Logbuch #36

Ich verfolge ja neben den allgemeinen Nachrichten vor allem auch alles Mögliche aus dem Bereich Psychologie und Philosophie. Und immer wieder kommt da natürlich auch das Thema Corona auf und wie man mit der „sozialen Distanz“ umgeht, was das mit uns macht, etc.

Diese Artikel überfliege ich jedoch meist nur, bzw. beginne zu lesen und verliere dann die Konzentration, weil ich mich so gar nicht darin wieder finde und es anstrengend wird, wenn ich dennoch versuche das ganze zu verstehen.
Und da es mir so schwer fällt mich reinzufühlen, wie einen das so belasten kann, frage ich mich: Was stimmt nicht mit mir?

Immer wieder lese ich, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Dass wir den Kontakt zu anderen brauchen, verstehe ich ja. Unsicher bin ich mir aber bei Aussagen, welche beinhalten, dass der Mensch in Stress gerät, wenn er alleine ist und krank wird. Das „alleine“ wird hierbei meiner Meinung nach zu oft mit Einsamkeit gleichgesetzt. Die macht einen natürlich krank.
Und ich weiß, dass das ein sehr sensibles Thema ist, aber ich will einfach mal loswerden, dass ich denke, dass das Alleinsein an sich nicht zwangsläufig krank machen muss und wir nicht automatisch einsam in der jetzigen Zeit sein müssen, wenn wir den Kontakt zu anderen halten, uns gegenseitig auch irgendwie (psychisch, nicht physisch) festhalten und uns nicht verrückt machen mit all den Gedanken, was gerade alles nicht möglich ist.

Ist es also nur Kopfsache, wenn jemand so in Stress gerät?

Verfüge ich über weniger Menschlichkeit, weil ich mir insgeheim denke, dass die Zeit gerade eigentlich ganz schön ist, während andere ihr „altes Leben“ zurück wollen und Probleme mit der Ungewissheit haben, wann diese Zeit denn endet?

Als belastenden Faktor hat meine beste Freundin (mit der ich darüber am Telefon gesprochen habe), noch genannt, dass wir uns das nicht ausgesucht haben, sondern dass das Kontaktverbot von außen kommt. Für beinahe alle, die ich so kenne, ist das auch was anderes, als wenn man sich selbst dazu entscheidet, sich zu isolieren.

Ich hingegen nehme einfach hin, dass über mich entschieden wurde und ich von jetzt auf gleich nicht mehr Zugfahren oder tanzen gehen kann (was für mich gewiss auch zu meiner Identität gehört!). Aber ich kann dafür verdammt gut damit leben… vielleicht zu gut? Bin ich dadurch etwa kein Mensch? Oder komme ich mit dem Alleinsein einfach besser klar als andere, weil ich seit meiner Kindheit ein Einzelgänger bin? Habe ich mir diese Isolation vielleicht auch etwas gewünscht und dadurch zu meiner Entscheidung gemacht? Oder bin ich vollkommen verbittert und verdränge das alles einfach nur? Oder fühle ich wirklich keine Sehnsucht, so wie ich auch keine Eifersucht fühle, weil sie mir einfach nicht logisch erscheint?

Posted by Journey

Kategorie: Logbuch

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2 Kommentare        

Ja, „alleine“ bzw. „Alleinsein“ ist ein sehr dehnbarer, subjektiver Begriff. Da bin ich vollkommen bei dir, das nicht mit „Einsamkeit“ gleichzusetzen. Manche fühlen sich alleine, auch wenn sie sich oft in virtuellen Runden zusammenfinden, weil ihnen die realen Kontakte fehlen. Jede*r hat ein anderes gesellschaftliches Bedürfnis, das durch virtuelle und reale Kontakte auch jeweils subjektiv unterschiedlich ausgefüllt bzw. erfüllt werden kann.

Als belastenden Faktor hat meine beste Freundin (mit der ich darüber am Telefon gesprochen habe), noch genannt, dass wir uns das nicht ausgesucht haben, sondern dass das Kontaktverbot von außen kommt. Für beinahe alle, die ich so kenne, ist das auch was anderes, als wenn man sich selbst dazu entscheidet, sich zu isolieren.

Genau mein Gedanke. Wobei ich gerade bemerkt habe, dass ich das noch gar nicht so konkret niedergeschrieben habe. Auch ich dachte anfangs, dass mich das psychisch stark negativ beeinflussen wird.

Mittlerweile geht es mir aber gefühlt wie immer so „naja“. Wohl, weil alles im Großen und Ganzen „wie immer“ ist. Die Arbeitssituation hat sich nicht verändert und ich geh selten raus. Und da private Spielenachmittage bisher recht unregelmäßig stattfanden (deutlich weniger als 1x monatlich), gibt es da auch keine innerliche Erwartungshaltung.

Daher kann ich dich beruhigen, du bist mit deinem emotionalen Schulterzucken zu diesem Physical Distancing nicht … alleine 😉

Jede*r hat ein anderes gesellschaftliches Bedürfnis, das durch virtuelle und reale Kontakte auch jeweils subjektiv unterschiedlich ausgefüllt bzw. erfüllt werden kann.

Das tifft es wirklich wunderbar auf den Punkt!

Und bei mir dachten anfangs eher die anderen, dass mich die Coronageschichte negativ belastet…aber ich bin eigentlich recht positiv geblieben bis jetzt. Schlechte und schwierige Tage hatte ich natürlich auch in der Zeit, aber ich stecke das gefühlt irgendwie besser weg bzw. kann mich besser davon erholen.

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