1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Spontan würde ich sagen, das Jahr war eine 8,5. Ich kann mich nicht zwischen 8 und 9 entscheiden. Insgesamt war es trotz des sehr turbulenten Starts im Januar, einiger anderer ungeplanter finanzieller Schwierigkeiten bzw. Ungewissheiten und all der Hindernisse, die ich noch so überwinden musste, ein echt gutes Jahr. All das wurde nämlich ausgeglichen durch die Begeisterung für meine Ausbildung zur Bauzeichnerin, die ich Mitte September begonnen habe. : )
2. Zugenommen oder abgenommen?
Es schwankt seit einigen Monaten immer wieder mal, aber nur um 1-2 kg. Insgesamt habe ich aber ein Kilo zugenommen im Vergleich zu meinem sonstigen Gewicht. Das könnte aber auch Muskelmasse sein, da ich mich deutlich mehr bewege als letztes Jahr und mich in den Werkstätten bei den Maurern und Zimmerern ebenfalls austobe.
3. Haare länger oder kürzer?
Da ich in diesem Jahr nur einmal (im Februar) beim Friseur gewesen bin bzw. das finanziell einfach nicht möglich bzw. sinnvoll gewesen ist, sind sie wieder länger geworden. Ich habe aber bereits einen Termin im Januar. Ich denke, das kann man sich auch einmal im Jahr gönnen…
4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Frage wurde 2023 gestrichen -> 19,5
5. Mehr Kohle oder weniger?
Erheblich weniger… erst war ich ja arbeitslos und das erste Mal in meinem Leben auf Wohngeld angewiesen, und nun bin ich Schülerin, lebe überwiegend vom elternunabhängigen Bafög und sehe zu, wie mein Konto leerer wird. Das wird auch die nächsten Jahre so weitergehen. Alles, was ich mir die letzten 10 Jahre angespart habe, wird am Ende meiner Ausbildung weg sein. Im Idealfall habe ich im zweiten Lehrjahr neben meinem Azubigehalt Anspruch auf Wohngeld und komme so durch, im Worst Case werde ich mir was bei Freunden (oder meiner Familie) leihen. Meine Eltern würden mir das auch jetzt schon so geben, damit ich besser leben kann, aber das will ich nicht, denn ich will den harten Weg gehen…
Ich habe sehr oft angefangen, darüber zu schreiben, weil es mir ein Bedürfnis gewesen ist darzulegen, was ich eigentlich alles in Kauf nehme, um mit 35 noch eine zweite Ausbildung machen zu können und wie viel ich investiere und von wie wenig ich eigentlich lebe. Aber ich habe diese Beiträge nie so rund und interessant bekommen, wie ich es wollte. Fakt ist jedenfalls: Kaum einer in meinem Umfeld würde das machen und könnte sich so sehr einschränken, wie ich es tue und kaum einer würde den eigenen Eltern explizit verbieten, Geldgeschenke zu machen. Zum einen macht mich das unglaublich stolz auf meine Sicht über den Wert der Dinge, die ich lebe und fühle ohne Groll, Neid oder Gejammer. Zum anderen entfernt es mich ein wenig von meinen Mitmenschen. Aber auch diese Gefühle gehören dazu… und wie gesagt: Ich will den harten Weg gehen! Ich will beweisen, dass es möglich ist, so etwas zu tun, auch wenn man jahrelang knapp über dem Mindestlohn verdient hat und keine reichen Eltern hat, die einen supporten können. Klingt schräg und für die meisten wohl dämlich, aber mir ist es unglaublich wichtig, das aus eigener Kraft zu schaffen.
