren. Nicht mit Händen und Füßen und Emotionen, sondern mit meinem Recht. Aber da ich das nicht kenne, wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich den ganzen Mist einfach so hinnehme, fristgerecht zwei Jahre im Voraus kündige und eben ein paar hundert Euro Verlust mache. In zwei Jahren! Der Betrag ist jedoch nichts im Vergleich zu der Erkenntnis, wie eiskalt jemand lügen kann. Mein Glaube an das Gute in manche Menschen hat gerade jedenfalls einen leichten Knacks bekommen… und den muss ich jetzt erst mal verkraften.

Aber wie heißt es so schön… wenn man sonst keine Probleme hat, macht man sich zusätzlich selber welche.

Und ja, ich glaube trotzdem noch an Karma… und bleibe weiterhin lieber ehrlich und direkt und manchmal vielleicht ein bisschen naiv. Nur wird das in Zukunft zu Menschen, die für ein bestimmtes Unternehmen bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen, nicht mehr auf eine nette Art und Weise sein.

Ich weiß, Sie persönlich können da vermutlich nichts dafür und machen nur Ihren Job, aber sollte mich einer Ihrer Kollegen jemals wieder anrufen, werde ich nicht mehr so freundlich sein, mit „Lecken Sie mich am Arsch“ antworten und auflegen.

Oder ich mache es wie Maze, sage „Warten Sie mal kurz“, lege den Hörer hin und verlasse das Zimmer…

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

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2 Kommentare        

Das Traurige an solchen und ähnlichen Geschehnissen ist leider, dass diejenigen, deren Vertrauen (was ich nicht automatisch mit Naivität gleichsetzte) geschädigt ist, meist von dieser Art Erfahrung geprägt werden. Mit jedem Mal, wo so etwas passiert, geht ein Teil der Fähigkeit, vertrauen zu können (und ja eigentlich auch zu wollen) verloren, nicht selten für immer. Was für die schädigende Seite nur ein kurzer Moment von vielen ist, bedeutet für die geschädigte Seite meist lebenslang. Leider schürt das i.d.R. Ängste, die es dann kaum noch erlauben, so vertrauensvoll anderen gegenüber sein zu können, wie man das eigentlich auch sein möchte. So trifft es dann nicht nur einen selbst, sondern auch alle weiteren Personen, die einem danach im Leben begegnen, denn auch wenn diese Menschen vertrauenswürdige und respektvolle Menschen sind, der Zweifel wurde bereits gesät und dadurch entsteht eine Barriere der Vorsicht, an der man kaum noch vorbei kommt. Das ist das, was sich diejenigen, die das verursachen, gar nicht klar machen oder schlimmer noch, was sie ignorieren oder einfach in Kauf nehmen.

Viele Menschen werden dafür speziell geschult, sie lernen, die Gutgläubigkeit (und auch Naivität) von Menschen gnadenlos auszunutzen und dabei maximal egoistisch und erfolgsorientiert zu denken, zu reden und zu handeln. Wenn man nur mal schaut, wie Management und Marketing mit Psychologie Hand in Hand gehen (Stichwort Wirtschaftspsychologie), dann braucht es nur noch den passenden Charakter und man sollte sich warm anziehen. Zusätzlicher Erfolgsdruck von oben auf die Mitarbeiter kommt dann vielleicht auch noch dazu.

Dennoch, diese Leute können sich nicht einfach rausreden, sie würden nur ihren Job machen, nur die Regeln befolgen usw. Diese Menschen tragen Verantwortung für ihr Handeln, vor allem auch für die Konsequenzen, die das für alle Beteiligten mit sich bringt. Doch dieser Teil wird anscheinend bei den Schulungen arg „vernachlässigt“. Das i-Tüpfelchen ist dann die charakterliche Eignungsprüfung für verantwortungsvolle Aufgabenbereiche. Es gibt sie schlichtweg nicht, denn ansonsten müßte sich ja vielleicht irgendwer dafür rechtfertigen, warum so oft skrupellose egoistische und empathielose Zeitgenossen in entsprechenden Positionen zu finden sind.

