Niederlagen

Wie geht man mit Niederlagen um? Das ist eine gute Frage, auf die ich leider keine allgemein gültige Antwort weiß. Ich weiß nur, wie ich definitiv nicht damit umgehen sollte.

Früher war ich da wirklich schlimm und habe es geschafft mich reinzusteigern bis zur absoluten Existenzhinterfragung. Zum Glück ist das heute nicht mehr so und ich kann mich bewusst dagegen entscheiden, so extrem zu reagieren. Damals lief das ganz automatisch in meinem Kopf ab und ich war zugegebenermaßen machtlos meinen negativen Gedanken ausgeliefert. Was hat sich geändert? Ich wünschte, ich könnte all jenen, denen es nach wie vor so ergeht, irgendwie eine Antwort dafür liefern. Ein Rezept X gegen Panik, Angst und Selbstzerstörung. Etwas, das sie nicht nur das dunkle sehen lässt, sondern auch alles andere. Aber das andere wirklich erkennen zu lernen ist so ein komplexer Vorgang…

 

Eine Niederlage ist für mich natürlich nach wie vor ein Schlag ins Gesicht. Und die negativen Stimmen in mir kennen mich ganz genau und wissen wo es wehtut. Wenn sich die Gelegenheit bietet, werden sie auch wieder laut:

„Oh, sie haben dich nicht ausgewählt? Dein Text war wohl nicht gut genug. Ist ja auch kein Wunder, denn du hast ja nicht mal Abitur oder studiert und bist nur eine doofe Fotografin, die nicht mal fotografiert…wer bist du denn schon? HAHAHA!“

Dem standzuhalten ist zugegebenermaßen wirklich oft nicht so einfach. Weil ich natürlich auch gerne studiert hätte. Weil ich mich in Wahrheit weniger wert fühle als jene, die studiert haben. Natürlich ist das absoluter Quatsch. Sagen mir alle. Egal ob studiert oder unstudiert. Weiß ich ja eigentlich auch…

Und ICH habe mich ja auch entschieden das Abi abzubrechen. Aus heutiger Sicht war das sogar eine gute Entscheidung. Ich bin nicht zu blöd. Auch nicht zu faul. Ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der das psychisch packt. Vielleicht, wenn mir jemand den Rücken frei hält und einen Teil meines Lebens in die Hand nimmt, sodass ich mich echt nur aufs Lernen konzentrieren kann? Sowas habe ich mir damals gewünscht… Aber mal ehrlich…wen hätte ich an meiner Seite akzeptiert? Meine Eltern konnte ich nicht ertragen, Mr. Chocolate dann schon eher,… Aber ich vermute, aus heutiger Sicht würde ich gar niemanden mehr so sehr in meiner Nähe zulassen. Mir fehlt irgendwie das Wort für dieses enorme Belastungsgefühl, das die dauerhafte Gegenwart eines anderen Menschen in mir auslöst…auch wenn er mir helfen will…

Genauso wenig würde es mir etwas bringen, studieren zu wollen ohne Geld dafür zu haben. Ich hasse es, wenn mir jemand etwas zahlt und noch mehr hasse ich es mich zu verschulden. Ich lebe auch jetzt lieber am bescheidenen Limit, aber dafür in dem Wissen, dass ich frei bin und auf nichts und niemanden angewiesen. Ich bin manchmal nicht ganz glücklich damit, weiß aber, dass mein Weg niemals Abi und studieren war oder sein wird, sondern Ausbildung, Job und Freiheit. Ich habe mich von allen und von allem gelöst, weil ich gemerkt habe, dass Abhängigkeit mich ängstlich, unsicher, krank und depressiv macht. Das hat zwar zur Folge, dass ich alleine bin und wohl auch bleiben werde…aber das nehme ich irgendwie lieber in Kauf.

 

So, jetzt bin ich scheinbar etwas vom ursprünglichen Thema der Niederlage abgewichen, aber irgendwie hängt auch das abgebrochene Abitur damit zusammen…

Im Übrigen werde ich mich meinen inneren Dämonen stellen und in die Schweiz fahren zum Philosophy Slam, auch wenn ich es nicht unter die 8 Teilnehmer geschafft habe und mich die Absage (wie man vielleicht etwas herauslesen kann) erst mal extrem getroffen hat. Ich will aber wissen warum das so ist und mich selbst davon überzeugen, ob ich da vielleicht einfach nicht mit meinem Text reingepasst habe. Und ich will mich von jenen inspirieren lassen, die wirklich besser sind als ich, denn vor denen ziehe ich den Hut. Ich will weiter kommen. Und wissen, wer ich wirklich bin und wohin ich gehöre…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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14 Kommentare        

