Weglaufen…

In Momenten wie jetzt würde ich am liebsten weglaufen. Weit weg. Noch weiter…

Denn ich will nicht in die Situation kommen, vor euch so zusammenzubrechen, so wie ich es hinter verschlossenen Türen mache. Will einfach nichts Falsches mehr sagen. Will gar nichts mehr sagen. Will einfach nur schweigen. Vielleicht irgendwo im Kloster bei einem Schweigeretreat? Ich bin nicht gläubig, wäre aber nicht abgeneigt, jetzt meinen Koffer zu packen und für mehrere Wochen einfach zu verschwinden und mit niemandem mehr zu reden. Weil meine Worte nicht die richtigen sind und meine Taten wertlos. Und weil mein Geist endlich richtige Ruhe braucht…

Aber ich muss bleiben. Bleiben und irgendwie damit klar kommen, dass die Disharmonie gerade meinen Alltag zu beherrschen beginnt. Dass ich unfähig bin, Dankbarkeit zu zeigen. Dass ich vielleicht wirklich in Wahrheit ein empathieloser Egoist bin. Ein schlechter Mensch, der nur seine eigene Freiheit in der jetzigen Situation bedroht sieht…

Im Herzen wäre ich gerne anders und hätte gerne die Fähigkeit, irgendeinen familiären Zusammenhalt zu fühlen und ihn zu leben. Dieses Füreinanderdasein, von dem alle immer so reden und das ich nicht empfinde. Nicht, weil meine Familie schlecht wäre, sondern weil ich es einfach nicht fühlen kann. Bedingt erlebe ich es mit einigen Menschen. Aber ansonsten ist mir das Gefühl eben einfach nicht bekannt. Ich habe es nicht als Kind, nicht als Teenager und auch nicht als junge Erwachsene empfunden, als ich mehr oder weniger weggelaufen bin, um endlich frei und unabhängig und ich selbst werden zu können. Jetzt zu merken, dass ich nach all den Jahren immer noch nicht frei bin und wohl nie sein werde, solange ich lebe, schnürt mir regelrecht die Kehle zu.

Ihr seid keine schlechten Menschen, keineswegs. Ihr seid wunderbar! Und ihr leistet mehr, als ich es jemals könnte…

Und ich weiß, sich selbst zu verurteilen und zu bestrafen, bringt nichts. Es bringt nichts, jetzt jegliche Freude aus meinem Leben zu streichen, weil das einzige, dass ich euch geben kann, ein Mitleiden ist. Und wenn ihr es so schwer habt, sollte ich es eben auch so schwer haben. (Oder zumindest leiden, weil ich es ja verdient habe.)
Aber das bringt niemanden weiter…

Glaubt mir bitte, ich wäre sehr gerne der Mensch, der Mitgefühl zeigen oder euch irgendwie helfen kann, aber ich kann es nicht. Meine Angst (vor was auch immer) ist einfach größer… und ich hoffe, es ist „nur“ Angst… und dass kein Egoismus dahinter steckt…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

Autor: Journey

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