Ich schlage die Zeitung auf und…

BOOM!…trifft mich die Muse wie ein Schlag…

Ich lese wie jeden Mittwoch zuerst die Kontaktanzeigen in dem Kleinstadtblättchen, das einem hier umsonst hinterhergeschmissen wird. Die Tageszeitung kann warten.
Und wie jeden Mittwoch würde ich am liebsten ganz viele Leserbriefe an diese kleine Zeitung schreiben und ihnen so richtig mit Sarkasmus den Wind aus den Segeln nehmen. Es wäre eine Bereicherung. Denn diese kleine Zeitung ist fast nur mit Boy-&-Girl-der-Woche-Geschichten und halbwegs interessanten, aber wenigen, geschriebenen Artikeln, vollgestopft. Und mit Kleinanzeigen. Ich stelle mir somit vor: Eine Seite für mich. Nur mit Text und ohne Bilder. Auch, wenn ich gelernt habe, dass Menschen eher auf die Bilder in Zeitungen reagieren. Das wäre mir egal. Irgendeiner, der alles liest, wird auch das lesen. Außerdem werden alle sowieso dementieren und meine Meinung und Ansichten zum Leben und besonders zu Beziehungen verteufeln.
Mir stellen sich beim Lesen dieser wunderbar präzise formulierten Er-sucht-sie und Sie-sucht-ihn-Anzeigen jedenfalls folgende Fragen:
1. Bin ich verrückt, weil ich alleine sein will? Oder sind die verrückt, weil sie nicht fähig sind, alleine zu sein und ihr Glück in einer solchen Zeitung suchen? Wo bleibt da das gewisse Fünkchen Niveau?
2. Wer liest die Anzeigen eigentlich? – außer mir natürlich…
3. Diese Dominanten und Devoten und Rentner und Witwen und was-weiß-ich-nicht-alles für Leute, die nur danach gieren nicht alleine zu sterben, nicht alleine zu sein, weil jeder jemanden hat, oder einfach nur Sex wollen…was haben die eigentlich für Wertevorstellungen? Glauben sie, dass sie alleine nicht überleben können? Warum denken sie nicht nach? Warum fragt sich hier keiner außer mir, warum man überhaupt Beziehungen führt?!?
Man beliebt doch jederzeit über Beziehungen zu scherzen und wenn ich davon anfange meint jeder, er könne auch alleine sein. Aber zu zweit sei es eben schöner. Aha. Aber aufregen tut man sich. Eifersüchtig ist man. Gibt aber keiner zu.
Nun gut, vielleicht mag ich ja eifersüchtig sein. Vielleicht mag das jeder hier so nennen. Mich regt es eigentlich nur auf, dass der Themenkomplex Beziehung in dieser Gesellschaft einen höheren Wert hat, als er verdient. Überall wird man dazu aufgefordert einen Menschen an sich zu binden. Und wenn das einem nicht gelingt, bleiben nur Komplexe übrig. SMS-Chat, Internet-Single-Börsen und Kontaktanzeigen. Ja sogar Romane lassen einem keine Ruhe. Ist man so verzweifelt? Muss man sich das wirklich und allen ernstes antun? Die Deutschen und auch der Rest der Welt sollten lieber mal auf ihre Bildung achten und nicht hoffen, dass sie schon irgendein Depp ernähren wird und sie die Liebe ihres Lebens finden, weil das ja anscheinend der Sinn vom Leben sein soll. Hauptsache man liebt und man hat Sex.
Ich möchte nicht bestreiten, dass man auf diesem Weg weniger erlebt als auf dem Weg der Karriere, des Erfolges und harter Arbeit. Aber was ist bewundernswerter? Was ist wichtiger? Liebe ist schon lange keine Liebe mehr. Liebe ist nur noch etwas Hormongesteuertes mit Todesgefahr. Es gibt in Wahrheit keine Verbundenheit. Und heutzutage ist es auch egal mit wem man sich bindet, solange er oder sie nicht zu alt oder zu jung ist oder auf der Straße lebt und keinen Job hat. Hauptsache man tut es.

