Kurzgeschichte: Jade und Anis

Jade
Mein Name ist Jade. Ich bin 18 Jahre alt und momentan liege ich motivationslos auf dem Bett und starre einfach auf die Spinne, die über die Decke wandelt. Es ist Sommer. Draußen glüht die Hitze, doch in mir scheint alles kalt und leer. Es ist ein Toben der Stille. Ich schließe also die Augen und lasse noch einmal die letzen Tage vor meinem Auge ablaufen…besonders diesen einen, besonderen Tag, der alles verändert hatte…
Bis vor ein paar Tagen war ich noch fest davon überzeugt, hetero zu sein. Ich hatte einen Freund und war glücklich, endlich diese Gefühl zu spüren, dass ich schon so lange gesucht hatte. Es tat sich der Boden auf bei jeder Berührung. Es fühlte sich alles so richtig an. Es war, als gäbe es nur ihn und mich. Es war einfach Liebe. Gegenseitige Liebe. Ich war glücklich, schwebte auf Wolke sieben durch die Räume, die Stadt und um die Ecke. Und als letzteres der Fall war, stieß ich versehentlich mit einer Frau zusammen. Ich erschrak und blickte hinunter auf ein ca. 1.55 m kleines Püppchen mit großen grünen Augen und weißblonden Haren. Und bevor ich etwas sagen konnte, lächelte sie und meinte „Verzeihung“. Ich wunderte mich, da ich doch in sie gerannt war. Dennoch sagte ich „Macht nichts“, lächelte zurück und ging weiter, wie man das eben so macht. Außerdem war ich verabredet und wollte nicht zu spät kommen.

Anis
Ich drehte mich um und sah ihr noch eine Weile hinterher. Sie hatte kurze dunkle Haare und einen etwas eigenartigen, aber dennoch wunderschönen dunkel-melancholischen Stil. Irgendetwas zwischen Gothic, Punk und Diva mit hohen Schuhen. Ich blickte an mir hinunter und kam mir mit meinem rosa nur Gothic Lolita im Vergleich zu ihrem Schwarz vor wie ein Püppchen. Wie nachgemacht. Sie war so individuell. So…einzigartig.
Vielleicht war es gerade diese Faszination, die von ihrer Kleidung ausging. Die Art, wie sie sich bewegte. Ihr Lächeln, das mich dazu brachte, ihr zu folgen. Oder es waren einfach ihre gemalten Augen, deren Tiefe so vieles zu verbergen hatte…
Doch als ich ihr um die nächste Ecke folgte, war sie verschwunden.

Jade
Ich dachte immerzu an meinen Freund und musste mich selbst dafür auslachen, weil ich nie zu diesen Frauen gehören wollte, die so dermaßen an ihrem Partner klammerten. Ich war ja eigentlich keine Freundin von Kitsch und Händchenhalten. Naja. Man sieht das ja auch im Laufe des Lebens immer etwas anders. Meine Meinung bezüglich dem Liebesthema hat sich jedenfalls schon oft geändert. Letztendlich hatte ich resigniert und war froh, alleine zu sein und dann passierte es wieder…Liebe kann man nun mal nicht steuern. Normalerweise bin ich in solchen Angelegenheiten ja ziemlich misstrauisch, aber da wir lange Zeit davor sehr gute Freunde waren, wäre es doch idiotisch, wenn er mich gerade jetzt hintergehen würde.
Es war mittlerweile 17 Uhr und wir waren verabredet. Wie immer in der Stadtmitte. Ich wartete zwei Minuten. Ich wartete zehn Minuten…und irgendwann rief ich ihn an. Doch er nahm nicht ab. Also ging ich wieder, versuchte es aber noch ein paar Mal, da kam er mir aber schon entgegen. Und er sah nicht so aus, als hätte er gute Neuigkeiten…