6. Besseren Job oder schlechteren?
Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so denken würde…, aber das Fotostudio zu verlassen und noch einmal etwas komplett anderes zu lernen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Zwar bin ich (noch) nicht direkt im Berufsleben und Vollzeitschülerin in meiner Ausbildung zur Bauzeichnerin, aber kann jetzt schon behaupten, dass mir dieser Job und dieses Umfeld absolut liegen! : )
7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Durch diverse ungeplante Ausgaben habe ich manchmal etwas zu viel Geld ausgegeben…aber insgesamt habe ich versucht, mich sehr stark einzuschränken, was mir seit September auch echt gut gelungen ist. Observer hat mich diesmal auch mehr unterstützt, indem wir uns die Essenskosten geteilt haben bzw. hat er auch Unternehmungen bezahlt, die wir ansonsten vermutlich nicht gemacht hätten. Für mich war das anfangs schon etwas hart anzunehmen und nicht mehr die Rolle als Alleinverdienerin zu haben, aber unterm Strich ist es so vernünftiger.
8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Sehr viel Wissen… und etwas mehr Gelassenheit, auch wenn der Faden hin und wieder gerissen ist. Besonders im Umgang mit sozialen Kontakten bin ich selten so gelassen, wie ich es gerne wäre bzw. vermeide soziale Kontakte deutlich mehr als früher, weil sie mich einfach überfordern. Das ist ebenfalls eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe…auch wenn sie nicht ganz so schön ist.
9. Mehr bewegt oder weniger?
Sehr viel bewegt! Zum einen mich selbst, zum anderen auch bei anderen, mit denen ich Kontakt habe. In diesem Jahr hatte ich ja auch erheblich viel mehr soziale Kontakte durch meine Klassenkameraden und Arbeitskollegen. Durch diese neuen Umfelder und Menschen in meinem Leben lerne ich mich selbst noch einmal neu kennen bzw. Seiten an mir, die ich vorher (quasi in Isolation) nicht ausgelebt habe. Allerdings muss man dazu auch schreiben, dass die erhebliche Steigerung meiner sozialen Interaktionen und das krasse Lernen, das ich seit Monaten betreibe, dafür sogen, dass sich in manchen Bereichen (mein Blog, mein Buch, meine anderen sozialen Kontakte…) beinahe überhaupt nichts mehr bewegt…
10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Gute Frage… ich hatte einmal kurz ein wenig Grippe (wobei ich gar nicht mehr genau weiß, wann das war), bin über 7 Monate mit einem wackligen Frontzahn herumgelaufen, der dann gezogen wurde. Die Knochenaufbau-OP und das Setzen des Implantats habe ich auch schon hinter mir, wobei das nicht ganz soooo schlimm gewesen ist. Ich sah halt nur echt übel aus… Ansonsten hatte ich in diesem Jahr eher hormonelle Schwierigkeiten, was die weiblichen Hormone angeht (Stimmungsschwankungen, extreme Müdigkeit, teilweise auch Schmerzen).
11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Der Zahn war über die Dauer gesehen echt blöd… das hormonelle jedoch war in den Momenten absolut schrecklich, weil es meine Denk- und Sichtweise manchmal sehr stark beeinflusst hat und ich es absolut nicht mag, wenn nicht logisch reagieren kann und stattdessen emotional werde. Das Blöde daran ist auch, dass meine AD(H)S-Medikamente dann auch nicht so wirken, wie sie sollten…
12. Der hirnrissigste Plan?
Frage wurde 2023 gestrichen -> 24,5
13. Die gefährlichste Unternehmung?
Soweit ich weiß, keine. Ich habe aber aufgrund meiner finanziellen Lage und dem Zeitmangel aber auch nicht wirklich viel unternommen
14. Die teuerste Anschaffung?
Eigentlich ein neuer Zahn, aber da kommt die Rechnung wohl erst im nächsten Jahr auf mich zu. Insofern war wohl das teuerste die Reparatur meines Spülmaschinengriffs…
15. Das leckerste Essen?
Mir bleibt sowas leider nicht so lange in Erinnerung… aber vielleicht war ich auch zu selten irgendwo essen. Daher fällt mir gerade als Erstes der Avocado-Hummus mit den Granatapfelkernen ein von unserer Weihnachtsfeier, der uns mit ein paar besonderen Dips und Köstlichkeiten als Vorspeise mit etwas Brot serviert wurde. Dass ich von all dem ausgerechnet den „banalen“ Hummus so toll fand, klingt schon etwas schräg, aber der war echt so frisch und lecker und einfach perfekt gewürzt.
