Von der Angst einfach stehen zu bleiben

Aufstehen
Von 0 auf 181 in einer Sekunde
Gedanken rasen
So früh am Morgen
Frühstück vorbereiten
Nichts anbrennen lassen!
Noch mal 1001 Gedanken
Stress
Und bloß nicht zur Ruhe kommen…
Zur Arbeit
Was leisten
Sich beweisen
Jeden Tag 101 % geben müssen
Es reicht nicht
Stress
Keine Zeit zur Ruhe zu kommen
(das wird nicht bezahlt…)
Mittag
Essen runter schlingen
Nebenher versuchen ALLES zu erledigen
Alles ist nicht viel
War es nie
Wird es nie sein
Aber alles ist ZU viel!!
…alles reicht aber auch nicht
Es muss mehr sein
Mehr als alles!
Gestresst
Keine Ruhe…
Feierabend
Nicht nach Hause wollen
Immer noch das Gefühl haben
Heute wieder nichts geleistet zu haben
Zu wenig erledigt zu haben
Der Kopf wird nicht leerer
Nur voller und voller
Also immer noch gestresst
Und nicht zur Ruhe kommend…
Abends im Bett
Minderwertigkeitsgefühle
Selbsthass
Abschiedsbriefe schreiben
ALLES versuchen zu erklären
Loszuwerden
Wegzuwerfen und darauf zu spucken!
ALLES losschreiben
Die Last meines Daseins
Und das LeiD in mir
Und es erobert sich seinen Raum zurück und…
Aufstehen!
Hab was vergessen…
Aufstehen
Von 0 auf 181 in einer Sekunde…
Immer gestresst
Wohl nie zur Ruhe kommend…
Einfach keine Zeit zum…

Posted by Journey

Kategorie: Gedichte

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4 Kommentare        

Gegenvorschlag für den Mittag (so ähnlich erlebt vor zwei Tagen):

Mittag
Essen in einem fremden Cafe kaufen
wo nur alte Leute essen gehen
sich hinsetzen
das Essen vor sich auf dem Tisch
erst einmal betrachten
daran riechen
mit geschlossenen Augen

Das Handy – huch! – im Büro „vergessen“
Niemand hier kennt mich
will Konversation mit mir
ich bin aus der Welt
eine ganze halbe Stunde lang
weg
einfach weg
ohne jeden Abschiedsbrief

dann essen
Gabel für Gabel
schmecken, wie das schmeckt
schmeckt das überhaupt?
ja, schmeckt

Nach dem Essen dasitzen
den schmutzigen Teller betrachten
und ihn aushalten
hoffen, dass er nicht zu schnell abgeräumt wird
der Bedienung bei der Arbeit zusehen
ihre Schwätzchen mit den alten Leuten stalken
mit den Augen verfolgen
wie einige
mit Stock oder Rollator
langsam
ganz langsam
Schritt für Schritt
das Cafe verlassen
und andere hereinkommen

Neidisch sein :-)

Liebe Grüße
und ich wünsche Dir, dass Dein heutiger Tag ein bisschen anders verlief, als die damals Ende September 2013 :-)

Wow, das liest sich wirklich schön entspannend!
Ich bin vermutlich in dem Maße neidisch auf dein Erlebnis wie du auf die Gelassenheit der älteren Leute, die du beaobachtet hast. : )

Meine Tage verlaufen heute zum Glück aber auch anders als noch 2013…allerdings noch lange nicht so entspannt, wie es mir vielleicht gut tun würde…

Vorgestern war ich zum Beispiel mit einem Freund „in der Natur unterwegs“. Warum mache ich das so selten? Hinterher ging es uns beiden besser, auch wenn wir überwiegend von einem Lokal zum nächsten mit seinem Auto gefahren sind und uns dann raus gesetzt haben (das war so spontan, dass ich nur sehr unpassendes Schuhwerk für Spaziergänge dabei hatte).
Das Problem ist immer, dass man das alleine nie macht und sich aber auch zu zweit einfach nicht die Zeit dafür nimmt…hinterher habe ich zu ihm gemeint, dass man sowas öfter machen sollte…und dass ich genau weiß, dass ich das nicht tun werde. Sollte man sowas vielleicht bewusst in seinen Alltag einplanen? Als Punkt auf die To-Do-Liste einfach „Nichtstun“ setzen?

> Sollte man sowas vielleicht bewusst in
> seinen Alltag einplanen? Als Punkt auf
> die To-Do-Liste einfach „Nichtstun“ setzen?

Hm. Ja, vielleicht. Aber sich im Klaren sein, dass das dann nur eine Krücke ist, die einen trägt, bis man irgendwann auch ohne sie, ganz von allein, im Alltag darauf kommt, dass mal wieder Nichtstun dran ist, um einen weiterzubringen :-)

Ich bin jetzt zwei Monate später sogar noch entspannter geworden…das liegt aber eher an der Sommerlethargie. Da habe ich keine Kraft mehr für 180 und bin froh, wenn mein Blutdruck 120 erreicht…

Aaaaaber ich arbeite daran, nichts zu tun! ; )

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