Anis
Ich lief noch eine Weile durch die Stadt und bog letztendlich wieder um eine Ecke. Und wieder. Und wieder. Doch ich fand sie einfach nicht mehr. Als ich es letztendlich aufgab, weil das ja irgendwie auch bescheuert war, sah ich sie wieder. Mit einem Mann…Arm in Arm. Ich lehnte mich gegen die Wand. Einerseits, um nicht umzukippen, andererseits, um nicht gesehen zu werden. Ich sah aber weiter in die Richtung. Als sie losgingen, trieb es mich in die selbe Richtung und ich lief den beiden hinterher. Denn irgendwie konnte ich nicht glauben, was ich sah. Sie konnte doch nicht hetero sein…! Aber warum eigentlich nicht? Die Erfahrung lehrte mich, dass mehr Frauen auf Männer standen, als auf ihres gleichen. Irgendwie war es schade…sehr schade. Dennoch redete ich mir ein, dass das sicherlich nur eine Einbildung war und schlich den beiden hinterher bis in ein Café. Ich setzte mich an einen Tisch, von dem aus sie mich nicht sehen konnte. Ich bestellte ein Glas Wasser und wartete ab. Der Kerl sah zwar immer wieder zu mir rüber, sie drehte sich jedoch nicht um. Er hielt ihre Hand, sie seine. Ich dachte in dem Moment nichts, aber mir wurde dennoch etwas heiß. Und schlecht…

Jade
Ich hörte selbstverständlich die selben Geschichten und Ausreden wie immer. Dort Stress, da ein Problem. Dass ich keines war, wunderte mich Tag für Tag immer mehr. Ich beschloss sogar, nicht mehr meine zu erwähnen, da diese sowieso zu mickrig im Gegensatz zu seinen waren.
Er nahm meinen Arm wie immer und wir gingen nach einem kurzen Kuss in ein Café. Ich war streng darauf bedacht, nichts zu sagen. Er fragte dennoch die ganze Zeit, wie es mir denn gehe. Ich meinte immer wieder, dass es mir gut gehe. Das ging es mir doch auch. Es war alles perfekt. Oder etwa nicht?
Eigentlich…wenn ich so darüber nachdachte, war gar nichts perfekt. In fünf Minuten würde er wieder gehen. Ein kurzer Kuss und dann Lebwohl für die nächsten Tage. Wie immer eben. Ich frage mich ernsthaft, ob an einer Beziehung nicht mehr dran sein müsse. Wo kommt man denn hin, wenn man sich nichts (mehr) zu sagen hat? Wenn jeder sein Leben für sich lebt und sich nur ab und zu die Wege kreuzen, die wie Welten auseinanderliegen?
Ich sah ihm zu, wie er erneut auf sein Handy sah, sah seinen Ring am Finger, zu dem eine andere das Gegenstück hatte. Sah unsere Zukunft, die keine war. Sah mich, wie ich im Café mit meinem Freund saß. Aber im Grunde saß ich alleine da.
Ich merkte so gut wie keinen Unterschied, als er meinte, er müsse kurz für große Jungs. Ich starrte nur leer in meine Kaffeetasse, als sei darin eine Antwort zu finden. War das Liebe? Sehnsucht hatte ich ja. Aber war es das wert? Und war das ganze vielleicht nicht doch einseitig, wie es immer war? Gab es überhaupt gegenseitige Liebe? Oder war alles immer kahl. Einseitig. War es immer so, dass einer einfach mehr liebte, als der andere?
Mir gingen Fragen über Fragen durch de Kopf. Und auf keine einzige gab es eine Antwort. Nur Erfahrungen. Und ich hatte in dem Moment wirklich das Gefühl, dass ich davon zu wenig hatte. Gleichzeitig war ich jedoch bedient und wollte nicht noch tiefer fallen. Die Definition von Liebe sah bei mir nämlich so aus, als würde mich jemand fesseln und die Treppe runterwerfen. Immer eine Stufe tiefer…und das musste wirklich nicht immer und immer wieder vorkommen.
Ich trank meinen Kaffee aus und fasste gleichzeitig den Entschluss, das ganze zu beenden. Freundschaft und Liebe, hin oder her. Wenn zu viel Leid im Spiel ist, dann kann etwas nicht stimmen. Und vielleicht hatte ich ja nie wirklich eine Beziehung, weil das Leid immer Oberhand gewann und eine Beziehung unter diesen Umständen gar nicht möglich ist. Aber vielleicht bin ich ja doch nur ein Kind, das immer wieder bei null anfängt…und nach jedem Ende immer noch keine Ahnung hat, wie man eine Beziehung führt…
Um auf die Uhr zu sehen, drehte ich mich um. Und auf einmal sah ich in zwei große grüne Augen. Ich erschrak und ließ beinahe die Tasse fallen, die ich immer noch in der Hand hielt. Es war die Frau von vorhin. Die in dem rosa Kleid. Sie schwieg und sah mich vielsagend an, sagte aber immer noch nichts. Also begann ich diesmal. Spontan sagte ich „Hi. So sieht man sich wieder, nä?“ „Ja…das scheint wohl Schicksal zu sein.“ Sie lächelte. Ich lächelte. Und irgendwie hatte das etwas Beruhigendes. Ein Duft lag in der Luft, die Sonne schien durch das Fenster, und ich sah in zwei Augen, die Geschichte schrieben. Und dann kam mein Freund und ich drehte mich wieder zu ihm um. Ich roch noch einige Sekunden einen verzauberten Bonbon-Geruch, bis er endgültig verschwand.
Mein Freund fragte mich nicht wer das war. Ich fragte auch nicht nach seinem Ring. Ich kam auch nicht mehr dazu, denn er hatte wie gesagt einen Termin und ließ mich sitzen. Ich verließ das Café, setzte mich auf eine Bank und starrte durch die Gegend, als sich auf einmal die Frau mit dem rosa Kleid neben mich setzte.
Sie sah auch geradeaus und begann dann zu sprechen ohne mich anzusehen: „Wie geht es dir?“ Ich überlegte eine Weile. Aber dann kam ich zu dem Schluss, dass ich ihr ruhig von allem erzählen konnte. „Nicht so gut…das da vorhin im Café…“
„War dein Freund?“
„Ja…und ich habe den schweren Verdacht, dass er mich anlügt. Bzw. nicht zu sagen, was man macht ist ja auch irgendwie anlügen…“
„Er sagt dir nicht, was er so macht?“
„Nicht wirklich. Von 100 Mal sagt er es mir vielleicht 10 Mal. Und selbst das muss man ihm mehr oder weniger aus der Nase ziehen.“
Ich blickte nur noch auf den Boden, schloss die Augen und sah ganz deutlich ihn mit der anderen Hand in Hand durch die Stadt laufen. Er hatte schon immer viele Frauen um sich. Er war schon immer der Halunke der ganzen Stadt. Ich dachte, dass ich auch seine andere Seite kennen würde. Ich dachte, ich hätte eine gute Menschenkenntnis…aber Liebe macht blind.

