Logbuch #15: Existenz und Lebensqualität

Heute war wirklich ein sehr anstrengender Tag… nicht etwa, weil ich so viel zu tun hatte, sondern weil einfach so viel Input auf mich eingeströmt ist, dass ich nervlich das erste Mal seit langem wieder an meine Grenzen gekommen bin.

Begonnen hat der Tag eigentlich recht gut und positiv mit einem Smoothie und sehr lockerem Homeofficearbeiten. Zwischendurch hatte ich jedoch eine ganze Weile nichts zu tun. Das habe ich somit intensiv genutzt, um mich über Kurzarbeit zu informieren, eine Liste in Excel anzulegen und mir quasi zu berechnen, wie sich mein Gehalt demnächst zusammensetzen könnte… und das war wirklich verdammt schwer, da sich alles in mir gesträubt hat und ich beim ersten Lesen erst mal gar nichts verstanden habe und wie blockiert war. Nach vier Stunden Beschäftigungstherapie hat sich das dann aber gelöst. Ich hatte dann meine Tabelle, viel neues dazugelernt und fühlte mich sicher…bis…

…ich mit meinem Chef telefoniert habe und er meinte, dass es sein kann, dass alles auch auf 0% Gehalt und nur Kurzarbeitergeld (60% von meinem jetzigen Gehalt) rauslaufen könnte. Das hat mir dann neben anderen traurigen Nachrichten heute den Stecker gezogen. Und noch mehr habe ich mich über mich selbst geärgert, dass ich damit offensichtlich doch nicht so cool umgehen kann.
Nach einem sehr emotionalen Gespräch mit ihm, bei dem ich weinen musste und er fast auch, weil es ihm so Leid tat, war ich dann erst mal total fertig. Meine positive Energie war komplett auf 0. Aber dann fiel mir die Excelliste ein. Da trug ich dann statt 50% in die Zelle eine Null ein und sah, was am Ende rauskam. Ja, diese Zahl entsprach in etwa meinen Fixkosten. Ohne Essen, Trinken, Kreditzahlung wegen meines Implantats etc…
Mit aller Kraft legte ich mir also NOCH eine Liste an. Vermutlich klingt das alles total gestört, aber diese Liste hatte nur die Funktion mir zu zeigen, wann mein Konto leer sein würde bei einem weiterhin guten Lebensstandard mit Busfahrkarte und gutem Essen. Und das würde (wenn das mit der Kurzarbeit im Mai losgeht) dann Anfang nächsten Jahres der Fall sein. Und ich hoffe, dass vorher wieder Normalität einkehrt…ansonsten muss ich mein Leben umdenken…

Eine Sache, die mir aber nach wie vor Angst macht und mir wohl den Rest meines Lebens versauen wird: Ich muss (da ich mit dem Kurzarbeitergeld über 410 Euro im Jahr komme) das erste Mal in meinem Leben eine Steuererklärung machen. Und soweit ich das mitbekommen habe muss man das dann jedes Jahr machen… und ich hasse es, etwas nicht logisch nachvollziehen und nachrechnen und einplanen zu können! Bisher war es so, dass ich jedes Mal, wenn ich mich damit auseinandergesetzt habe, am Rand der Verzweiflung war und es lieber gelassen habe… vermutlich ist aber die Angst davor größer als die Sache selbst…

Nun aber noch was Positives:
Was mir auch sehr geholfen und mich wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht hat, war das alljährliche Gespräch mit einem Herren von einer Studie, der mich passenderweise zu den Themen Lebensqualität und soziale Sicherung befragt hat. Vielleicht nicht gerade der beste Zeitpunkt, könnte man meinen, aber während des Gesprächs habe ich gemerkt: Meine Grundstimmung ist zwar angeknackst, aber ich habe noch nicht das Vertrauen verloren.

So denn…lasst euch nicht runterziehen und passt auf euch auf!

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

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2 Kommentare        

Puh, das klingt hart. Und ich wage es, in der jetzigen Situation über das hohe Arbeitspensum zu stöhnen. Ich sollte mich glücklich schätzen, dass sich das bei mir (zumindest noch) nicht so großartig bemerkbar macht. Ich wünsche dir viel Erfolg und Kraft.

Danke Schoko! Im Nachhinein war das wohl etwas zu viel Panikmache. Mein Chef und ich schaffen es immer sehr gut, uns gegenseitig damit anzustecken…
Bis jetzt läuft nämlich alles noch sehr gut und wir haben genug zu tun. ; )

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