Es klingt ziemlich paradox, aber ich glaube, ich verstehe, was du meinst…
Einzelne Erfahrungen/ Erkenntnisse werden in das „Allgemeine“ eingeordnet und in einen Kontext gebracht. Trifft uns eine Situation wie z.B. eine Niederlage, greifen wir darauf zurück. Klingt einfach, aber wenn man bedenkt, wie komplex der Geist ist und dass wir so auch (wie vorher beschrieben) bestimmte Verhaltensmuster entwickeln, muss man da manchmal auch um Ecken denken, um mit einer Situation anders umgehen zu können und somit vielleicht weiter und zu neuen Erkenntnissen zu kommen.

Wie geht man mit Niederlagen um? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. „Jedes Wort und jedes Tun hat Sinn und Geltung immer nur im augenblicklichen Zusammenhang des Geschehens“.
Wenn wir etwas erkennen, gehen wir von etwas konkretem Einzelnen aus und versuchen es in etwas Allgemeineres einzuordnen. Diese „Verallgemeinerung“ scheint eine typische Erkenntnismethode zu sein. Nur sehr, sehr allgemein betrachtet ist das die ganze Weisheit des Erkennens. In Wirklichkeit ist alles viel komplizierter. Komplizierter, aber trotzdem durchschaubar…

Hallo Schoko!
Erst einmal: Tut mir Leid, dass ich erst jetzt antworte. >__
Ich danke dir sehr für den Link! Allerdings kann ich leider auch kein französisch, werde mich aber auf jeden Fall damit auseinander setzen. Der Artikel verweist ja leider auf einen Link, der nicht mehr existiert, aber dafür die Seite. Hab den neuen Artikel zur Migration Overblog->Wordpress jedoch bereits gefunden. ; )
https://iv-oam.blogspot.de/2013/08/sauvegarde-overblog.html

@ Journey:

Oh echt? Das ist ja fies, dass die das einem vorher verheimlichen, dass das im kostenlosen Konto nicht geht.

Ja, ich kenn das nur zu gut, technische Hürden schiebe ich auch ganz gerne vor mir her. Vor allem, wenn ich dies alleine zu bestreiten habe.

Mh, ohne Kreditkarte ist das natürlich blöd, wenns keine Zahlungsalternative gibt. Ich hatte mir mal vor Jahren ein Bankkonto mit kostenloser Kredikarte geholt, da ich zwei, drei mal Bestellungen in Übersee getätigt habe. Und obwohl das nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit brach liegt, haben die mir doch tatsächlich letztens neue Karten zugesandt, da die alten zum Jahreswechsel ungültig wurden. Hätte nicht gedacht, dass das immer noch aktiv ist :-D

Oh ja, alte Links, da sagst du was … In alten Beiträgen meines Blogs schwirren noch einige veraltete Shortcodes zum Einbetten von YouTube/Vimeo-Videos, die ich auch noch durch neue ersetzen müsste, damit die Videos korrekt angezeigt werden.

Blöd ist auch, dass man zu Overblog recht wenig Infos auf Englisch oder Deutsch findet. Französisch kann ich (als Sprache) nur „Wulle wu ko sche a weg moa?“ ;-)

Wenn ich das richtig verstehe (hatte es mir mit Google-Translate übersetzen lassen) …
http://www.vrdigitalworld.com/wordpress/migration-dun-blog-depuis-overblog-vers-wordpress
… dann weicht das Overblog XML-Format vom WordPress XML-Format ab :-/ Sinnvoll wäre es also, hier mal bei Overblog anzufragen, wie die Migration zu WordPress zu bewerkstelligen ist. Auf der Seite gibts auch einen Link zu einem externen XML-Exporter, der jedoch mehrere Beschränkungen aufweist (u.a. maximal 500 Beiträge, max. 50 Kommentare pro Beitrag und keine Kommentar-Antworten).

Das Korrigieren von Links sehe ich da als geringstes Problem an. Wenn man kein kostenloses WordPress.com-Blog nutzen möchte, sondern es selber hosten möchte, hat man dabei natürlich die meisten Freiheiten, da man jederzeit beliebige Plugins installieren kann, um gewünschte Funktionen nachzurüsten.
Ansonsten gibts aber auf jeden Fall die Möglichkeit, die Exportdatei vor dem Import in einem Texteditor zu öffnen und dann mit Suchen und Ersetzen alle internen Links zu korrigieren.