Anis
Es tat mir irgendwie weh, das Mädchen so unglücklich zu sehen. Aber irgendwas musste man doch tun können, oder? Ich blickte auf. Suchte nach einer Antwort. Und fand diese auch. Ihr Kerl lief gerade telefonierend vorbei. Ich stand auf, nahm die Hand des fremden und doch so vertrauten Mädchens und meinte, dass es an der Zeit wäre, das alles auf Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Sie stimmte zu und wir schlichen ihrem Ex-Freund, der noch gar nicht wusste, dass er das womöglich war, hinterher.
Und prompt sahen wir ihn schon mit einer anderen. Die zwei liefen allerdings nicht Arm in Arm. Mir gefiel die Sache aber trotzdem nicht. Wir folgten den zwei in ein Restaurant, was ja nicht gerade unauffällig war. So oft es ging, ergriff ich deshalb die Hand des Mädchens und führte sie mal in die Richtung und mal in eine ganz andere. Hauptsache man sah uns nicht. Am Ende saßen wir an einem Tisch hinter einem Aquarium durch das wir gut hindurch blicken konnten. Wir bestellten zwei Wasser, zahlten und warteten ab, was passieren würde.

Jade
Ich war am Boden zerstört. Ich saß einfach da und wollte tot sein. Mir wurde klar, wie blind ich war. Aber hatte ich denn konkrete Beweise? Ich wusste genau, dass ich nicht das recht hatte, irgendetwas über den Ring oder seine geheimnisvolle Freizeit zu sagen. Und doch…war da etwas nicht in Ordnung. Wie sollte das alles bloß enden?
Und als ich kurz vor dem Zusammenbruch war, wehte der Bonbonduft zu mir herüber und die Frau ergriff meine Hand. Sie hatte meinen Freund erblickt und wollte mir helfen. Ich wusste nicht so recht, ob das gut war, dass mir eine Fremde bei Liebesproblemen half, deren Name ich noch nicht einmal kannte, aber da waren wir auch schon hinter ihm her. Und mich traf der Schlag. Denn neben ihm lief die andere. Sie gingen in ein Restaurant. Ich wollte weglaufen. Schreien. Zusammenbrechen. Nie wieder aufsehen. Aber vor allem wollte ich da nicht rein. Doch die Frau nahm erneut meine Hand und führte mich durch das Restaurant an einen Tisch. Und ihre Hand war so warm und sanft, dass es mir so vorkam, als würde sie mir ein bisschen meiner Angst nehmen. Wir saßen hinter einem Aquarium und mein Freund saß mit der anderen auf der anderen Seite des Raumes. Wir hatten sie gut im Blick und falls etwas schief gehen sollte, waren die Getränke auch schon bezahlt. Ich sah die Frau an. Irgendwie öfter, als die anderen beiden, wegen denen wir eigentlich hier waren. Sie erwiderte auch ab und zu den Blick, sah dann aber wieder zu den anderen. Ich beschloss, mich auch wieder darauf zu konzentrieren. Und mich traf erneut der Schlag. Denn die zwei waren gerade dabei sich näher zu kommen. Und näher…und näher…und mir wurde schwindlig. Sie küsste ihn. Auf die Lippen, die vor fünf Minuten noch mit meinen verbunden waren. Ich dachte nicht nach. Mir einem Ruck stand ich auf. Die Frau sah mich leicht schockiert an, die Bedienungen ebenfalls. Ich ging um das Aquarium herum. Das Restaurant wurde still. Die zwei lösten ihre Lippen von einender. Er sah mich schockiert an und so stand ich da. Alle Augen auf mich gerichtet. Und die Wut machte Puff und ich war so verbittert wie vorher. Ich sah auf mein Armband, dass er mir irgendwann einmal geschenkt hatte. Und ich zog es aus und schmiss es ihm ins Gesicht. Ohne Worte. Ich drehte mich um, nahm die Frau an der Hand, da das ja normal zu sein schien und verließ hoch erhobenen Hauptes das Restaurant.