Aber noch mal zurück zu den kuriosen Kontaktanzeigen:
Mein früherer Mathelehrer hatte immer diesen Alien-Tick. Wie würdest du einem Alien einen mathematischen Bruch erklären? Der Trick hat bei mir damals leider nicht funktioniert, weil ich Brüche selbst nicht verstanden habe und sogar heute noch leichte Schwierigkeiten damit habe.
Meine Frage lautet nun: Was würden die Aliens von uns denken, wenn sie enthusiastisch auf die Erde kämen, diese Zeitung aufschlagen würden (ja, sie können lesen) und ihnen dann Titten oder die Überschrift „Dominanter 49-jähriger sucht devote 20-jährige für eine gemeinsame Zukunft“ lesen würden? Wenn man die Welt mal von außen betrachtet; neutral, entgegengesetzt jeglicher Gewohnheiten, dann wäre da aber ein ganz schlechtes BILD von uns zu sehen. Nur sieht’s keiner mehr, weil wir von klein auf darauf getrimmt werden uns zu integrieren. Mein Pädagogik/Psychologielehrer meinte zu mir, als ich ihn nach dem Platz des Non-Konformisten in der Gesellschaft gefragt habe, dass die Non-Konformisten sich zwar sträuben, aber trotzdem ein Teil in dieser Gesellschaft sind. Und wenn nicht, dann solle man sich die Kleider vom Leib reißen und in den Urwald rennen. Ich soll also aufgeben? Aufgeben gegen eine ganze Gesellschaft und ihre Prinzipien anzukämpfen? Weil ich keine Chance habe? Alleine mit Sicherheit nicht…wo sind eigentlich die ganzen anderen Non-Konformisten? Die Denker, von denen ich gerne eine plausiblere Antwort hätte als „in den „Urwald rennen“. Gibt es sie überhaupt noch? Oder sind sie mit der Epoche des letzten Jahrhunderts ausgestorben. Passt sich jeder nur an…und keiner denkt mehr nach…
Wobei…gerade wir Deutschen sollten über unser Handeln nachdenken…damit sich Geschichte nicht wiederholt. Es fängt einfach an…aber man weiß, wie es endet. Und es gibt niemanden, den man stürzen kann…keiner hat Schuld, nur wir selbst…

Ich frage mich immer mehr, wie sich die Gier nach Beziehungen eigentlich verbreitet hat…sicherlich haben sie ganz früher auch Beziehungen geführt, wurden verheiratet, hatten aber doch ihre Mätressen, während die doofen Frauen ruhig Kinder kriegen und im Bett liegen durften, bis sie wieder ansehnlich waren.
Zugegeben, das war vielleicht im Mittelalter bei den Adeligen so, aber heutzutage wenden wir uns auch keinem besseren Schema zu. Okay, man hat die Wahl und kann jederzeit gehen…(wenn man gerade nicht von seinem Ex erdrosselt wird). Ich bin ja der Meinung, dass wir uns immer mehr dem Sex and the City Modell zuwenden. Entweder Traumhochzeit mit Mr. Big oder einfach Spaß und Sex haben „wie ein Mann“. Aber die Konservativen darf man auch nicht vergessen! Die, die noch brav Kinderlein zeugen und heiraten um Steuern zu sparen…usw. …

Natürlich werde ich keinen dieser Gedanken in einer Zeitung veröffentlichen. Mich versteht sowieso keiner, aber dafür habe ich ja diesen wundervollen Blog in dem ich schreiben kann was ich will.
Und natürlich sind das alles hier Vorurteile. Ich habe aber nichts gegen diese Menschen. Nur gegen ihren Drang Beziehungen haben zu wollen und das für normal zu halten. Und ich habe etwas gegen die Gesellschaft. Das System. Den verdammten Generationsvertrag…Steuern…

Und Liebe? Was ist nüchtern gesehen schon Liebe? …Herrgott, ich war mit 14/15 ja auch so. War naiv, habe geträumt, gehofft, dass alles gut wird, dann kam die erste große Liebe in Form von einem Alki und die Erkenntnis, dass Sex dem Mann eh mehr bringen wird als mir und dass jeder Kerl, sogar Dieter, (und der ist halbwegs anständig und noch emotional) nur Sex von mir will. Also bleibe ich Single. Es sei denn, es findet sich irgendjemand interessantes auf dieser Welt, der nicht über 50 ist und mich nicht als Jugendliche sieht. Aber so wie es aussieht stehen die Chancen schlecht. Aber im Grunde ist mir das egal. Ich bin sowieso zu wählerisch. Ich finde ja nicht einmal wirkliche Gesprächspartner…das würde mir schon reichen…

Posted by Journey

Kategorie: Allgemein

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