Da geht es mir aber nicht anders…mir fällt da auch immer schwer bzw. geht das irgendwie sehr oft unter bei mir…

Und wow, vielen Dank für’s Nachsehen! Hab gerade selbst noch mal geguckt und festgestellt, dass sich leider nichts geändert hat und ich irgendein Paket buchen muss um die Funktion zu nutzen. Ohne Kreditkarte geht das alles sowieso nicht mehr, daher ist mir dieser Weg erst mal verbaut, sonst würde ich das mindeste einen Monat buchen, meinen Blog exportieren und dann kündigen. Allerdings weiß ich dann auch nicht, was ich mit den Daten anfangen soll? Theoretisch müsste ich das dann ja irgendwo einlesen, oder? Bei WordPress oder einem anderen Anbieter? Und was geschieht mit den ganzen internen Links? Da herrscht bei mir leider auch sehr viel Chaos, da ich ja schon mal eine Domain hatte und die Links sich nicht zurückgeändert haben, als ich das Abo hier auf Overblog gekündigt habe…
Das alles ist also eine seeehr große Baustelle, die ich mangels Wissen und Nerven schon eine Weile vor mich her schiebe… : / Über Hilfe wäre ich da schon dankbar, allerdings ist das wohl ziemlich viel Arbeit.

@ Journey:

Ja, wo ist nur die Zeit geblieben? Das bestätigt mal wieder, dass ich mich schwer damit tue, Kontakte zu halten.

War der Wegzug von Overblog nicht schon früher bereits ein Thema?
Seltsam, im Handbuch steht nichts davon, dass der Export nur mit Premium-Konto funktioniert:
http://manual-de.overblog.com/blog-exportieren

Auch im Vergleich wird nichts erwähnt:
http://manual-de.overblog.com/premium

Wenn ich dir gerade bei der Technik irgendwie helfen kann, sag Bescheid :-)

Das tut mir Leid, aber das unterliegt leider so gar nicht meiner Kontrolle. : /
Ich bin mit Overblog auch seeeeehr unzufrieden, habe mich aber noch nicht damit beschäftigt, irgendwie etwas anderes auf die Beine zu stellen. Meine Domain habe ich ja wieder, habe aber keine Ahnung, wie ich meinen Blog da drauf bekomme bzw. will ich ja nichts mehr mit overblog zu tun haben und die bieten mir ohne Premium Mitgliedschaft keine Möglichkeiten zum Export.

Hallo Schokokäse!
Freut mich, von dir zu lesen. Ist ja nun schon etliche Jahre her. : )

Es ist nicht immer gut, dem „gängigen“ Weg hinterherzugehen, der über Haus, Garten, Auto und Familiengründung führt. Mich würde das nicht glücklich machen. Das weiß ich, weil ich mich kenne. Allerdings frage ich mich, ob die meisten, die diesen Weg einschlagen, das auch wirklich bewusst so wollten. Ich glaube, das ergibt sich ganz oft einfach so…
Sicherlich zahle ich auch einen Preis, wenn ich so lebe wie ich eben lebe. Aber den nehme ich in Kauf. Ich bleibe ja nicht stehen deswegen. Ich mache nur andere Erfahrungen als jene, die ein „sesshaftes Leben“ leben.

Und ich hätte es wohl nicht lebendig durchziehen können. So wie ich bin und denke, wäre ich daran zerbrochen…

Oh, Links wie https://de.wiktionary.org/wiki/scheinbar funktionieren also nicht.
Und warum sind die Absätze verschwunden? In anderen Kommentaren seh ichs doch auch *protestier* ;-)

Hallo :-) Respekt auf jeden Fall für die Anmeldung zu dem Slam, egal ob angenommen oder nicht.

Vom Thema abgewichen? Ja, wohl wirklich nur „scheinbar“ ;-)

Ich kann das sehr gut verstehen, lieber bescheiden zu leben, als sich zu verschulden. Ich bin sehr erstaunt, wie viele meiner früheren Schulkollegen nun mit knapp Mitte 30 bereits mit Parter und Kind in einem Eigenheim wohnen. Insbesondere wohl mangels Fratzenbuch-Konto habe ich zwar keinen Kontakt mehr, aber von meinen Eltern erfahre ich doch ab und zu zumindest von denen, die auch im alten Heimatort sich sesshaft gemacht haben. Ich zahl da aber lieber weiter Miete, als mich gefühlt endlos lang von einem Kredit abhängig zu machen. Selbst als (sehr unwahrscheinlich) „spießiger“ Familienvater in der Reihenhaussiedlung oder so.

