Ach die guten Vorsätze…

Der Abend vor Silvester. Ich sitze in einer Bar mit ein paar Leuten, die ich seit vorgestern kenne. Da es mich interessiert und mir irgendwie angebracht erscheint, bringe ich das Thema Vorsätze mit ein. Was haben sich die anderen so vorgenommen? Was hatten sie sich für das Jahr 2018 vorgenommen? Haben sie es erreicht?

Kurz vorweg: Mir ist es nicht wichtig, dass ich das erreiche, was ich mir vornehme. Es ist wichtig, dass ich mir Gedanken um mich mache und was ich ändern könnte, um ein glücklicheres und erfülltes Leben zu führen und zu ändern, was mich eigentlich unglücklich macht, belastet und stört. Und nur das ist meiner Meinung nach nachhaltig und nicht nur für einen kurzen Moment, um einen Vorsatz von einer Liste abzuhaken.
Darum haben mich die Antworten der anderen doch etwas….wie soll ich sagen…enttäuscht?
„Mehr Party, weniger arbeiten, mehr Urlaub, mehr (Alkohol) trinken!“ und „Vorsätze hält man ja eh nicht ein.“ Ich war zugegebenermaßen perplex und habe mich so sehr fehl am Platz gefühlt, dass ich dem ganzen natürlich noch die Krone aufgesetzt habe, auch wenn mich keiner der Herren nach meinen Vorsätzen gefragt hat: „Also ich hatte mir für dieses Jahr vorgenommen an den Beziehungen zu meinen Mitmenschen zu arbeiten, sie zu vertiefen, zu verbessern und ehrlich zu sein! Und ich denke, ich hab‘s erreicht.“ Nun, das war schon mal sehr ehrlich. Betretenes Schweigen. Leicht verwunderte Blicke zwischen Anerkennung und einer Mischung aus „Was genau meint die jetzt damit?“ und „Ist das jetzt sowas wie Esoterik?“
Ich hatte schon lange nicht mehr das Gefühl so sehr anzuecken und kam mir kantig und kompliziert vor zwischen einer runden glatten Gesellschaft mit ebener Oberfläche. Ich mag mich eigentlich nicht so abheben oder wie meine Therapeutin immer meinte, so eine strenge Ausstrahlung bekommen, welche mit erhobenem Zeigefinger einen Weg aufzeigt, der besser sein soll. Soll jeder selbst wissen, was sein Weg ist. Aber leider kam es mir an diesem Abend so vor, als wäre da einfach gar kein Weg oder zumindest eine Richtung vorhanden. Nur ein etwas unbewusstes Hineinleben in dies nächste Party.
Und bei sowas springt etwas in mir an, das mir sagt, dass das zu nichts führt und ein Bedürfnis, den Menschen die Tiefe des Lebens näher zu bringen, die auch vorhanden sein kann neben einem Partyleben. Doch leider bin ich nicht die große Rednerin, hatte aber auch nicht mehr die Motivation einen Zugang zu finden oder mich eventuell durch klarere Kommunikation verständlich zu machen. Es ist ja eigentlich auch nicht meine Aufgabe und erfordert wohl eine tiefere Beziehung, die bei den Menschen, die ich erst seit zwei Tagen kenne, einfach nicht gegeben war. Aber ich glaube, das ist auch normal und die Regel. Selten kommt es vor, dass mir ein Mensch begegnet, der auf Anhieb versteht, was ich eigentlich sagen will. Meist ist er jedoch selbst auch nicht gerade das, was man als „normal“ bezeichnen würde, denn nach den ersten paar Minuten wird das dann so tief, dass wir uns unsere Diagnosen gestehen. Ich fange dann meistens an, das Gespräch auf eine so tiefe Ebene zu bringen, weil es passt und nach einem bewundernden Blick über meinen Mut, folgt mir mein Gegenüber, der meist noch in dem steckt, was ich überwunden habe. Aber ich finde es gerade dann wichtig, diesem Menschen diese Seite an mir zu zeigen. Das verbindet, gibt ihm vielleicht ein Gefühl von Zugehörigkeit und Wärme und dass man damit fertig werden kann.


Und meine Vorsätze für 2019?
Zugegebenermaßen klingt mein Vorsatz für das kommende Jahr beim ersten Hören so gar nicht nach Tiefe und eher banal: Wieder mehr kochen, also disziplinierter einkaufen nach Plan und den Essensplan auch einhalten. Das habe ich die letzten Monate etwas schleifen lassen..was an sich nicht schlimm war, aber auf Dauer ein Unwohlsein in mir auslöst. Ich befürchte nämlich, dass mir durch diese lockere Handhabung schnell alles entgleiten könnte. Ich setze nämlich die Wichtigkeit des Kochens im Grunde gleich mit der Wichtigkeit meines Lebens, weil ohne essen eben kein Leben möglich ist.
Hinter diesem zuerst banal klingenden Vorsatz steckt also eigentlich die Intension der Selbstliebe. Ich koche ja fast nur für mich alleine. Das bedeutet, ich bin es mir wert und wichtig genug, dass es mir gut geht, ich gesund und fit bleibe.

Ich glaube wenn meine Gesellschaft aus der Bar ihren Vorsätzen auch eine bewusste tiefere Intension verliehen hätten, käme ich wohl besser mit den Antworten klar. Man könnte ihre Vorsätze auch als ein „ausgeglicheneres Leben“ betiteln, in dem neben der Arbeit und dem Alltag eben auch der Ausgleich wichtig ist in Form von Urlaub und feiern, Freunde treffen,…das kenne ich ja ebenso von mir und war zum Beispiel mein Vorsatz von 2017, weil ich 2015 und 2016 echt zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt habe. Und auch wenn ich meinen Job liebe, brauche ich gelegentliche Tanzabende, Treffen mit Freunden oder das Verreisen. Ich brauche ebenso Zeit für mich wie für meinen Freund. Alles sollte sich eben die Waage halten. Und das tat es auch dieses Jahr bis auf den Oktober, in dem ich viel zu viel gearbeitet habe. Aber das sollte die Ausnahme sein und nicht die Regel, worauf mein Chef und ich ja auch achten.

 

In diesem Sinne wünsche ich meinen alten und neuen Lesern, meinen Freunden, meiner Familie und meinen Stalkern einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019! Und nehmt euch vor, was ihr erreichen könnt und wollt und was euch weiterbringt im Leben! : )

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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1 Kommentar        

Kochen ist immer gut :)

Ich weiß nicht… jemand der sich zum Vorsatz macht, MEHR Alkohol zu trinken, hat wohl schon ein ziemliches Problem mit seinem Leben finde ich… aber das muss wohl jeder irgendwann selbst erkennen…

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