Was bleibt, ist der Gedanke, dass hoffentlich nicht alle so sind und dass man vielleicht einfach „nur“ das Pech hatte, an die falsche Person geraten zu sein. Die Frage ist nur, wie man bei der nächsten Situation dann agieren wird, denn vielleicht ist das dann ja ein Mensch, der Vertrauen verdient, der einem absolut nichts Böses will und der gar nichts dafür kann, dass man sich an jemand anderem verbrannt hat. Man kann überall gut beobachten, wie argwöhnisch und distanziert Menschen werden können, wenn sie nur oft genug „auf die Nase“ gefallen sind, das ist auch verständlich. Aber darin zeigt sich eben auch das zerstörerische Werk derer, die das zu verantworten haben, dafür aber keine Verantwortung übernehmen.

Fakt ist, es braucht immer mindestens 2 Personen, um diese leidigen Täter/Opfer Situationen herbeizuführen. Und wenn das „Opfer“ das mit sich machen lässt, ist es doch auch selber schuld, so einfach ist das. Traurig ist das …

Karma vergißt nicht! Entscheidend ist also vor allem das, was ICH tue, wie ICH handle, daher bekommt jeder Mensch von mir die Chance, zu beweisen, dass mein Vertrauen und meine Gutgläubigkeit gerechtfertigt sind. Ich möchte niemanden für etwas „bestrafen“, was andere verbockt haben. Sich diese Gutgläubigkeit zu bewahren, auch nach wiederholten Enttäuschungen, ist eine echte Herausforderung. Aber ich bin lieber ab und zu ein „naiver Trottel“ als ein griesgrämiger Brummbär, ich lasse einfach nicht zu, dass mich „schlechte Menschen“ so negativ beeinflussen. :-)

Hallo Observer!

Ich danke dir sehr für deinen Kommentar und deine sowohl intelligenten als auch empathischen Worte dazu! : )

Ich sehe es genau so wie du, dass solche Situationen ihre Spuren hinterlassen und diese sich quasi „fortpflanzen“ können, was auch zu einem großen Misstrauen anwachsen kann.
Die Herausforderung besteht wirklich darin, jeden Menschen neu zu bewerten und nicht unbewusst Muster zu suchen, die einen im Misstrauen bestätigen. Das vergiftet nämlich viele zwischenmenschliche Interaktionen.
Aber ich glaube auch, dass es gar nicht so leicht ist, da wieder rauszukommen und wieder Vertrauen zu finden, wenn man bisher eher eine „Bestätigung für Vertrauensbrüche“ gesehen hat, die man zum Teil aber auch durch eigenes Misstrauen den anderen gegenüber ausgelöst haben könnte… (Stichwort: self-fulfilling prophecy)

Die Sache mit dem Internetanbieter scheint zwar nur ein kleines belangloses Puzzleteil zu sein, aber steht eigentlich für etwas viel Größeres.
Nämlich, dass es einige Menschen gibt, die so einen Job entweder machen, weil sie nichts Besseres finden und denken keine andere Wahl zu haben oder weil sie es wirklich aus Überzeugung machen bzw. Bestätigung in der geschickten Manipulation finden. In beiden Fällen können sie es wohl mit ihren Werten vereinbaren. Einige von ihnen sind eben wie du schreibst Menschen, die diese Werte dann einfach nicht kennen, skrupellos, egoistisch und empathielos handeln und es so schaffen, das nicht an sich herankommen zu lassen.
Und ich frage mich da: Kann überhaupt ein Mensch, der so einen Job ausübt, sich privat noch davon abgrenzen? Selbst vertrauen und Vertrauen schenken, wenn er täglich das Gegenteil in seinem Job ausübt?
Wenn er also beruflich keine Kerben in die Gutgläubigkeit anderer ritzt, könnte es privat anders aussehen. Wirklich emotionale Vertrauensverluste greifen da auch erheblich tiefer als bei einem Internetvertrag, den man eigenlich nicht wollte.

Und deine letzten Worte finde ich sehr schön. Sie treffen auf den Punkt, wie wir alle eigentlich denken sollten!

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