Schön, dass du dich mittlerweile nicht mehr so automatisiert runterziehen lässt. Wie du gut ekrnant hast, kann ein Abbruch manchmal auch die bessere Entscheidung sein, als es durchgezogen zu haben.

Du kannst diesen Text auch gerne auseinander nehmen und mir dein Kommentar als Mail schicken. : )
Und ich komme der Antwort immer wieder ein Stückchen näher, in dem ich immer öfter bzw. früher erkenne, wer ich nicht bin und auch nicht sein möchte…wobei ich ja schon eine ziemlich kontroverse Persönlichkeit bin und auch sein werde.

>>Liga? Und irgendwer ist dann irgendwann Meister? :-)
>>Diesem Denken verweigere ich mich in Sachen Kunst und Literatur so gut ich kann.
Das gefällt mir! Und im Grunde hast du recht, dass es eigentlich kein Wettstreit ist. Es ist keine sportliche Aktivität, bei der man ganz offensichtlich mehr Ausdauer hatte als jemand anderes (wobei sich das auch immer wieder ändern kann. Einmal Meister zu sein bedeutet nie, es immer wieder zu sein!)
Bei den Begriff „Liga“ bleibe ich aber trotzdem, da die Teilnehmer einen ganz anderen Erfahrungshorizont als ich hatten… Was mein Scheiben angeht, fühle ich mich also eher wie im Mittelfeld und ich weiß, dass vieles noch ausbaufähig ist. ; )
Stellt sich nur die Frage, wo ich damit hin will? Die Massen interessieren mich nur bedingt. Bzw. will ich sie nicht auf dem Wege erreichen, wie es viele bekannte Autoren tun. Sie schreiben, was gut ankommt, sich bewährt hat,..ich schreibe mir vielen Fragezeichen, die der Mehrzahl der Menschen wohl auch gut tun würden, mit denen sie aber nichts anfangen können oder wollen.
Ich bin daher froh, dass es Menschen wie dich gibt, die sich darauf einlassen und auch ihre eigenen Gedanken dazu vertreten! Das macht Mut und ohne Resonanz wäre das Schreiben auch irgendwie einseitig.

> Zwar weiß ich nicht immer, wer ich bin und wo ich reinpasse oder hingehöre …

Tja, das lese ich oft bei Dir. Insbesondere auch in Deinem Text „Wer bin ich??“ hier im Blog (und den man leider nicht direkt kommentieren kann). Ich wünsche Dir sehr, dass Du irgendwann nicht mehr so in diese Frage verbissen bist.

Hm, naja, vermutlich wünsche ich nur mir selber, dass Du irgendwann nicht mehr so in diese Frage verbissen bist ;-)

> Aber das war schon eine ganz andere Liga.

Liga? Und irgendwer ist dann irgendwann Meister? :-)
Diesem Denken verweigere ich mich in Sachen Kunst und Literatur so gut ich kann.

„Besser“ waren einige Texte auf jeden Fall! So gut durchdacht und vorgetragen…am besten fand ich den hier:
https://www.srf.ch/play/tv/kultur/video/gekuenstelte-intelligenz?id=77ca16d3-ffe9-40dc-8391-0f74a63c9581

Ich hatte allerdings mit meiner Vermutung recht, dass da nur studierte dabei waren…mir hat das ganze aber dennoch viel gebracht. Zwar weiß ich nicht immer, wer ich bin und wo ich reinpasse oder hingehöre, aber das ist definitiv nicht mein Platz, auch wenn es ganz schön dort war. Aber das war schon eine ganz andere Liga. Ich war froh, am Ende nur Zuschauer gewesen zu sein. : )

> Und ich will mich von jenen inspirieren lassen,
> die wirklich besser sind als ich, denn vor denen
> ziehe ich den Hut. Ich will weiter kommen.

Das ist gut, wenn du das tust. Sich von anderen inspirieren zu lassen, scheint mir immer gut zu sein, um über den eigenen Tellerrand hinauszu – wachsen :-)
Das Wort „besser“ würde ich aber in Frage stellen. Die angenommenen Texte passten in erster Linie besser zu den Kriterien einer speziellen Jury! Und das hat auch etwas mit dem Publikums-Geschmack zu tun, und damit auch mit dem aktuellen Mainstream.

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