Alternativ schmeckt mir das, was ich selbst für mich koche auch verdammt gut… besonders die Hirse-Gemüsepfanne liebe ich total.
16. Das beeindruckendste Buch?
Gelesen habe ich noch zu Anfang des Jahres etwas mehr… da waren auch einige Bücher dabei, die ich sehr gut geschrieben fand, besonders von Benedict Wells („Fast genial“ und „Die Geschichten in uns“) und Jonathan Franzen (Die Essays aus „Anleitung zum Alleinsein“). Am beeindruckendsten fand ich jedoch das Buch über den Konsum („Herrschaft der Dinge“ von Frank Trentmann), an dem ich zwar mehrere Monate zu kauen hatte, aber das war es irgendwie wert. An „einfacher“ Lektüre fällt mir gerade das letzte ein, das ich gelesen habe und wirklich sehr, sehr schön geschrieben finde: „Bevor es für uns zu spät ist“ von Toshikazu Kawaguchi
Der ergreifendste Film?
Erst fiel mir hier keiner ein, da ich es mit Filmen ja nicht so habe bzw. mir echt selten etwas ansehe. Aber beim nochmaligen Lesen meiner Monatsrückblicke, habe ich irgendwo einen erwähnt und nun fällt meine Wahl ganz eindeutig auf den „tapferen kleinen Toaster“! Dieser (Kinder)Film steht einfach für all meine Gedanken und Empfindungen zu Nachhaltigkeit, Wertschätzung und alten Geräten, die es verdient haben weiter zu existieren, obwohl sie nicht mehr einwandfrei funktionieren. Und ja, ich habe total geheult! :‘ ) Ergreifender geht es wohl nicht.
18. Die beste CD?Da ich mittlerweile keine CDs kaufe, dafür aber sehr wohl Musik höre, ersetze ich diese Frage endlich mal durch:
18,5. Die beste Musik?
Wenn ich mal Musik gehört habe, dann wie im vergangenen Jahr sehr viel Electro Swing. Techno eigentlich kaum mehr, wobei ich das auch mal auf meinen iPod geladen habe. Dafür habe ich aber hin und wieder mehr „Gothic Musik“ gehört.
19. Das schönste Konzert?
Auf einem richtigen Konzert war ich nicht, aber immerhin zweimal tanzen, wovon ein Abend „fast“ ein Konzert gewesen ist. Zumindest legte Wolfgang Lohr (ein sehr, SEHR bekannter Electro Swing DJ) auf.
19,5. Der prägendste Moment?
Mit meiner halb so alten 17-jährigen Mitschülerin auf der Toilette. Klingt schräg, aber die Situation, weshalb sie dort war und ich ihr irgendwann gefolgt bin, war extrem prägend. Zumindest hat uns das auf eine schöne Weise verbunden.
20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Observer, auch wenn es weitaus weniger war als sonst, da wir beide ja die meiste Zeit in Schule/Arbeit eingebunden waren.
21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Observer! Es war zwar schwieriger, zusammen Zeit zu verbringen, und manche Gespräche waren wieder mal nicht ganz so leicht und für mich durch meinen Fokus auf so viele andere Dinge mental auch fordernder als die letzten Jahre, aber ich schätze diesen Austausch über alles und nichts nach wie vor! Und auch wenn ich ihn gelegentlich „ausquartiere“ habe ihn von allen Menschen am liebsten um mich und an meiner Seite. : )
22. 2025 zum ersten Mal getan?
Hui, wo fange ich da an? Diverse Unterstützungen beantragt, eine schulische Ausbildung begonnen, einen neuen Job gewagt, eine Mauer gemauert,…
23. 2025 nach langer Zeit wieder getan?
Die Schulbank gedrückt und meine Strebermentalität ausgelebt.
