Logbuch #22

Nun ist es also schon drei Wochen her, die ich im Homeoffice verbringe. Es ist somit an der Zeit, mir über mögliche Herausforderungen Gedanken zu machen, die „nach der Krise“ besonders in meinem Arbeitsumfeld auftauchen werden.

Vielleicht sollte ich erst mal das „nach der Krise“ definieren, denn das ist wohl kein Stichtag, wie er es für die Politik zu sein scheint mit dem 19./20. April. Vielmehr liegt es wohl an mir selbst zu entscheiden, wann ich wieder bereit bin regulär zur Arbeit zu gehen, da ich auch nicht davon ausgehe, dass nach diesem Stichtag die Welt da weitermacht wo sie aufgehört hat.
Ich persönlich begrüße das allerdings sehr, denn ich fühle mich nach wie vor in meiner Isolation wohl und befürchte, dass die „Wiedereingliederung“ in einen normalen Arbeitsalltag für mich so hart wird, wie für einige die Pandemie und die ganzen Maßnahmen gerade.

Mir graust es ehrlich gesagt auch ein wenig vor dem Stress, der mit der sozialen Distanz von mir abgefallen ist. Ich lebe gerade in einer ganz anderen Welt, in der ich fast all das mache, was ich mir immer gewünscht habe… ich schreibe wieder was ich denke, kümmere mich liebevoll um mich, esse jeden Tag Obst, habe einen strukturierteren Alltag, setze mich mit so vielen interessanten Themen auseinander,…

Mir fällt erst jetzt auf, wie sehr mich meine Prä-Corona-Arbeitsweise eigentlich ausgepowert hat. All das Hin und Her im Job zwischen Mails, Bildbearbeitung im Büro, Fotografie im Studio, fast ständigem Unterbrochenwerden vom klingelnden Telefon und anderen Aufgaben, die ich spontan zwischenreinschieben sollte… das gehört zwar alles zu meinem Beruf, aber es kostet so ungemein viel Kraft!
Und auch wenn es in den letzten Monaten erheblich besser geworden ist und mein Chef da unglaublich viel Rücksicht auf mich nimmt, war ich geistig dennoch abends im Vergleich zu jetzt um Längen kaputter. Neben all dem habe ich dann auch noch eingekauft, gekocht, meine Wochenenden geplant, mein Essen geplant, mich um den Haushalt gekümmert… und was ich bisher noch so alles gemacht habe, kann ich ehrlich gesagt gar nicht mehr sagen… ich weiß es wirklich nicht.

Was will ich also  am liebsten behalten? So gesehen…: Fast alles!
Da das aber nicht gehen wird (oder zumindest nicht jeden Tag), werde ich in erster Linie – so wie jetzt auch – weiterhin liebevoll auf mich achten müssen. Denn ich kann mir vorstellen, dass mir schnell alles zu viel wird, jetzt wo ich weiß wie entspannt es noch sein kann.
Demnach sind also Pausen und Selfcare sehr wichtig! Am besten teile ich meine Mittagspause auf zwei Pausen auf und verlasse in der Zeit einfach das Umfeld. Ich werde auch mal mit meinem Chef darüber reden, ob wir für mich nicht einen Ort/Raum schaffen könnten, in dem ich mich zurückziehen kann. Und wenn ich da dann drin bin, soll mich keiner ansprechen und ich gehe dann auch nicht ans Telefon oder mache die Tür auf. Klingt krass, aber ich glaube ich brauche das einfach, denn für mich als ADS-Person ist es nämlich unglaublich schwierig all das zu handeln und ich denke der Abstand wird mir gut tun. Die Überwindung dazu wird zwar auch erst mal groß sein (weil ich mich sehr schwer aus dem Flow lösen kann und es mir auch nicht erlaube), aber im Grunde weiß ich ja wie vernünftig das ist. Und auch mein Chef weiß das. Er erinnert mich ja öfters an meine Pause, während ich sie unter den Tisch fallen lasse, in 3 Minuten mein Essen runterschlinge damit ich halt mal was gegessen habe und dann versuche wie eine Maschine mein Pensum durchzuhauen und dann immer abgedrehter werde, weil ich es nicht hinbekomme. Und das alles sollte definitiv nicht so sein!

Mene Ziele sind also:
– Raum für mich
– (Mittags)pause machen
– 1-2 Homeofficetage
– und wenn all das nicht hilft evtl. sogar einfach weniger arbeiten…

Denn ich liebe nach wie vor meinen Job und sehe in ihm einen Teil meiner Erfüllung. Aber ich will nicht, dass er irgendwann negativ behaftet sein wird… Ich habe die letzten Jahre ja immer mehr Gänge zurückgeschaltet und im Nachhinein hat es allen eher gut getan als geschadet!
Darum bin ich trotz leichtem Unbehagen beim Gedanken an die „Wiedereingliederung“ (irgendwann) ebenso zuversichtlich, dass wir (mein Chef und ich) auch die Krise nach der Krise meistern werden. : )

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

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2 Kommentare        

Schön, dass du für dich da auch viel Positives aus der schwierigen Situation ziehen kannst. Ich drücke dir die Daumen, dass du davon viel mit in die Zukunft nehmen kannst.

Danke, das hoffe ich auch! Ich arbeite daran, es zu gestalten und möglichst viel vom Positiven beizubehalten. ; )

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