Der Eine

Es ist vielleicht alles Müll, was ihr hier lest. Die Tatsachen widerlegen sich und jede spricht für sich. Ihre eigene Sprache, aber doch irgendwie gleich…

Ihr kennt mich nicht. Mein Name ist Lila. Ich sehe den Mann mir gegenüber an. Lächle. Schließe kurz die Augen und fahre mir durchs Haar. Der Mann ist mein Freund. Mein Partner. Und am liebsten würde ich Schluss machen. Weil ich ihn nicht liebe und das auch nicht einfach so von heute auf morgen kommt. Vielleicht wird er mir fehlen. Aber ich verkrafte es. So lange ich verkraften kann, dass meine wahre Liebe so nah und doch so weit weg ist.
Meine wahre Liebe und ich waren nie ein Paar, werden es vermutlich auch nie sein. Er weiß vielleicht, dass ich ihn liebe, nimmt mich jedoch nicht ernst. Ich bin vermutlich zu klein. Zu unscheinbar. Muss mir Männer suchen, die erreichbar sind. Doch wenn das da vor mir die Art Männer sind, mit denen ich zusammen sein kann, die mich wollen, dann will ich lieber niemanden…anderen außer ihn. Ich linse über die Schulter meines Freundes zu einem Mann, der an der Theke steht und mich aus den Augenwinkeln skeptisch-vertraut ansieht. Ich weiß, dass das was ich mache falsch ist. Aber ich will doch nur glücklich sein! Wie jede Frau würde ich mir einen Mann an meiner Seite wünschen. Wir können vielleicht alleine sein, aber nicht auf Dauer…
Aber wisst ihr, was das Unfassbare an dieser Situation ist? Ich bin doch irgendwie anders. Vielleicht liegt es an meiner Liebe zu diesem Mann, der gerade den Raum verlässt ohne sich von mir zu verabschieden. Vielleicht kann ich mit niemandem anderen glücklich werden. Solange bis ich nicht zumindest einmal in seinen Armen liege.
Ich kenne meine Liebe schon sehr lange. Und war noch nie mit einem Mann glücklich gewesen. Ich habe mich noch nie bei jemandem so geborgen gefühlt wie in der Nähe dieses Einen. Des einzigen. Doch fühlt er auch so? Können Männer überhaupt fühlen. Leiden. Lieben? Oder ist das nur wieder eines dieser Klischees: Mann: Stark, Beschützer, weint nicht, fühlt nicht,… Frau: Schwach, sexuell erregendes Objekt der „Liebe“,…
Ich denke, Männer haben es in dieser Hinsicht auch nicht leicht. Niemand hat es in dieser Hinsicht, genannt Gefühle, leicht. Die Angst vor dem Vergängnis schnürt einigen die Kehle zu, andere lassen sich einfach irgendwo nieder um endlich mit dem „Suchen“ aufzuhören. Und zerstören vielleicht damit andere Möglichkeiten. Möglichkeiten wahrer Liebe. Doch was ist wahre Liebe? Besteht sie für die Männerwelt aus Sex? Es heißt ja, Männer können zwischen Liebe und Sex unterscheiden. Fühlen wir Frauen dazu zu viel und bilden uns irgendwo Dinge ein, die nicht existieren? Oder ist das wieder nur ein Klischee? Vielleicht macht Liebe auch naiv, schwach, angreifbar. Aber doch nur, wenn sie nicht stark genug ist. Da wird die Liebe doch eher verwehrt, als dass man sich selbst aufgibt. Voll und ganz. Bis zum Tod.
Ich blicke wieder den Mann an und stelle fest, dass das nichts war. Gar nichts. Zum Glück kam es noch nicht zum Äußersten. Wie die anderen, vielen Male davor… Jeder Mann fühlt sich in meinen Armen im Nachhinein falsch an. Im Nachhinein, wenn mir bewusst wird, dass ich nichts mit ihm anfangen kann. Dass es keine Liebe ist, die mich in die Fänge dieser Bestie treiben. Und ich bereue etwas. Nur etwas. Den Kuss, das Ausziehen. Und Schluss. Ich lasse nicht zu, dass es weitergeht bis zum letzten Akt. Nie.
Ich könnte viele unbestimmte Männer haben, wenn ich nur das wollen würde. Weil viele dasselbe wollen. Aber ich will es nicht. Nicht mit diesen Typen. Und so stehe ich auf, verabschiede mich von meinem Ex-Freund für immer und verlasse diesen Ort. Um dem einen, dem einzigsten bestimmten Mann zu folgen. Bis in den Tod…der Liebe oder des Lebens.

Posted by Journey

Kategorie: (Kurz)geschichten

Autor: Journey

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2 Kommentare        

Hallo Journey,ich kann dich so gut verstehen- ich bin auch nicht bereit, mich auf einen anderen einzulassen.Aber vielleicht müssen wir das irgendwann lernen, akzeptieren, dass wir einen Kompromiss eingehen müssen, wenn wir nicht unser Leben lang alleine sein wollen.Ich weiß es nicht…Grüße einsamkeit

Hallo Einsamkeit!
Danke dir auch für dein Kommentar!

Wenn ich mich auf einen anderen einlassen würde, so würde ich mir damit nur eingestehen, dass Liebe „nichts“ ist. Größtenteils vergänglich. Und ich kann nicht vergessen, selbst wenn ich wollte
und würde, besser ginge es mir dabei nicht. Ich würde nur noch tiefer in ein Loch stürzen. Denn für mich bedeutet Leben zu einem sehr großen Teil Liebe.
Deswegen versuche ich auch die Finger von allen Männern zu lassen. Die würden mich nicht glücklich machen. Ich bin deswegen nicht solo, aber auch nicht vergeben. Einfach nicht zu haben.

Aber: Sind wir stark genug uns an dieser einen Liebe zu halten und nicht daran zu zerbrechen, zu kämpfen und nicht aufzugeben? Oder sind wir schwach, haben Angst und fangen an zu Zweifeln,
resignieren komplett?
Vielleicht sind wir aber auch stark, weil wir uns ein anderes Leben aufbauen können, uns lösen können. Oder schwach und können uns nicht lösen, verfallen einer unglücklichen Liebe…
Ich zerbreche mir oft darüber den Kopf…doch eigentlich kann man damit keine Herzangelegenheiten lösen. Herz gegen Verstand.

Aber irgendwas in mir will kämpfen, will sich etwas beweisen. Zur Liebe stehen.
Und ich denke, ich kann noch erwas warten. Ich wede nicht eingehen und an allem verzweifeln. Ich werde einfach felsenfest hoffen. Der Moment kommt schon noch. Auch wenn die Chancen eher gering
sind. Sehr gering.
Und wenn ich am Schluss die einzige bin, die die Blumen an seinem Grab gießt…aber vielleicht ist das ja wahre Liebe? Krank, aber Liebe bis über den Tod hinaus…
Eines ist jedoch sicher…so stak war noch keine Liebe vor ihm, wenn es denn Liebe war.
Grüße
Journey

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