Logbuch #86 Die Verführung der Ablenkung..

Manchmal sehne ich mich zurück in eine Zeit, in der man statt einem einzigen „Gerät für alles“ noch mehrere besessen hat. Ich will nämlich nicht alles an einem machen müssen. Will mich nicht ständig ablenken lassen. Will so gerne mal wieder bewusst eine CD oder einfach nur Radio hören und mich mit einer Entscheidung zufrieden geben ohne ständig von 100000 anderen potentiellen Möglichkeiten umgeben zu sein.
Ohne die Möglichkeit online zu sein…

Manchmal will ich einfach nicht erreichbar sein. Kein Internet. Keine Mails. Kein Facebook. Kein Instagram. Kein Telegram. Einfach away from keyboard… einfach offline im Hier und Jetzt! In hardcore real life…
Ich habe zwar gerne Kontakt, freue mich über Messages, Mails und alles, aber mein Kopf braucht gelegentlich einfach mal eine Pause von der Tatsache überhaupt erreichbar zu sein und das jede Sekunde. Als würde die Welt untergehen, wenn ich etwas einen Tag später lese… und drei Tage später antworte!
Irgendwie bin ich gerade viel zu „up to date“ mit meinem Posteingang. Zu voll war auch nicht gut, aber alles erledigt zu haben verschafft mir gerade auch nicht die Befriedigung.

Daher finde ich die Ruhe, die ich so ersehne, wohl wirklich nur, wenn mein Macbook – mein „Gerät für alles“ –  einfach aus ist…
Das jedoch ist oft gar nicht so leicht, da ich damit ja schreibe, Musik höre, recherchiere, meine Buchhaltung mache… aber  nichts davon mache ich ausschließlich. Alles verläuft irgendwie parallel oder schwingt als Möglichkeit im Background der potentiellen Dinge mit, die ich damit machen kann. Und natürlich habe ich währenddessen auch noch das ein oder andere offen… Diffus geht somit also alles ineinander über. So mache ich zwar vieles und gewiss auch vieles nicht deshalb falsch oder schlechter, aber ich mache auch selten etwas davon wirklich bewusst.

Das ist etwas, was mir immer mehr auffällt und was mir eigentlich nicht gefällt. Aus diesem und diversen anderen Gründen ebenso besitze ich ja auch kein Smartphone. Viele User können das aber nicht so recht nachvollziehen bzw. kann sich keiner mehr vorstellen, wie es ohne ist.
Die Erleichterung, die sie empfinden, wenn alles in einem Gerät ist, würde ich für mich somit eher als Belastung empfinden. Mich stört ja schon mein Macbook und das kann echt nicht viel und steht nur zu Hause rum. Wie wäre es dann erst, wenn ich auch unterwegs ständig erreichbar wäre!? Der Gedanke daran fühlt sich wie Ketten an, die mir die Luft zum Atmen rauben, mich niederdrücken und immer tiefer in einen Sog ziehen. Als würde ich mich in einem permanent unruhigen Zustand befinden, in welchen ich regelrecht das Bewusstsein verliere für alles, was mir eigentlich wichtig ist.
Ich könnte ja in den Flugmodus.
Ich muss es ja nicht so nutzen.

Aber würde ich das auch machen? Ich vermute nicht, denn was das angeht bin ich nicht stark genug. Ich würde mich treiben lassen… und verlieren… und letzten Endes eher erdrückt werden von allem, was in so einem Gerät steckt.
Vielleicht würde ich aber auch nach spätestens einer Woche durchdrehen und das Smartfuck mit einem Schrei der Befreiung aus dem Fenster werfen?

Ich will einfach kein Sklave von Technik sein, merke aber, dass mir die Beherrschung oft nicht so wirklich leicht von der Hand geht. Und obwohl es mein Ziel ist, mich wieder bewusst für etwas zu entscheiden und dann auch keine Ablenkung zuzulassen, schaffe ich es leider nicht immer so gut, mich zu lösen. Nur eine Sache zu tun. Maximal zwei, wenn ich Musik höre…

Vielleicht wird es auch einfach wieder Zeit für einen CD-Player… und dass ich endlich lerne auf der Schreibmaschine zu schreiben… oder ich richte mir einen Laptop ohne Internetzugang ein, weil es bei manchem Text schon gut ist, wenn er bereits digital vorliegt.
Was ich auch machen werde… ich will endlich wieder mehr das Gefühl haben etwas bewusst zu tun!

 

Siehe auch: „Waaas, du hast kein Smartphone!?“

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

«      |     

Schreibe einen Kommentar