Anis
Natürlich kam, was kommen musste. Ein Skandal. Der Typ küsse die andere und das Mädchen kam damit nicht zurecht, stand auf und schleuderte ihm etwas ins Gesicht. Manchmal wünschte ich, dass ich auch so mutig wäre…ich kann zwar gut Leuten hinterherspionieren, aber ich bin immer ruhig im Hintergrund und leide für mich im Stillen.
Als das Mädchen jedenfalls aufstand, stand ich auch langsam auf und stellte mich neben den Eingang. Von dort aus konnte man alles gut beobachten. Als sie wieder kam, nahm sie überaschenderweise meine Hand und wir verließen das Restaurant.
Ich sagte sofort zu ihr, dass sie das gut gemacht habe, doch sie lehnte sich gleich gegen die Wand, als wir um eine Ecke gebogen waren, und sackte zusammen. Mich schockierte das nicht sonderlich. Ich setzte mich sogar neben sie und legte ihr die Hand auf die Schulter.
„Weißt du…“, schluchzte sie „mir gerät immer alles außer Kontrolle. Nichts gelingt mir. Weder die Liebe noch das Leben…“ Ich zog sie langsam an mich, damit sie sich gegen mich lehnen konnte. Lesben, Heteros, Schwule hin oder her. Sie brauchte jetzt Trost und jemand, der für sie da war. Und so, wie ich die Frauen kenne, kommt jetzt die Arschloch-Phase in denen jeder Mann nichts Gutes verheißt. Ich begann also, ihr lieber eine Geschichte zu erzählen…„Soll ich dir eine Geschichte erzählen? Die Geschichte von schwarz und weiß?
Angenommen, Weiß ist eine Frau…
Helle Haut, hellblonde lange Haare und große Augen, die allerdings dunkel geschminkt sind. Augen, die die Seele widerspiegeln. Weiß kann sie nicht übermalen. Doch sie macht sich keine Gedanken. Bewusst unbewusst keine Gedanken…
Weiß hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Immer beherrscht gut gelaunt zu sein. Immer versucht, sie selbst zu sein. Immer perfekt. Immer weiß… Sie läuft und ist sich jeden Schrittes bewusst. Sie plant alles. Doch die Absätze ihrer weißen hohen Stiefel beginnen sich langsam abzunutzen. und sie merkt wieder einmal, dass sie gar nicht so groß ist, wie es scheint. Und auch der weiße, fellbesetzte Mantel beginnt sich aufzulösen. Die dunkeln Augen werden leer, schweifen ab ins Weite, in eine andere Dimension, füllen sich mit Tränen. Ist wirklich alles so perfekt? Ist Weiß wirklich so glücklich? Ist ihre Seele so weiß und rein wie sie zu sein scheint? Sie sollte es doch besser wissen. Weiß ist Schauspielerin. Sie weiß alles. Sie kann jede Rolle spielen. Doch eigentlich, so weiß sie, ist alles ganz anders, als es scheint. Eigentlich ist sie ratlos und verzweifelt. Eigentlich weiß sie nicht, wer sie ist. Und all das planbewusste Handeln, das rationale Denken bringt ihr auf einmal nichts mehr. Scheint nicht mehr zu existieren. Füllt die Leere mit mehr Leere. Und am Ende zerstört das Ungleichgewicht in ihr alles an den scheinbar perfekt zurechtgelegten Prinzipien. Alles bröckelt ab. Die weiße Farbe macht dem Nichts Platz, wird schmutzig, fühlt sich dreckig an. Jede Emotion klammert sich verzweifelt an die fast schon weißen Haare. Zerrt an ihrem Bewusstsein. Macht ihr ein schlechtes Gewissen. Lässt all das fein säuberlich übermalte schwarz werden.