24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
– die Steuermist-Panik, die mich gelegentlich überkommt (was mir so durch den Kopf geht, kann man in meinem Monatsrückblick vom Mai nachlesen. Es ist der letzte große Abschnitt unter „existentielle Ängste“)
– die Aktion mit dem blöden Zahn
– Stress mit/durch die entferntere Verwandtschaft
24,5. Drei Dinge, die das Jahr noch besser gemacht hätten?
– ein Austausch mit der entfernteren Verwandtschaft zwischen allen Beteiligten inklusive Einsicht und somit die Chance auf RUHE (seltsam… das habe ich mir nämlich in ähnlicher Form das letzte Jahr ebenfalls gewünscht… traurigerweise habe ich das Gefühl, dass sich dieser Wunsch auch in den nächsten Jahren nicht erfüllen wird…)
– wenn sie nicht zu Beginn meiner Ausbildung beschlossen hätten, den asbestverseuchten B-Teil des Schulgebäudes mit den Werkstätten zu sanieren und ich somit meinen Spind noch hätte und nicht so viel unorganisierten Unterrichtsausfall (und jeden Mittwoch einen Rucksack, der 12 kg wiegt…)
– wenn ich mein Buch vor Ausbildungsbeginn noch veröffentlicht hätte… jetzt weiß ich nämlich nicht, wann ich den Kopf dafür wieder frei habe
25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass ich keine (finanzielle) Hilfe brauche.
26. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Vermutlich nicht ganz so viele. Dieses Jahr habe ich zwar zu Beginn den Menschen noch Zeit geschenkt, seit Beginn meiner Ausbildung hat das jedoch nachgelassen. Man sieht mich eigentlich nur noch, wenn Ferien sind und selbst da ist mein Kopf beim Lernen…
27. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Wie immer: Zeit und Ruhe! Und – ganz wichtig – ein gewisses Verständnis dafür, dass ich die gelegentlich einfach brauche. Zu spüren, dass es für jemanden okay ist, wenn man ihn wegschickt, tut unglaublich gut. Klingt schräg, aber ich bin eben ein Mensch, der hin und wieder ein paar Tage nur für sich braucht. Das Wiedersehen mit neuer Energie ist dann für beide um so schöner!
28. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Es ist nicht direkt ein Satz, aber ich habe sehr oft die Botschaft bekommen, dass andere total meinen Mut bewundern, mit 35 noch mal was ganz Neues zu wagen. Ich empfinde es zwar auch als kleines Abenteuer, aber bei weitem nicht so wie mein Umfeld.
29. Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich verstehe dich.
30. Dein Wort des Jahres?
Ganz banal: Muh! : D
31. Dein Unwort des Jahres?
Dieses Jahr fällt es mir echt nicht leicht, denn es gab so viele Unwörter…
– Lohnsteuertabelle
– Stadtbild (armes Wort…es hat für immer seine Unschuld verloren)
– produktiv (ich bin zwar verdammt gerne produktiv, aber ich kann das Wort im Zusammenhang mit Trumps „produktiven Gesprächen“ echt nicht mehr hören.. und rolle jedes Mal mit den Augen, wenn die tagesschau aus seinen Social-media-Beiträgen zitiert)
– …
…doch ich entscheide mich für Naivität. Ich mag das Wort eigentlich, aber ich habe es in diesem Jahr sehr oft als negativ empfunden, besonders in politischen Diskussionen. Es sollte nicht so ein abwertender Begriff sein… ich bin nämlich gerne naiv, auch wenn gerade weil die Welt um mich herum brutal scheint und die Naiven als die Idioten und Träumer dastehen lässt.
32. Dein Lieblingsblog des Jahres?
Keiner, da ich online kaum mehr etwas lese. Den Blog von meinem Leser Pit hätte ich gerne mehr bzw. aufmerksamer gelesen, da er auch ein paar sehr schöne Artikel geschrieben hat (was ich leider immer erst zu spät entdecke).
33. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchen vom vorigen Jahr!
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