Logbuch #16

Die Krise offenbart nicht nur Missstände wie gute oder schlechte Sozial- und/oder Gesundheitssysteme, die Art wie Politik geführt wird und wie extrem schlecht manche Medien in ihrer Berichterstattung sind durch die Art der Formulierung,… sondern auch vieles, was im Menschen selbst bisher verborgen war.

Und da schlummert so einiges, womit sich manche einfach noch nicht so wirklich auseinandersetzen mussten, weil ihr Leben aus so vielem bestand, aber eben nicht aus Nichtstun, Nichtwissen und Abwarten. Im bisherigen Alltag hatte man so seinen Job, sein Feierabendbier, seine Freunde, Ablenkung, Fluchtmöglichkeiten jeglicher Art,… aber im „neuen Alltag“ bricht vieles weg. Man sitzt dann nur da. Langweilt sich. Mit sich selbst. Und der Ungewissheit.
Und so gezwungen will irgendwie keiner so wirklich über all das nachdenken, das da lauert im Verborgenen. Man will einfach nicht sehen, was die Krise eigentlich offenbart.

Mir selbst geht es, wenn ich so darüber nachdenke, überhaupt nicht so. Ich beschäftige mich ja schon seit Jahren mit Selbstreflexion und kann mich auch von Geburt an mit mir selbst und allem Möglichen beschäftigen. Da bin ich wohl zugegebenermaßen ein eher spezieller Mensch und blühe auch in der Ruhe und dem Alleinsein überwiegend auf. Für mich hat der Zustand gerade schon fast etwas Meditatives.
Der „Krise“ bin ich also von Anfang an positiv begegnet und gespannt auf das, was mich erwartet und was ich alles über mich und meine Mitmenschen erfahren werde und was das mit der Welt macht.

Aber ich weiß auch, dass das nicht jeder so sehen kann…
Die Menschen in meinem näheren oder weiteren Umfeld reagieren z.B. auf unterschiedlichste Art und Weise.
Die meisten haben natürlich Sehnsucht nach ihrem alten Leben. Einige bleiben da jedoch gelassen und richten ihren Fokus nicht auf diese Sehnsucht, die sich auf die Vergangenheit bezieht oder die Ungewissheit, was die Zukunft bringt, sondern auf das Jetzt und machen das beste daraus. Viele sind aber auch unzufrieden und wollen wieder zurück. Sie können den jetzigen Zustand kaum ertragen. Vielleicht werden sie auch zu Coronaleugnern/ Verschwörungstheoretikern. Sie stecken ihre Energie in negative Nachrichten und in Wut anstatt in Liebe.
Einige von ihnen werden gerade wirklich egoistischer, andere um einiges wärmer und liebevoller.
Und viele langweilen sich einfach nur unendlich.

Eigentlich möchte ich ungern mit diesem Eintrag all das so pauschalisieren, doch ich kann auch nicht leugnen, dass ich der Überzeugung bin, dass sich viele wirklich nicht mit sich selbst beschäftigen oder ernsthaft mit sich und ihrem Leben auseinandersetzen können, das gerade in der Ruhe so einige Defizite aufzeigt.
Wenn all das im Außen wegfällt und man sich eben durch diese Dinge bisher definiert hat…was bleibt einem denn dann noch?

Ich wünsche wirklich all jenen von Herzen, die sich langweilen, wegen Klopapier schlagen, häuslichen Anspannungen und Unzufriedenheit ausgesetzt sind, denen die Decke auf den Kopf fällt und die nichts mit sich anzufangen wissen,…
dass sie es schaffen auszubrechen. Das beste daraus zu machen. Ihr Leben nicht zu verschwenden. Und sich zu überlegen, was sie ändern wollen, wenn all das hier vorbei ist… Es ist nie zu spät mit etwas Neuem zu beginnen, neues zu entdecken. Vorausgesetzt man will aus dem Muster ausbrechen, das einen bisher geleitet hat. Und dann findet man Wege. Oder Hilfe.

Meiner Meinung nach sollte das Ziel eines jeden Menschen sein, am Ende des Lebens nicht verzweifelt zu sein, sondern als gefestigte Person positiv auf ein überwiegend erfülltes Leben zurückzublicken, das aus Höhen und Tiefen bestanden hat und dem Bestreben, die beste Version seiner selbst zu werden. In ständiger Weiterentwicklung.

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

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2 Kommentare        

Schöner Eintrag, besonders mit deinem Schluss-Absatz sprichst du mir aus der Seele.

Schön, dass du das auch so siehst. : )

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