Und die Farben beginnen sich neu zu mischen. Ab jetzt ist sie Schwarz. Verhasst ist ihr das Weiße. Die Vergangenheit. Die weißen Haare, die helle Haut und alle dunklen Kleider führen ab jetzt einen Kampf. Sie will eigentlich wieder die Perfekte spielen. Sie will wieder Weiß sein. Sich einreden, dass alles doch noch gut wird und es auch zu Anfang glauben. Bis das schwarz ihrer Augen wieder die Macht an sich nimmt und sie sich ohne es zu wollen ganz ihren Emotionen hingibt. Nur alleine, weil immer noch etwas an ihr weiß und beherrscht ist. Weil sie es nicht schafft, sich vor anderen ganz aufzugeben. Sich hinzugeben. Sich fallen zu lassen. Zu vertrauen. Zu leben. Weil ihr Perfektionismus das nicht zulässt. Ihr Herz? Bunt. Vielseitig. Tausendmal übermalt und trotzdem farbenfroh. Bis sich die Farben wieder vermischen und das Spiel von vorne beginnt…und egal, was sie macht. Das Leben von Weiß/Schwarz wird immer farblos sein. Unterliegt immer ihrem Verstand und ganz alleine im stillen ihren Emotionen. Leid der Seele.
Schwarz nach außen, weiß nach innen. Weiß nach außen, schwarz nach innen. Und der Boden bricht unter ihr zusammen. Schwarz und Weiß…“
Das Mädchen begann mich im Laufe der Geschichte immer verblüffter anzustarren. Mit großen Augen. Ich blickte sie ebenfalls an und lächelte, als ich fertig war.
„Wow…was ist das für ein Text?“ fragte sie mich.
„Den habe ich mal geschrieben, als es mir damals so ähnlich ging wie dir jetzt. Ich kam mir auch so unendlich klein vor. Und zu allem Überfluss bin ich das auch. Aber heute kann ich damit Leben. Nur bringen mich dennoch die ein oder anderen Dinge aus der Bahn. Auch, wenn ich heute schon 27 und um einiges schlauer bin. Aber es bringen einen immer wieder Kleinigkeiten aus der Bahn, weißt du. Und ob du in der Liebe nun Vollgas mit deinen Emotionen gibst und sie einfach rauslässt, wie sie kommen oder ob du dich komplett zurückziehst…das Leid wird dadurch mit Sicherheit nicht vermindert. Ich habe dich mit deinem Kerl im Café gesehen. Und du warst so ruhig. So still…so beherrscht, nicht zu nerven und nichts falsch zu machen. Schon da ist mir der Text eingefallen, aber da hat das noch nicht so gut gepasst…“
„Ja…da hast du wohl recht. Mein Schutzmechanismus hat einfach nicht funktioniert. Ich wusste, dass er mir wehtun wird. Weil er es die ganze Zeit über tat, indem er mich alleine ließ.“
„Genau. Im Grunde hättest du dich ihm genauso um den Hals werfen können. Aber vielleicht musst du mache beziehungstechnische Dinge noch lernen. Wie alt bist du denn? Und…wie heißt du eigentlich?“
„Ich bin 18 und ich heiße Jade. Und du?“
„Anis.“
„Schöner Name…“
Jade lächelte und lehnte sich an mich. Ich blickte hinauf in den Himmel, an dem die Sonne langsam unterging. Die Sterne erschienen zahlreich am Himmelszelt. Einer nach dem anderen. Und eine Sternschnuppe flog vorbei. Ich schloss die Augen und wünschte mir, dass das Leben manchmal einfacher wäre…Männer-Frauen, Frauen-Frauen, Männer-Männer,… warum konnte man nicht einfach immer so da sitzen und einfach den Moment genießen? Warum drehte sich alles immer nur um Zeit und Geld. Und niemals um die Liebe? Warum war die Liebe einfach nichts mehr wert…? Und warum tun Menschen lieber 1000 andere Dinge, als Liebe und Beziehungen zu hegen und zu pflegen?

Ein paar Tage später… – Jade
Ich öffne meine Augen wieder. Die Spinne ist immer noch da. Ich nehme mein Handy in die Hand, sehe es mir an. Drehe und wende es. Und als ich mich dazu überwinden kann, Anis anzurufen, klingelt es auch schon und ihr Name erschient in rosa auf dem Display. Ich muss lächeln…
Eine halbe Stunde später laufen wir Arm in Arm durch die Stadt. Sie hat eine schwarze, ich eine rosa Schleife im Haar. Wir haben uns nicht abgesprochen…


Anmerkungen der Autorin: Diese Geschichte sollte ursprünglich aus 60.000 Wörtern bestehen, aber da lange Texte schreiben nicht mein Spezialgebiet ist und ich nur noch fünf Stunden Zeit hatte bis zum Einsendeschluss, habe ich mir gedacht, dass ich mir keinen Stress mache und das einfach in Ruhe soweit schreibe, wie ich möchte, da ich das Thema an sich ganz interessant fand… : )
Außerdem bin ich sowieso nicht wirklich lesbisch.

Posted by Journey

Kategorie: (Kurz)geschichten

Autor: Journey

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2 comments

hy
Die Geschichte ist echt gut.
wie gehts dir so??
musstest du nicht wieder in die schule ??
Lg :-)

Hey : )
Mir geht es wieder etwas besser, aber ich frage mich nur, wie lange das noch anhält… Und ich habe nur noch diese Woche Ferien. Dann geht es wieder in die Schule…zum Glück.
Liebe Grüße ; )

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